Evangelische Landeskirche geht neuen Weg

Mehr Geld für die eigene Gemeinde - neue Regeln für Kollekte

Kollekte: Eine Frau wirft Geld in den Klingelbeutel, nachdem sie den Gottesdienst besucht hat.
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Kollektenaufkommen ging im Corona-Jahr zurück: Weil weniger Menschen die Gottesdienste besuchten, wurde auch weniger Geld in die Klingelbeutel gesteckt. In den katholischen Kirchen durften die ohnehin nicht mehr herumgereicht werden.

Die evangelischen Kirchengemeinden können seit 1. Januar die im Gottesdienst gesammelten Kollekten freier für die eigene Arbeit einsetzen. Möglich wird das durch eine Änderung der Kollektenordnung.

Kreis Kassel – Ob die örtliche Krabbelgruppe oder Entwicklungshilfe in entfernten Ländern, die diakonische Arbeit oder Kirchenmusik – ab diesem Jahr haben die Gemeinden der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck (EKKW) mehr Freiheit zu entscheiden, welche Projekte sie mit Kollekten und Spenden unterstützen. Das sind die wesentlichen Neuerungen der Kollektenordnung, die die EKKW nun eingeführt hat.

„Die Änderungen bieten Gemeinden deutlich mehr Entscheidungsspielraum und stellen eine erhebliche Vereinfachung der Verwaltung dar“, erklärt Carmen Jelinek, Dekanin im Kirchenkreis Kaufungen. Die neue Kollektenordnung sieht folgende Regeln vor:

  • Kollekten und Spenden fließen in denselben Topf und müssen nicht mehr separat abgerechnet werden.
  • Das Geld aus der Kollekte bleibt an 55 von 65 Sonn- und Feiertagen zu 85 Prozent in der Gemeinde, der Rest wird zum Jahreswechsel an die Landeskirche übertragen.
  • An zehn Tagen im Jahr gibt es Pflichtkollekten, sieben davon kommen Projekten der Landeskirche (EKKW) zugute. Die restlichen drei gehen an Projekte der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD).
  • Der Vorstand stimmt über den Verwendungszweck des Geldes ab, dabei kann er von lokalen bis hin zu internationalen Projekten den Empfänger bestimmen.

Gründe für die Neuerungen waren der erhebliche Verwaltungsaufwand und die damit verbundenen Kosten des alten Systems. Deshalb beschloss die Landessynode 2015 eine Reform der Kollektenordnung, die nun seit Jahresbeginn gilt.

„Das Ziel des Ganzen ist, den Aufwand und die Kosten des Zählens, Verwaltens und Umbuchens der Spenden zu minimieren“, erklärt Jelinek. Bargeldtransaktionen werden immer teurer und man wolle sicherstellen, „dass das Geld der Spender so schnell und vollständig wie möglich bei den vielen wichtigen Projekten, auch in der eigenen Gemeinde, landet.“ Zum Jahresende müsse man dann Bilanz bezüglich der Effektivität der Änderungen ziehen.

Trotz zahlreicher coronabedingter Ausfälle von Veranstaltungen habe das Spendenaufkommen in ihrer Gemeinde Oberkaufungen 2019 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, sagt Jelinek. Vermutlich sei das Bewusstsein für das Leid anderer Menschen und der Wille zu helfen durch die Pandemie verstärkt worden. „Ich sah im letzten Jahr in der Kollekte deutlich mehr Geldscheine – auch höherer Beträge – als sonst“, sagt Jelinek.

Dechant Martin Gies vom katholischen Dekanat Kassel-Hofgeismar berichtet von unterschiedlichen Erfahrungen. „Bei uns ist 2019 ein deutlicher Rückgang der Spenden zu verzeichnen.“ Im Vergleich zum Vorjahr seien die Spenden um etwa die Hälfte zurückgegangen. Die Einschränkungen aufgrund der Pandemie hätten erheblichen Einfluss auf die Spendeneinnahmen rund um Weihnachten gehabt, worunter große Hilfsprojekte wie Brot für die Welt und Adveniat leiden.

Digitale Spenden seien laut Gies „noch kaum ein Thema“, da viele Gottesdienstbesucher nicht über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügten und die notwendige Infrastruktur für die digitalen Projekte oft noch in der Entwicklung stecke. Nun versuche man, mit Alternativen Abhilfe zu schaffen: Statt Sternsinger werde Gemeindemitgliedern ein Klebeband mit aufgedrucktem Segen zugesandt, das diese dann über den eigenen Hauseingang anbringen können. Der Erlös der dank der Aktion erhaltenen Spenden werde – ganz in der Tradition der Sternsinger – Kinderhilfswerken zugutekommen. (Raphael Digiacomo)

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