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Mehr Menschen beziehen Bürgergeld: Jobcenter erwartet trotzdem keinen Ansturm zum 1. Januar

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Von: Michaela Pflug

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Ein Heizungsgriff
Energiekosten sind ein Unsicherheitsfaktor © Michael Gstettenbauer/Imago

Aus Hartz 4 wird ab Januar Bürgergeld. Die Reform bringt einige Veränderungen mit sich, wie etwa die Zahl der Anspruchsberechtigten.

Kreis Kassel – Rund 11 000 Menschen im Landkreis Kassel beziehen Arbeitslosengeld II, bekannt als Hartz 4. Ab kommendem Jahr heißt dieses Bürgergeld. Es ändert sich mit dieser Reform einiges, unter anderem haben mehr Menschen Anspruch auf Leistungen.Trotzdem erwartet das Jobcenter Landkreis Kassel keinen großen Ansturm zum 1. Januar.

Das hat mehrere Gründe, erklärt Geschäftsführer Gregor Vick. Bestandskunden etwa wurden bereits auf das Bürgergeld inklusive der erhöhten Sätze umgestellt. Ein neuer Antrag muss nicht gestellt werden. „Das hat schon gut geklappt“, sagt Gregor Vick. Es sei schwierig zu prognostizieren, wie viele 2023 hinzukommen. „Das ist der Blick in die große Glaskugel. Es lässt sich noch nicht abschätzen.“

Ein großer Unsicherheitsfaktor: „Die Energiekosten.“ Man wisse nicht, wie sich diese entwickeln, wann die Abrechnungen bei Verbrauchern eintreffen oder wie sich Entlastungspakete der Regierung auswirken. Dass ein höheres Schonvermögen für viele neue Leistungsbezieher sorgt, bezweifelt Vick. „Die Erfahrung zeigt, dass wenig Menschen mit so hohem Sparvermögen zu uns kommen.“ Außerdem müssten auch erst einmal Menschen wissen, dass sie leistungsberechtigt sind.

Jede Reform sei eine Herausforderung. Insbesondere in Anbetracht des Krieges in der Ukraine, der viele neue Unterstützungsbedürftige in den Landkreis gebracht hat. „Wir sind aber guter Hoffnung, dies bewältigen zu können“. Schließlich sei man durch Finanzkrise, Flüchtlingszuzug 2015/16 und Pandemie krisenerprobt.

Auch habe sich die Reform angekündigt und sei in Gesprächen mit Experten erarbeitet worden. Manche Regeln gelten auch noch nicht – die neuen Freibeträge für Einkommen kommen etwa erst zum 1. Juli. Das gebe die nötige Zeit, zusätzliches Personal zu finden und einzustellen, den verwaltungsrechtlichen Rahmen zu schaffen, sowie Mitarbeiter zu schulen. Denn einer der Ansätze der Reform, die Vick besonders begrüßt, ist der Fokus auf Qualifizierung und Coaching. Luft nach oben sei immer, aber insgesamt sieht er die Reform als positiv. „Es sind viele Erfahrungen aus der Praxis eingeflossen.“

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