Plus vor allem bei Verpackungen

Mehr Müll im Landkreis Kassel während Corona-Pandemie

Leeren die Biotonnen in Vellmar: Die Mitarbeiter der Abfallentsorgung Kreis Kassel Karsten Thöne (links), der das Müllfahrzeug fährt, und Daron Karabet.
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Leeren die Biotonnen in Vellmar: Die Mitarbeiter der Abfallentsorgung Kreis Kassel Karsten Thöne (links), der das Müllfahrzeug fährt, und Daron Karabet.

Die Corona-Pandemie führt dazu, dass die Menschen mehr Abfall produzieren, wie die Daten der Abfallentsorgung Kreis Kassel zeigen. Das Abfuhrpersonal bestätigt das.

Kreis Kassel/Vellmar– Mehr Müll durch Corona – für den Landkreis Kassel lässt sich das so festhalten. Vor allem „die Anlieferungen auf den Recyclinghöfen haben enorm zugenommen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. So nutzten die Menschen die Zeit im Lockdown beispielsweise zum Entrümpeln.

Restaurantbesuche wurden durch Essensbestellungen nach Hause ersetzt, was mit einem Mehraufkommen der Einwegverpackungen einhergehe. Das Ergebnis zeige sich auch auf den Entsorgungszentren in Lohfelden und Hofgeismar.

„Es ist insgesamt mehr geworden“, wohl weil die Menschen deutlich mehr zu Hause sind als vor Corona, sagt Karsten Thöne. Er ist seit über 20 Jahren Mitarbeiter der Abfallentsorgung und am Donnerstagmorgen in Vellmar unterwegs, gemeinsam mit Daron Karabet und Collin Hönig. Das Abfuhrpersonal leert die Biotonnen. Das große, orangene Müllfahrzeug ist bereits von Weitem zu erkennen. Ein kleines Kind winkt den Mitarbeitern fröhlich zu, sie winken zurück.

Collin Hönig bringt eine rote Karte an, weil die Biotonne falsch befüllt wurde.

Gerade beim Biomüll gibt es laut Karabet viele Abfälle in der braunen Tonne, die dort nicht hineingehören. Prompt findet er ein Beispiel an der Elisabeth-Selbert-Straße: Jemand hat eine Plastiktüte mit Rest- und Recyclingmüll in die Biotonne geworfen – und zwar eine, die nicht biologisch abbaubar ist. Passiert das zum ersten Mal, bringt das Abfuhrpersonal eine gelbe Karte an der Tonne an. Damit werden die Anwohner darauf hingewiesen, dass die Tonne Störstoffe enthält, die dort nicht hineingehören. Die Tonne wird aber trotzdem geleert.

Wiederholt sich das, bekommt die Tonne eine rote Karte und wird nicht mitgenommen. Der Müllbehälter wird über einen Code gescannt und es wird gemeldet, dass sie falsch befüllt war (Artikel unten). Über den Code kann das Abfuhrpersonal auch defekte Tonnen melden, sollten das die Anwohner nicht selbst schon erledigt haben.

Nicht zerkleinerte Kartons im Altpapier.

Trotz veränderter Abfallmengen hat sich die Arbeit der Mitarbeiter kaum verändert, berichtet Carsten Mielke, Leiter des Bereichs Einsammlung. „Wir haben unsere Systematik beibehalten“, sagt er. Auch die Auflagen während der Arbeit seien so wie überall sonst, also Abstand halten und Maske tragen, wenn es zu eng wird. Eine gesonderte Müllentsorgung gibt es für die Testzentren – dort werden die Tests laut Mielke separat abgeholt und anschließend verbrannt.

Für Thöne, Karabet und Hönig geht es im Vellmarer Wohngebiet weiter. Thöne berichtet von einer Tour: Kürzlich seien die Altpapiermengen so groß gewesen, dass er seine Fahrt abbrechen musste, weil der Container bereits überfüllt war.

Der Abfall im Landkreis Kassel hat 2020 zugenommen

  • 7 Prozent mehr Gelbe-Sack-Abfälle vermeldet der Landkreis im Jahr 2020 verglichen mit 2019. 7647 Tonnen Leichtverpackungen fanden sich 2020 im gelben Sack – 2019 waren es noch 7150 Tonnen. Inzwischen wird der Recyclingmüll über die gelbe Tonne entsorgt.
  • 37 Kilogramm Sperrmüll hat 2020 ein Einwohner im Landkreis durchschnittlich verursacht. Das ist eine Steigerung von rund zehn Prozent verglichen mit 2019, als insgesamt 8075 Tonnen anfielen. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 8851 Tonnen.
  • 216 Kilogramm Bio- und Gartenabfälle wurden im vergangenen Jahr im Schnitt pro Person entsorgt. Bei den Leichtverpackungen für den gelben Sack waren es 32 Kilogramm, bei den Glasabfällen 24 Kilogramm.
  • 1200 zusätzliche Papierbehälter hat der Landkreis im vergangenen Jahr aufgestellt – und die wurden auch genutzt. Trotzdem ist das Gesamtgewicht an Papiermüll im Kreis um 2,5 Prozent gesunken, auf 18 631 Tonnen 2020 – ungefähr 79 Kilogramm pro Einwohner. Grund dafür ist laut Kühlborn, dass weniger Zeitungen und Kataloge entsorgt wurden und sich stattdessen mehr teils auch unzerkleinerte Kartons im Papiermüll fanden.
  • 5631 Tonnen Glasabfall wurden 2020 entsorgt. Das sind zehn Prozent mehr als noch 2019, da waren es insgesamt 5125 Tonnen.
  • 34.040 Anlieferungen auf dem Entsorgungszentrum Lohfelden gab es 2020 – 2019 waren es noch 26.692. Das macht eine Steigerung um knapp 28 Prozent. In Hofgeismar gab es sogar knapp 50 Prozent mehr Anlieferungen: 29.768. 2019 waren es 20.412.

Kleintierstreu und Hundekot gehören in den Restmüll

Jedes Jahr werden im Landkreis Kassel ungefähr 216 Kilogramm Bio- und Gartenabfälle pro Person gesammelt. Das teilt die Abfallentsorgung Kreis Kassel mit.

Alle Bioabfälle werden auf den Biokompostierungsanlagen in Lohfelden, Fuldatal und Hofgeismar zu Kompost weiterverarbeitet. „Unser Ziel ist, dass nur kompostierbarer Abfall in die Biotonne gelangt“, sagt Betriebsleiter Uwe Pietsch. Deshalb gibt es die Qualitätsoffensive Bioabfall.

Dabei werden falsch befüllte Biotonnen erkannt, registriert und ausgewertet. Das erfolgt sowohl über die Mitarbeiter vor Ort als auch automatisch über Sensoren am Müllfahrzeug. Sollte die Biotonne fremde Stoffe beinhalten, erhält die Tonne einen Zettel mit Entsorgungshinweisen. „Das Stehenlassen einer Biotonne ist mitunter nötig, da sich sonst Probleme in der Weiterverarbeitung der Bioabfälle ergeben“, sagt Pietsch.

Die Abfallentsorgung Kreis Kassel bietet kompostierbare Biobeutel in mehreren Varianten an. Erhältlich sind die Beutel in den Stadt- und Gemeindeverwaltungen, dem Kreishaus in Kassel sowie den Anlagen in Lohfelden, Fuldatal und Hofgeismar: 10-Liter-Biobeutel mit Henkel, Rolle à 25 Stück: 1 Euro; 120-Liter-Biobeutel, Rolle à zehn Stück: 5 Euro; 240 Liter-Biobeutel, Rolle à zehn Stück: 7 Euro.

In die Biotonne gehören Obst- und Gemüseabfälle, Speisereste, Kaffeefilter, Teebeutel, Laub, Moos, Baum-, Strauch- und Rasenschnitt sowie Wildkräuter, verwelkte Blumen, Küchen- und Zeitungspapier zum Einwickeln von Speiseresten.

Hingegen müssen Plastik, Glas, Windeln, Staubsaugerbeutel, Kehricht, Kleintierstreu, Katzenstreu, Hundekot und Asche über den Restmüll entsorgt werden. (Lara Thiele)

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