Pflegebedürftigkeit steigt

Mehr werden zu Hause gepflegt - Angehörige sollten sich frühzeitig informieren

Viele Angehörige beschäftigen sich mit dem Thema Pflege erst dann, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt. Die Krankenkassen raten, sich frühzeitig zu informieren.
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Viele Angehörige beschäftigen sich mit dem Thema Pflege erst dann, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt. Die Krankenkassen raten, sich frühzeitig zu informieren.

Die Anzahl der Pflegebedürftigen im Landkreis Kassel ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen.

Kreis Kassel – 14.334 Menschen haben Ende 2019 Geld aus der Pflegeversicherung empfangen, wie aus Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes (HSL) hervorgeht. Ende 2017 waren es 12.228 Pflegebedürftige, zwei Jahre zuvor 10 505. Von 2015 bis 2017 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen also um 16,4 Prozent erhöht, von 2017 bis 2019 um 17,2 Prozent. Im Landkreis leben rund 237 000 Menschen.

In der Stadt Kassel gab es Ende 2019 insgesamt 11.362 – zwei Jahre zuvor waren es 9572, für 2015 gibt das HSL 8082 Leistungsempfänger der Pflegeversicherung an. Das entspricht jeweils einem Anstieg um etwa 18 Prozent, also ähnlich den Zahlen im Landkreis. Das HSL erhebt die Pflegestatistik alle zwei Jahre, wie eine Sprecherin mitteilt. Die nächste Erhebung soll somit Ende 2021 stattfinden. Die Statistik erscheint jeweils etwa zwölf Monate nach dem Berichtsjahr.

„Der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung tragen dazu bei, dass die Zahl der Pflegebedürftigen seit Jahren ansteigt“, sagt Stefan Hartung, mobiler Pflegeberater der Krankenkasse IKK classic. Zugenommen habe auch die Anzahl der Pflegegeldempfänger, die ausschließlich von Angehörigen betreut werden.

Die Zunahme im ambulanten Bereich dürfte mit der Gesetzesänderung zu Beginn des Jahres 2017 zu tun haben, vermutet Riyad Salhi, Sprecher der AOK Hessen. Seitdem hätten die fünf Pflegegrade die drei Pflegestufen ersetzt. „Damals wurden alle in Pflegestufe 1 dem Pflegegrad 2 zugeordnet“, sagt Salhi. Somit habe es einige Menschen gegeben, die vorher keine Pflegeleistungen erhalten hätten, dann jedoch die Voraussetzungen für Pflegegrad 1 erfüllten.

In Erstgesprächen mit Hilfsbedürftigen zeigt sich laut Hartung, dass das Thema Pflege für viele Neuland ist. „Solange alles in Ordnung ist, ist Pflege für viele ein Tabuthema“, so der IKK-Pflegeberater. Das bestätigt Salhi: Sehr wenige Angehörigen beschäftigten sich präventiv mit dem Thema, sondern erst dann, wenn es nicht mehr anders geht. „Pflegebedürftigkeit ist keine Frage des Alters“, betont Hartung. Daher sei es sinnvoll, sich mit dem Thema früh auseinanderzusetzen.

Wer eine Beratung benötigt, nach einem geeigneten Pflegedienst oder Pflegeheim sucht, könne sich an die Pflegekasse seiner Krankenversicherung wenden. Die AOK bietet laut Salhi eine Pflegeberatung an – aufgrund der aktuellen Situation nur telefonisch unter 0800/0000897. Außerdem sei der Pflegestützpunkt des Landkreises eine Anlaufstelle. Informationen dazu gibt es im Internet unter zu.hna.de/psp_lkkassel.

3118 Menschen leben in Pflegeeinrichtungen

2019 wurden im Landkreis Kassel 3118 pflegebedürftige Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen und 2999 von ambulanten Pflegediensten zu Hause betreut. Das geht aus den Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes hervor. Die Anzahl der Pflegegeldempfänger, die ausschließlich von ihren Angehörigen betreut werden, lag bei 7396 und ist im Vergleich zum Jahr 2017 um 15 Prozent gestiegen.

821 Personen wurden Pflegegrad 1 zugeordnet, die meisten davon ohne Leistungen der ambulanten Pflege- und Betreuungsdienste oder Pflegeheime. (Lara Thiele)

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