Langes Warten

Chaos bei den Impfungen in der Region Kassel: „Man kriegt eher Corona als einen Termin“

Viele Betroffene berichten, dass die Vergabe der Impftermine sehr chaotisch abläuft - und warten weiterhin vergeblich darauf, einen Termin zugewiesen zu bekommen. Das Foto entstand im Impfzentrum Calden.
+
Viele Betroffene berichten, dass die Vergabe der Impftermine sehr chaotisch abläuft - und warten weiterhin vergeblich darauf, einen Termin zugewiesen zu bekommen. Das Foto entstand im Impfzentrum Calden.

Die Vergabe von Impfterminen läuft nicht reibungslos: Viele Menschen im Kreis Kassel haben seit Wochen massive Schwierigkeiten, einen Termin zu erhalten.

Kreis Kassel – Dazu gehört auch Alfred Bomberg aus Vellmar – als 80-Jähriger gehört er zur ersten Impfkategorie. Außerdem hat er zwei Herzoperationen hinter sich, wie er berichtet. Dass er sich impfen lassen kann, habe er im Januar mitgeteilt bekommen, und sich eine Stunde später direkt via Internet um einen Termin bemüht. Bislang sei er erfolglos gewesen, auch über die Telefonnummer 116 117.

Genauso geht es Anna Schulze aus Wesertal. Sie berichtet, dass sie direkt schriftlich den Antrag auf einen Impftermin gestellt und seitdem immer wieder angerufen, aber nur „fadenscheinige Antworten“ erhalten hat. „Was habe ich mir die Finger schon wund gewählt“, sagt die 88-Jährige verärgert. „Da kriegt man eher Corona, als einen Impftermin.“

Corona in der Region Kassel: Betroffene fühlen sich im Stich gelassen

Auch Herbert Güntner aus Baunatal erzählt von Problemen bei der Impfterminvergabe. Er und seine Frau, beide 82, hätten sich direkt für einen Impftermin registrieren lassen – telefonisch, denn Internet hat Güntner nicht, wie er sagt. Erst hätten sie keinen Termin erhalten, dann allerdings doch: den ersten am 29. April, den zweiten am 20. Mai. Einige Wochen nach der Terminvergabe sei dann ein Brief angekommen, dass wieder mehr Impfstoff zur Verfügung steht und frühere Termine vereinbart werden können. Güntner und seine Frau erhielten eine Zusage für den 3. März. „Wir haben uns riesig gefreut“, berichtet der Senior.

Allerdings habe er vergeblich auf die angekündigte schriftliche Bestätigung des Termins gewartet. Deshalb rief Güntner erneut bei der Impfvergabestelle an, wie er berichtet, und fand heraus, dass weder er noch seine Frau für den 3. März im System stehen – es bleibe beim 29. April, berichtete die Frau am Telefon. „Ich fühle mich im Stich gelassen“, sagt Güntner – vor allem, wenn er jetzt lese, dass andere Gruppen vorgezogen werden und er weiterhin auf seinen Termin warten muss. Er und seine Frau seien sehr vorsichtig, um sich nicht zu infizieren – „das belastet mich auch psychisch“, sagt Güntner.

Probleme bei Corona-Impfterminen im Kreis Kassel: „Das Ganze ist ein Skandal“

Auch eine Frau aus dem Landkreis, die als Rollstuhlfahrerin der zweiten Gruppe angehört, berichtet von ihren vergeblichen Versuchen, einen Impftermin zu bekommen. Aus Mobilitäts- und Hilfegründen sei es wichtig, dass sie mit ihrem Pfleger gemeinsam geimpft wird.

Außerdem stehe Ende März ein Umzug nach Kassel an. „Ich habe versucht, uns mit der neuen Adresse registrieren zu lassen, aber das geht nicht“, berichtet die Frau. Dabei sei es für sie und ihren Pfleger, mit dem sie zusammenlebe, bereits jetzt schon schwer genug, die Fahrt nach Calden zu organisieren. „Das Ganze ist für mich ein Skandal“, sagt sie und hofft, Hilfe zu bekommen. (Lara Thiele)

Im Februar hieß es noch, dass es mehr Corona-Impfstoff für Senioren in Stadt und Kreis Kassel gebe. Viele Termine sollten so nach vorne verlegt werden. Auch bei der Terminvergabe für einen Hausbesuch der mobilen Impfteams gibt es Probleme. Die Betroffenen fühlen sich im Stich gelassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.