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Mit Mini-PV-Anlagen Sonnenstrom vom Balkon nutzen

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Von: Valerie Schaub

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Prädikant Wolfram Dawin und Pfarrerin Kerstin Grenzebach vor dem Balkonkraftwerk der „Arche“.
Sonnenstrom am Gemeindehaus in Lohfelden: Prädikant Wolfram Dawin und Pfarrerin Kerstin Grenzebach vor dem Balkonkraftwerk der „Arche“, das seit einem Jahr Strom fürs Kirchenbüro des Kooperationsraums Söhre-Fuldabrück produziert. © Valerie Schaub

Am Balkongeländer oder auf dem Carportdach Strom erzeugen – das geht mit Mini-PV-Anlagen. Damit können nicht nur Eigenheimbesitzer, sondern auch Mieter ihre Stromkosten senken.

Kreis Kassel – Für Solarzellen ist das Dach von Bernd Dickmann nicht geeignet, die Kosten und der Aufwand wären zu hoch. Aber es geht auch kleiner: Seit elf Monaten hat der Lohfeldener zwei Mini-Solarzellen auf seinem Carportdach. „Von morgens bis abends scheint hier die Sonne“, sagt der 63-Jährige. Die Anlage ist direkt ans Stromnetz angeschlossen. 100 Kilowattstunden habe er schon gesammelt.

Die Idee hat er sich im Gemeindehaus Vollmarshausen abgeschaut. Dort erzeugen zwei Module am Balkongeländer Strom, der vormittags für Geräte im Kirchenbüro genutzt wird. „Es ist auch ein Impuls an die Gemeinde“, sagt Pfarrerin Kerstin Grenzebach.

Die Nachfrage von Mini-Solaranlagen ist gestiegen

Tatsächlich ist die Nachfrage nach den kleinen Balkonkraftwerken hoch. Beim Netzbetreiber EAM sind aktuell 1400 sogenannte Stecker-PV-Anlagen angeschlossen, fast alle aus den vergangenen eineinhalb Jahren. Seit Jahresbeginn nimmt die Nachfrage laut EAM zu.

Die Gemeinde Kaufungen bietet seit kurzem Mini-Module zum Ausleihen und Testen an. Auch die sind so beliebt, dass es schon eine Warteliste gibt. Das große Interesse bestätigt auch der Verein Solocal Energy in Kassel. Er bietet Kraftwerke mit Anbauservice und Beratung an. Laut Angelica Gamarra haben sich die Anfragen verdreifacht. „Wir kommen nicht mehr hinterher.“ Dabei gibt es den Verein erst seit einem Jahr. Corona, gestiegene Preise und der Halbleitermangel sorgten zudem für Engpässe. Um dem Ansturm überhaupt noch gerecht werden zu können, würden Kunden dahingehend beraten, dass sie ihr Modul selbst anbringen können.

Obwohl auch der Verein die Preise anheben musste, lohnt es sich laut Gamarra, eigenen Strom zu produzieren, auch für Balkone mit Südost- oder Südwestausrichtung. Mieter, die keine Außensteckdose besitzen, könnten diese als Modernisierungsmaßnahme beim Vermieter beantragen.

Was Mieter bei Mini-PV-Anlagen beachten sollten

Wer als Mieter seinen Balkon zur Stromgewinnung nutzen will, sollte das mit seinem Vermieter abklären. Laut Rechtsanwalt Christian Franz stehen die Chancen für Mieter aber gut. Franz ist Rechtsberater beim Mieterbund Nordhessen. Zu dem Thema hatte er bisher zwar keine Anfragen. Grundsätzlich befürworte der Mieterbund aber die Installation.

Eine Genehmigung sei erforderlich, wenn die Bausubstanz verändert werde, weil in die Wand gebohrt werde. Dann müsse nachgewiesen werden, dass das Modul korrekt angebracht und die Bausubstanz nicht beschädigt wurde. Mit einem Nachweis eines Fachhandwerkers könnten Mieter solche Bedenken aus dem Weg räumen. Handelt es sich um eine Wohnungseigentumsanlage, müsste eventuell auch die Gemeinschaft zustimmen.

Die Wohnungsbaugesellschaft GWG in Kassel steht erneuerbaren Energien grundsätzlich positiv gegenüber. Bei Mini-PV-Anlagen müssten aber Fragen „im Hinblick auf Risiken und verbundene Pflichten für uns als Vermieter und für unsere Mieter“ geprüft werden, heißt es auf Anfrage. Auch die Verkehrssicherungspflicht müsse man im Blick behalten.

Denkmalschutz und Mini-PV-Anlagen

Weil Mini-PV-Module oft an Brüstungen angebracht werden, kann auch der Denkmalschutz eine Rolle spielen. Was dabei zu beachten ist und ob die Balkon-PV-Anlage beim Denkmalamt genehmigt werden muss, ist immer eine Einzelfallentscheidung, erklärt Reinhard Petersen von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Eine mögliche Beeinträchtigung der Ansicht spiele hier eine Rolle.

Bisher gebe es noch keine Anfragen. Die Entscheidung obliege grundsätzlich dem Landesamt für Denkmalschutz in Marburg. Ob ein Haus denkmalgeschützt ist, könne der Vermieter beantworten. Für die Altkreise Kassel und Hofgeismar gebe es ein Verzeichnis, im Altkreis Wolfhagen sei es im Aufbau.

Eine abschließende Regelung gibt es laut Landesamt für Denkmalschutz nicht, heißt es aus der Pressestelle. Das Amt arbeite gerade an einer Broschüre zu dem Thema, wie sich PV-Anlagen auf Denkmälern integrieren lassen. Sie soll am Ende des Jahres mit vielen gelungenen Beispielen erscheinen.

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