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Mit Staumauern gegen Starkregen: So sehen die Pläne zum Hochwasserbecken in Helsa aus

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Von: Valerie Schaub

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Ohne Hochwasser beschaulich: Die Losse kann aber auch zum reißenden Strom werden. In zwei Jahren könnte sie bei Helsa durch eine Staumauer fließen. Das Bild zeigt sie zwischen Waldhof und Helsa.
Ohne Hochwasser beschaulich: Die Losse kann aber auch zum reißenden Strom werden. In zwei Jahren könnte sie bei Helsa durch eine Staumauer fließen. Das Bild zeigt sie zwischen Waldhof und Helsa. © Valerie Schaub

Mit einem Bau von zwei Hochwasserbecken will der Wasserverband Losse Helsa, Kaufungen und Kassel vor den Folgen von Starkregen und Hochwasser schützen. Die Details der Pläne für das Helsaer Becken hat der Verband jetzt vorgestellt.

Helsa – Mit dem Klimawandel und den vergangenen Starkregenereignissen steigt die Angst vor Hochwasser. Als die Pegel der Losse 1969 auf 3,44 Meter anstiegen, liefen in Helsa die Keller voll mit Wasser. Es war ein Jahrhunderthochwasser mit Schäden in Millionenhöhe, auch in Kaufungen und Kassel – schlimmer als 2007 und 2019. Der danach gegründete Wasserverband Losse will solche Folgen verhindern. Jetzt hat er die Pläne für eins von zwei Hochwasserrückhaltebecken in Helsa vorgestellt.

Wie sehr wird das Becken Helsa schützen?

Das geplante Staubecken soll 655 000 Kubikmeter Wasser stauen können, erklärt Projektleiter Helmut Rother. Es schützt damit die Ortschaften vor einem hundertjährlichen Hochwasserereignis wie 1969. Statistisch gesehen wäre es also alle 100 Jahre voll. Seine Dämme sind baulich sogar bis zu einem Hochwasser sicher, das statistisch alle 10 000 Jahre vorkommt, erklärt Jan Rest vom Planungsbüro Wald und Corbe bei Freiburg.

Sobald die Losse Hochwasser führt, wird sich Wasser im Becken anstauen, was etwa alle fünf Jahre passieren wird. Bei einem Hochwasser wie 1969 wäre das Becken in wenigen Stunden voll. Aktuell kann die Losse ein fünfjährliches Hochwasserereignis ableiten.

Wohin wird es gebaut?

Es soll zwischen der Bundesstraße nach Hessisch Lichtenau und den Bahnschienen der Tramlinie entstehen. Der fast zwölf Meter hohe Damm wird etwas weiter südlich der A 44-Abfahrt errichtet.

Was ist noch in Planung?

Ein weiteres Becken ist vor Kaufungen geplant, insgesamt werden beide ein Stauraum von 1,35 Millionen Kubikmeter haben. Das entspricht etwa 540 olympischen Schwimmbecken.

Wie funktionieren die Staubecken?

Beide Becken werden vollautomatisch gesteuert, erklärt Rest. Dafür gibt es Wasserstandsmessungen. „Sobald diese unterhalb des kritischen Werts sind, müssen die Türen weiter hochgehen.“ Gibt es einen Einstau, werde ein Stauwärter vor Ort sein.

Wie stark wird das Wasser ausgebremst?

Wenn aufgestautes Wasser abgelassen werden muss, reduziere die Staumauer das Volumen um 70 Prozent. Rest nennt ein Beispiel: Etwa 55 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließen bei einem hundertjährlichen Hochwasser auf das Becken zu, 14 bis 16 Kubikmeter fließen ab. Zusammen mit dem Becken in Kaufungen würden die Staumauern bei einem hundertjährlichen Hochwasser die Wassermengen um 80 Prozent reduzieren.

Wieso muss das Becken so groß sein?

Natürlicher Hochwasserschutz braucht seinen Platz, stellen die Planer klar. Deshalb sei es nicht möglich, denselben Effekt mit kleineren Becken zu realisieren, man bräuchte 40 bis 50. „Dafür gibt es keine Fläche“, erklärt Jan Rest. Ein Rückhalt in Auen funktioniere nur im Flachland, aber nicht im Tal wie in Helsa.

So könnte es aussehen: Eine Staumauer an der Lauter in Baden-Württemberg.
So könnte es aussehen: Eine Staumauer an der Lauter in Baden-Württemberg. © Wald+ Corbe

Wie wird es aussehen?

Das Becken wird einen zwölf Meter hohen Damm haben und das Landschaftsbild erheblich verändern. Die Planer betonen, dass es sich um ein offenes Bauwerk handelt. Auffallen werden vor allem die Stauwände. Auf den aufgeschütteten und verdichteten Hängen sollen wieder Wald oder Wiese entstehen. Ein Schäfer soll die Fläche mit seinen Tieren pflegen. Es wird Zufahrten zu den innen liegenden Grundstücken geben. In der Regel seien solche Dämme später bei Joggern und Radfahrern sehr beliebt.

Welche Folgen hat das für die Natur?

Das Becken bei Helsa bedeutet ein Eingriff in die Natur, der auch Nachteile mit sich bringt, sagt der beteiligte Biologe Thomas Schmidt. Das lasse sich nicht verhindern. Trotzdem habe man versucht, sie so gering wie möglich zu halten. An manchen Hängen müssten auch Bäume gefällt, Boden aufgeschüttet und verdichtet werden. Auch der Auenwald muss in Teilen für den Bau weichen.

Wie wird die Natur geschützt?

Auf den späteren Hängen wird in Teilen wieder Wald entstehen. „Der jetzige Waldboden wird dafür ungesiebt gelagert, mit allem Totholz und Sporen“, erklärt der Biologe. Eine Losseschleife, die für den Bau weichen muss, soll neu angelegt werden.

Welche Tiere sind davon betroffen?

Bergeidechsen, Feuersalamander und der schwarzblaue Ameisenbläuling, eine geschützte Schmetterlingsart, leben beispielsweise an der Losse. Diese Lebensräume lassen sich laut Schmidt schnell wiederherstellen. Neben dem Becken wird es Ausgleichsflächen geben. Der Biber könne übrigens problemlos durch das Auslassbauwerk schwimmen.

Was passiert mit den betroffenen Grundstückseigentümern?

Oft überstaute Grundstücke werden meist an den Verband verkauft und dann verpachtet. Im Falle einer Überschwemmung sollen die Grundstückbesitzer entschädigt werden.

Wann soll gebaut werden?

Anfang 2023 werden die Pläne offengelegt mit Gelegenheit für Einwände. Am Ende des Verfahrens wird Baurecht geschaffen. Der Wasserverband rechnet mit einem Baubeginn 2024 und einer Bauzeit von zwei Jahren.

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