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Nabu: Beweidung durch Wasserbüffel ist Gefahr für Teich-Biotop

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Von: Boris Naumann

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Martin Lange und Manfred Henkel vom Nabu Kaufungen-Lohfelden machen sich ernsthaft Sorgen um die Vitalität des Teich-Biotops.
Martin Lange und Manfred Henkel vom Nabu Kaufungen-Lohfelden machen sich ernsthaft Sorgen um die Vitalität des Teich-Biotops. © Naumann, Boris

Die erneute Beweidung des Schilfgürtels durch Büffel könnte das Aus für den neuen Vollmarshäuser Teich in Lohfelden bedeuten

Lohfelden – Erneut große Sorgen macht sich der Nabu Kaufungen-Lohfelden um den 2003 angelegten Neuen Vollmarshäuser Teich in Lohfelden. Die Trockenheit setzt dem Gewässer zu. Nur noch eine kleine, von Algen braun und grün gefärbte Pfütze ist übrig geblieben. „Normalerweise ist der Teich fünf- bis sechsmal größer“, sagen Martin Lange und Manfred Henkel vom Nabu.

Was aber noch viel schlimmer ist: „Wegen der Trockenheit hat sich der im vergangenen Jahr stark dezimierte Schilfgürtel nicht wirklich erholen können“, sagen die beiden Naturschützer. Jetzt drohe eine erneute Beweidung durch jene sechs Wasserbüffel, die bereits im Jahr 2021 mit Zustimmung des RP Kassel zur Pflege des 250 Meter weiter östlich liegenden Naturschutzgebietes Vollmarshäuser Teiche vom landwirtschaftlichen Betrieb Gundelach angeschafft wurden (HNA berichtete).

„Uns ist klar, dass diese Beweidung zulässig wäre“, sagt Lange. Immerhin sei erst im April dazu eine Vereinbarung mit dem Nabu, der AK Umwelt und Naturschutz der Agenda 21, der Unteren Naturschutzbehörde und – mit Dirk Gertenbach – auch der Gemeinde Lohfelden getroffen worden. „Und die Vereinbarung besagt, dass der Schilfgürtel des Neuen Vollmarshäuser Teichs ab August für vier Wochen plus einer weiteren Beweidungsphase zu einem späteren Zeitpunkt beweidet werden darf.“

Jetzt aber zeige sich, dass wegen der Trockenheit und wegen der schon sehr umfänglichen Beweidung durch die Büffel im vergangenen Jahr das Schilf sich längst noch nicht soweit erholt hat, als dass es erneut beweidet werden könnte. „Hier steht ein wichtiger und seltener Lebensraum komplett auf dem Spiel“, sagt Lange. Vor allem von Schilf abhängige Vogelarten wie der Zwergtaucher oder der Teichrohrsänger – und damit auch der Kuckuck – seien jetzt schon nicht mehr zu beobachten.

Hinzu kommen die vielen Zugvögel, die im Herbst und im Frühjahr den Teich als Rast- und Futterstelle auf ihrer Reise in den Süden oder in den Norden nutzten. „Der neue Vollmarshäuser Teich ist ein Arten-Hotspot und ein wichtiger Trittstein für den Vogelzug“, sagt Henkel. Um die 100 Vogelarten seien an dem Gewässer schon gesichtet worden. „All das droht nun verloren zu gehen“.

Doch stößt der Nabu Kaufungen-Lohfelden bei Dirk Gertenbach von der Gemeinde Lohfelden und auch bei Landwirt Max Gundelach auf offene Ohren. „Auch ich habe mir den Schilfgürtel angesehen und denke, dass eine jetzige Beweidung vermieden werden sollte“, sagt Gertenbach. Auch Landwirt Gundelach sehe das so. Das sei jüngst in einem Gespräch deutlich geworden.

Um eine neue Lösung zu finden, sei am 18. August ein weiterer Vor-Ort-Termin mit allen Beteiligten vereinbart worden. Gertenbach: „Zwar gibt es diese im April verabredeten Beweidungszeiten. Die sind aber nicht in Stein gemeißelt. Denn die Vereinbarung besagt auch, dass das Beweidungskonzept vorerst nur versuchsweise zulässig ist. Anders gesagt: Zeigt sich, dass Schutzbemühungen dadurch konterkariert werden, müssen die Beweidungszeiten entsprechend angepasst werden.“ Dass das möglich ist, da ist sich Gertenbach sicher. So verfüge der Hof Gundelach noch über weitere Flächen, auf denen die Büffel beweidet werden könnten – wie die Feuchtwiese an der Schillerstraße. „Die Büffel brauchen im Sommer Wasserlöcher, um sich abkühlen zu können. Im Herbst, Winter und Frühjahr funktionieren auch normale Weiden.“

Zumindest für den Nabu ist das ein wichtiges Signal in die richtige Richtung. „Die Büffel sollen ja die Natur schützen und nicht die Natur die Büffel“, sagen Lange und Henkel. Jetzt hoffen sie darauf, dass am 18. August eine für alle tragfähige Lösung vor allem auch im Sinne des Naturschutzes gefunden wird.

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