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Nach Attacke in Vellmar: Peta will „Hundeführerschein“

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Von: Sebastian Schaffner

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Sitz, Platz, bei Fuß: In Hessen müssen bislang nur Halter von gefährlichen Hunden eine Sachkundebescheinigung vorweisen, dazu gehören auch Rottweiler, wie hier auf unserem Symbo
Sitz, Platz, bei Fuß: In Hessen müssen bislang nur Halter von gefährlichen Hunden eine Sachkundebescheinigung vorweisen, dazu gehören auch Rottweiler, wie hier auf unserem Symbo © in der Bildmitte. Foto: Markus Scholz/dpa-Bildfunk

Nachdem kürzlich ein Hund in Vellmar einen 20-jährigen Mann attackiert und in den Unterarm gebissen hat, fordert die Tierrechtsorganisation Peta die Landesregierung auf, einen verpflichtenden Führerschein für Hundehalter einzuführen.

Vellmar – „Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine“, sagt Monic Moll von Peta. Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, könne zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden, unabhängig davon, ob er einer „Rasse“ angehöre. Viele Halter könnten das Verhalten, die Signale und die Körpersprache ihres Hundes nicht richtig deuten.

Peta fordert deshalb, dass Halter, bereits bevor sie einen Hund aufnehmen, einen Theoriekurs absolvieren. In diesem müssen sie Wissen über tiergerechte Haltung, Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend soll ein Praxisseminar mit dem Hund in einer Hundeschule Pflicht werden. „Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.“

In Hessen benötigt man bislang lediglich als Halter eines gefährlichen Hundes eine Sachkundebescheinigung, sonst nicht. Als gefährlich gelten laut der „Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden“ neun Rassen und Gruppen: Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier, American Bulldog, Pitbull-Terrier, Staffordshire-Terrier, Dogo Argentino, Kangal/Karabash, Rottweiler und Kaukasischer Owtscharka.

Die Landestierschutzbeauftragte Dr. Madeleine Martin unterstützt auf Nachfrage unserer Zeitung die Forderung nach einem allgemeinen Hundeführerschein. Einerseits würde er spontane Hundekäufe unmöglich machen. „Zum anderen ist davon auszugehen, dass mehr Sachkunde bei Hundebesitzern zu weniger gefährlichen Zwischenfälle mit Hunden auch innerhalb der Familien führt“, sagt Martin.

In Niedersachsen müssen Menschen, die einen Hund halten möchten, bereits die dafür nötige Sachkunde nachweisen. Die Nachbarn im Norden haben den Hundeführerschein 2013 als erstes Bundesland eingeführt. „Die Resonanz auf die Einführung des Sachkundenachweises ist allgemein sehr positiv“, teilt das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf HNA-Nachfrage mit. Konkrete Zahlen, die einen tatsächlichen Erfolg belegen, gebe es jedoch nicht. „Die Zahl der Hundebisse wird in Niedersachsen nicht zentral erfasst“, heißt es aus dem Ministerium. (Sebastian Schaffner)

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