Nachfrage auch wegen Corona hoch

Die Wohnmobil-Branche boomt – Händler im Landkreis Kassel suchen Mitarbeiter

Zwei Herren jüngeren bis mittleren Alters stehen in einer Werkstatt, es sind mehrere Wohnmobile zu sehen.
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Neu bei Wohnwagen Becker: Thomas Rothenburg (37, links) und Orkan Jasaroski (45) arbeiten erst seit Anfang Mai beziehungsweise 10. Juni in Ihringshausen. Allein in den vergangenen drei Monaten hat Geschäftsführerin Sarah Becker sechs neue Mitarbeiter eingestellt.

Die Nachfrage nach Wohnmobilen ist hoch, trotz oder auch gerade wegen Corona. Während in einigen Branchen Personal abgebaut wird, suchen lokale Wohnmobil-Händler neue Mitarbeiter.

Kreis Kassel – Im vergangenen Jahr verzeichnete die Caravaning-Branche einen Rekordumsatz von 12,5 Milliarden Euro, wie der Caravaning Industrie Verband (CIVD) vermeldet. Auch im ersten Quartal dieses Jahres erreichte man mit 24 224 neu zugelassenen Freizeitmobilen deutschlandweit einen neuen Bestwert für die ersten drei Monate eines Jahres.

Während in einigen Branchen coronabedingt Personal abgebaut werden muss, könnten lokale Wohnmobil-Verkäufer neue Mitarbeiter gut gebrauchen. „Ein bis zwei Monteure und Mitarbeiter im administrativen Bereich suchen wir schon noch“, sagt Sarah Becker, Geschäftsführerin von Wohnwagen Becker in Fuldatal-Ihringshausen.

Wunsch nach mehr Flexibilität ein Grund für hohe Nachfrage

Und das, obwohl sie in den vergangenen drei Monaten sechs neue Mitarbeiter eingestellt hat und nun schon 65 Menschen beschäftigt. Als sie den Betrieb 2013 von ihrem Vater Jürgen Becker übernahm, waren es noch 40.

„Campen ist nicht nur für die Menschen, die sich keinen großen Urlaub leisten können oder wollen“, sagt Sarah Becker. Vor allem der Wunsch nach mehr Flexibilität habe die Nachfrage nach Wohnmobilen während der Coronakrise weiter ansteigen lassen.

Zwei von Beckers neuen Mitarbeitern sind Thomas Rothenburg und Orkan Jasaroski aus Vellmar. Beide waren arbeitssuchend, Thomas Rothenburg war von seinem alten Arbeitgeber mit der Begründung gekündigt worden, dass coronabedingt Personal abgebaut werden müsse.

Der gelernte Maler und Lackierer arbeitet jetzt in der Fahrzeugpflege, der ausgebildete Verkäufer und Handwerker Jasaroski als Caravan-Techniker. Gezielt nach Stellen in der Branche gesucht hätten beide zwar nicht, aber sie seien dankbar für eine neue Chance. „Wir haben super Kollegen und hier wird einem zugehört“, sagt Rothenburg.

Caravan-Mechaniker durch Weiterbildungen, nicht Ausbildung

Eine Ausbildung zum Caravan-Mechaniker gibt es aber nicht, sagt Sarah Becker. Ein Grund dafür ist, dass Mitarbeiter über viele verschiedene Bereiche Bescheid wissen müssen, zum Beispiel über Satelliten- und Wasseranlagentechnik sowie Möbel. Dafür gebe es spezielle Weiterbildungen.

Aus diesem Grund sei Becker auch offen für Mitarbeiter, die aus anderen Branchen kommen. So befinden sich unter ihren Mitarbeitern auch ein gelernter Tischler und ein Bootsbauer.

Einen Auszubildenden hat Becker aber trotzdem – im kaufmännischen Bereich. Dass die Nachfrage nach Wohnmobilen nach Corona abnehmen könnte, ist Sarah Becker bewusst. „Jeder Trend ist endlich“, sagt sie.

Dieser Meinung ist auch Marco Gallinat, Geschäftsführer von Kuno’s Mobile Freizeit aus Edermünde. Sein Unternehmen wird noch in diesem Jahr einen Standort in Baunatal eröffnen – ein Plan, der aber schon vor der durch Corona gestiegenen Nachfrage festgestanden habe.

Wie lang wird der Wohnmobil-Boom noch anhalten?

„Ich denke, dass der Boom noch ein, zwei Jahre anhalten wird“, sagt Gallinat. Für den neuen Unternehmensstandort habe man besonders Mitarbeiter im Werkstatt- und Servicebereich gesucht. Auch Auszubildende plane man dort einzustellen. „Dies wird dann im kaufmännischen Bereich sein – leider ist der Caravantechniker noch kein Ausbildungsberuf“, sagt Gallinat.

Einen Auszubildenden einzustellen, darüber nachgedacht hat man auch bei Hassmann Reisemobile in Fuldatal-Ihringshausen. „Der Bedarf wäre da“, sagt Stephanie Hassmann. Mehr Mitarbeiter wegen der höheren Nachfrage nach Wohnmobilen beschäftigt sie aber nicht. Man wolle ein Familienbetrieb bleiben – alle der insgesamt vier Mitarbeiter sind miteinander verwandt.

Hinzu kommt: „Viele Menschen werden nach Corona wieder eher Kreuzfahrten machen und fliegen“, sagt Hassmann. Sie rechne daher damit, dass spätestens nach 2023 die Nachfrage sinken werde. (Jan Trieselmann)

Freizeitmobile

Freizeitmobile unterscheiden sich zunächst einmal dadurch, ob sie einen eigenen Motor haben oder nicht. Letzteres ist bei Wohnwagen der Fall, die auch Caravans genannt werden. Wohn- und Reisemobile haben einen eigenen Motor und bezeichnen darüber hinaus das gleiche. Doch auch bei ihnen gibt es noch einmal unterschiedliche Fahrzeug-Arten, vor allem je nach Größe des Fahrzeugs und des Wohnraums. Beliebt ist vor allem der Kastenwagen, bei dem es sich optisch um einen umgebauten Transporter handelt. Ein teilintegriertes Reisemobil gleicht optisch einem herkömmlichen Wohnmobil und hat die Fahrerkabine eines Transporters. Bei einem vollintegrierten ist auch diese neu konstruiert.

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