Vereine kämpfen gegen Mitgliedermangel – Corona verstärkt das Problem

Naturschützer im Landkreis Kassel suchen Nachwuchs

Sie sind die jungen Wilden im Naturschutzverein Nieste: Nicolas Helmke (links) und Danilo Schade helfen beim Krötensammeln zwischen Nieste und Kleinalmerode aus. Unser Foto entstand im vergangenen Jahr.
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Sie sind die jungen Wilden im Naturschutzverein Nieste: Nicolas Helmke (links) und Danilo Schade helfen beim Krötensammeln zwischen Nieste und Kleinalmerode aus. Unser Foto entstand im vergangenen Jahr.

Natur- und Umweltschutz haben in den vergangenen Jahren einen mächtigen Schub erlebt. Wirkt sich das auf die Mitgliederzahlen der Naturschutzvereine in der Region aus?

Kreis Kassel – Von einem Zuwachs merkt Martin Lange nichts. Zwar stiegen die Mitgliederzahlen insgesamt leicht an, sagt der Vorsitzende des Nabu Kaufungen/Lohfelden. Der Verein zähle 1041 Mitglieder. Die Zahl der wirklich aktiven Mitglieder sei jedoch gleichbleibend und junge Nachwuchskräfte im Alter bis 18 Jahre trotz des Umweltschutztrends Mangelware.

„Junge Menschen gehen zwar mehr auf die Straße, im Verein engagieren sie sich aber nicht mehr“, sagt Lange. Das liege womöglich an steigenden Anforderungen in der Schule und im privaten Bereich. „Die Jugendlichen sind damit ziemlich ausgelastet.“ So seien die 180 Mitglieder bis 18 Jahre meist Familienangehörige älterer Mitglieder. Durch Corona sei die Kinder- und Jugendarbeit zum Erliegen gekommen. „Die Treffen unserer Kleinen Füchse beispielsweise, der Vier- bis Zwölfjährigen, finden bis auf Weiteres nicht mehr statt“, sagt Lange. So sei es schwer, neue Mitglieder zu werben.

Düsterer sieht es bei den Niester Naturschützern aus: Der Verein habe noch knapp 40 Mitglieder, Tendenz sinkend. „Junger Nachwuchs kommt kaum nach“, sagt Vorsitzender Thorsten Fink. Viele gemeinnützige Vereine hätten dieses Problem, bei Sportvereinen sehe es anders aus, ist der Niester überzeugt. Das liege wohl daran, dass beim Naturschutz der Spaßfaktor nicht ganz so groß sei. „Amphibien in Eimern über eine Straße zu schleppen, ist einfach nicht so angenehm.“

Einzelne Aktionen hätten guten Zulauf, „aber junge Menschen für regelmäßige Termine zu gewinnen, ist sehr schwer“. Immer wieder versuche der Verein, über die Zusammenarbeit mit Schule und Kindergarten neue Impulse zu setzen, junge Menschen dauerhaft zu begeistern, aber das gelinge nicht.

Auch in der Nabu-Gruppe Fuldatal, die auch Mitglieder aus Ahnatal, Vellmar und Espenau hat, fehlen Jugendliche. Laut Vorsitzendem Werner Bellon sind die jungen Mitglieder im Verein meist Kinder, die zusammen mit den Eltern als Familie im Nabu sind. Um Jugendliche für die aktive Mitarbeit im Nabu zu gewinnen und zu halten, müsse man sie pädagogisch betreuen. Das mache der Nabu auch in Kooperation mit Schulen, allein sei diese Arbeit aber kaum zu stemmen.

Um für die Mitarbeit zu werben, hänge die Nabu-Gruppe auch Plakate an Supermärkten auf. Rückmeldungen darauf gebe es, nur selten von Jugendlichen. Das Problem sie auch, so Bellon, dass junge Menschen nach dem Schulabschluss oft wegziehen oder keine Zeit mehr haben. „Die meisten wollen nur hin und wieder mitmachen.“ Das Engagement vieler Jugendlicher bei den Fridays-For-Future-Demos sieht Bellon auf anderer Ebene – „da geht es um Politik, das Theoretische. Bei uns im Verein spielt sich die Praxis ab“.

Zuwachs an passiven Mitgliedern im Nabu Hessen

Während die Naturschutzvereine vor Ort Schwierigkeiten haben, gerade junge Mitglieder zu gewinnen, verzeichnet der Nabu Hessen einen großen Zuwachs – und zwar von 58 000 vor fünf Jahren auf nun 76 000 Mitglieder. Nabu-Sprecher Berthold Langenhorst sagt, das Interesse an den Themen sei deutlich gestiegen. Allerdings handele es sich bei den neuen Mitgliedern vor allem um passive, die zwar Beiträge zahlen, sich aber wenn überhaupt nur sehr gezielt an Aktionen beteiligten. Hinzu komme, dass der Einstieg in den aktiven Naturschutz für Laien immer schwerer werde, gerade wenn es beispielsweise um Stellungnahmen zu Bauvorhaben geht. „Diese werden bürokratisch immer mehr verkompliziert und müssen schneller abgeliefert werden“, sagt Langenhorst. 

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