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Neuer Akteur im Netzgeschäft

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Von: Boris Naumann

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Der Glasfaserausbau in Nordhessen nimmt weiter Fahrt auf: Mit der Glasfaser Plus betritt ein weiterer Akteur die Bühne. Das Unternehmen will flächendeckend Glasfaser bis in die Wohnungen hinein verlegen (FTTH).
Der Glasfaserausbau in Nordhessen nimmt weiter Fahrt auf: Mit der Glasfaser Plus betritt ein weiterer Akteur die Bühne. Das Unternehmen will flächendeckend Glasfaser bis in die Wohnungen hinein verlegen (FTTH). © Julian Stratenschulte/dpa

Der Markt für den Glasfaserausbau in den fünf Landkreisen Nordhessens wird enger. Haben bislang öffentlich geförderte Projekte wie das der Breitband Nordhessen (FTTC, Netcom als Anbieter) sowie privatwirtschaftliche Akteure wie die Deutsche Glasfaser oder die Goetel das Marktgeschehen im ländlichen Raum geprägt, betritt nun ein weiterer Akteur die Bühne – die Glasfaser Plus.

Kreis Kassel – Bis 2028 will das Unternehmen flächendeckend Glasfaser bis in die Wohnungen (FTTH, bis 1000 MBit pro Sekunde) in der Region Nordhessen etablieren.

Doch was ist dran an den Zielen des neuen Akteurs? Fragen und Antworten:

Was hat die Glasfaser Plus in Nordhessen vor?

Das Unternehmen mit Ralf Greßelmeyer an der Spitze will in den nächsten Jahren in Nordhessen zunächst rund 300 000 von 450 000 erreichbaren Haushalten via FTTH ans Glasfasernetz bringen. „Unser Schwerpunkt ist der ländliche Raum“, sagt Greßelmeyer im Gespräch mit der HNA. Ziel sei ein flächendeckender Ausbau in Gemeinden und kleineren Städten. „Wir wollen die digitale Kluft zwischen Ballungsräumen und dem Land aufheben.“

Wie will die Glasfaser Plus das schaffen?

Die Glasfaser Plus ist ein Joint Venture zwischen der Telekom und einem australischen Pensionsfond (siehe Kasten). Hier treffen sehr viel Geld und Know-how aufeinander. Ein rein eigenwirtschaftlicher Ausbau werde stets angestrebt, sagt Greßelmeyer. Wichtig sei aber auch der Rückgriff auf Fördermöglichkeiten, die Nutzung von bereits vorhandener Infrastruktur sowie schnelle und günstige Verlege- und Ausbautechniken. Das alles soll in enger Kooperation mit den jeweiligen Kommunen entwickelt, geplant und ausgehandelt werden.

Werden auch Übernahmen von bereits etablierten Akteuren eine Rolle spielen? Bekanntlich sollen ja die Netcom und die Breitband Nordhessen verkauft werden.

Natürlich wisse man von dem geplanten Verkauf der Netcom und auch der Breitband Nordhessen. „Fakt ist, dass wir gerne mit anderen Netz-Anbietern zusammenarbeiten, um deren Infrastruktur zu nutzen“, sagt Greßelmeyer, „zum Beispiel, um in schon vorhandene Leerrohre unsere eigenen Glasfaserkabel einblasen zu können“. Ob dafür aber gleich eine Übernahme erforderlich ist, sei zunächst dahingestellt.

Bringt die Glasfaser Plus auch einen neuen Internet-Anbieter mit ins Spiel?

Nein. Die Glasfaser Plus ist allein auf den Netzausbau ausgerichtet. „Unser Netz wird somit nach Fertigstellung allen bekannten Anbietern von Internet-Produkten offen stehen“, sagt Greßelmeyer. Die Telekom als Teilhaber der Glasfaser Plus werde ihre Internetprodukte aber in jedem Fall über das neue Netz anbieten, „andere können hinzukommen“. Der Vorteil dabei: Der Bau von FTTH-Anschlüssen ist nicht an die Erreichung irgendwelcher Vorvermarktungsquoten geknüpft.

Aber wo will die Glasfaser Plus überhaupt noch ausbauen? Der Landkreis Kassel ist mit FTTH doch schon recht gut aufgestellt.

Das ist richtig: Zumindest im Landkreis Kassel bleibt für die Glasfaser Plus nicht mehr ganz so viel übrig. Die Deutsche Glasfaser wie auch die Goetel haben den Kuchen schon weitgehend unter sich aufgeteilt – obschon es immer noch Orte gibt, die noch kein FTTH haben, wie im Kernort Fuldatals, in Niestetal-Heiligenrode oder in Wolfhagen. Für den Zentralort Wolfhagen bereitet die Goetel gerade eine Kundenakquise vor. Die Glasfaser Plus könnte dort noch dazwischengrätschen – ganz im Sinne eines Verdrängungswettbewerbes. Kontakt mit der Glasfaser Plus habe es aber noch nicht gegeben, heißt es aus dem Rathaus. In Naumburg hat man sich dagegen per Beschluss der Stadtverordnetenversammlung schon für die Deutsche Glasfaser entschieden. Die Kundenakquise läuft bereits.

Und was ist mit den anderen vier Landkreisen in Nordhessen?

Aktuell ist oder wird die Glasfaser Plus in Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis) sowie in Homberg (Schwalm-Eder-Kreis) aktiv. In Gudensberg hat die Glasfaser Plus den Ausbau eben erst wieder abgesagt, weil dort schon ein anderer Akteur, die UGG (Unsere Grüne Glasfaser), in nicht unerheblichem Ausmaß Glasfaser verlegt hat. „Weiterhin führen wir aktuell mit zehn weiteren Kommunen Gespräche, um dort einen Netzausbau in den nächsten Monaten starten zu können“, sagt Greßelmeyer. Die Anzahl solcher Gespräche werde sich in der Tendenz weiter steil nach oben entwickeln. (Boris Naumann)

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