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Neuer Anlauf für Tramstrecken nach Lohfelden und Schauenburg

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Von: Moritz Gorny

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Straßenbahnen nach Elgershausen und Lohfelden sind nun wieder im Gespräch. Unser Bild zeigt symbolisch eine Straßenbahn, hier die Tram-Linie 4 auf einer Fahrt durch Kaufungen-Papierfabrik. arhci
Straßenbahnen nach Elgershausen und Lohfelden sind nun wieder im Gespräch. Unser Bild zeigt symbolisch eine Straßenbahn, hier die Tram-Linie 4 auf einer Fahrt durch Kaufungen-Papierfabrik. arhci © Moritz Gorny

Betreiber wollen Verbindungen nach Lohfelden und Schauenburg prüfen. Auch Trendelburg steht im Fokus.

Kreis Kassel – Sie waren schon häufiger im Gespräch, aber umgesetzt sind die Tramverbindungen nach Lohfelden, Schauenburg und Trendelburg bislang nicht. Das könnte sich jetzt ändern. Zumindest möchte das Hessische Verkehrsministerium mit dem Verkehrsmanagement Hessen Mobil, dem NVV und der KVG prüfen, ob sich Schienenstrecken reaktivieren lassen. So stehen nun Verbindungen zwischen Baunatal und Schauenburg-Elgershausen sowie von Kassel nach Lohfelden auf der Prüfliste. Auch eine Verbindung zwischen Hümme und Trendelburg ist im Gespräch.

Schauenburg

Bei der Hessencourier-Strecke Baunatal-Großenritte nach Schauenburg-Elgershausen kommt der Zug gerade ins Rollen. Ein komplizierter Prozess: Laut NVV-Sprecherin Sabine Herms muss zuerst das Potenzial der Strecke bewertet werden. In erster Linie geht es dabei um die Nachfrage, so Herms. Mit Ergebnissen könne voraussichtlich im kommenden Jahr gerechnet werden. Sind die Ergebnisse positiv, könne eine Machbarkeitsstudie folgen, die wiederum eine Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) nach sich ziehen könne.

Auch praktisch wäre an der Strecke einiges zu tun: Sie müsste so umgebaut werden, dass sie längere Züge oder einen dichteren Takt erlaubt. Außerdem betont Herms, müssten die Kommunen und ihre Parlamente zustimmen. Schauenburgs Bürgermeister Michael Plätzer (SPD) hat sich eigenen Angaben nach bereits für die Tram eingesetzt und sie bei NVV und Hessen Mobil vorangebracht. Auch, weil es für Elgershausen Bestrebungen gebe, neue Bauflächen anzulegen. Hier könnten künftig bis zu 1300 Menschen zusätzlich leben, sagt Plätzer.

Auch der Landtagsabgeordnete Florian Schneider (SPD) setze sich für die Anbindung ein.

Lohfelden

Bei den Plänen für die Tram von Kassel nach Lohfelden ist man schon einen Schritt weiter. Die Gemeindevertretung hatte sich im vergangenen Oktober für eine Machbarkeitsstudie entschieden. Während der NVV die Hessencourier-Zugstrecke unter die Lupe nimmt, hat die KVG in Lohfelden das Zepter in der Hand. Sprecherin Heidi Hamdad erläutert, dass die KVG im Mai die Studie beauftragt habe. „Mit Ergebnissen rechnen wir im Frühsommer“, sagt Hamdad. Eine Nutzen-Kosten-Untersuchung könne Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Eine Hürde gilt es aber zunächst zu überwinden: Die Straßenbahn nach Lohfelden verliefe wohl durch den Kasseler Stadtteil Waldau – und hier herrschte bislang die Meinung „Wir brauchen keine Straßenbahn“. Das war bei einer Bürgerversammlung klar geworden und auch der frühere Waldauer Ortsvorsteher Joachim Bonn hatte sich im Februar so geäußert. Solange Waldau nicht auf den Zug aufspringt, dürfte es schwierig werden mit der Tram nach Lohfelden.

Trendelburg

Die Carlsbahn-Route von Hümme nach Trendelburg könnte in Teilen wieder befahren werden. So habe diese Strecke zwar nach erster Prüfung Potenzial zur Wiederinbetriebnahme, dem müsse aber noch eine Potenzialanalyse und Machbarkeitsstudie des NVV folgen. Zudem müsse die finanzielle Umsetzbarkeit geklärt werden.

Kritik

Während vom Land Hessen und von den örtlichen Nahverkehrsanbietern positive Stimmen zu hören sind, kommt vom Fahrgastverband Pro Bahn Kritik an den Vorstößen des Landes und des NVV. Sie werfen dem Hessischen Verkehrsministerium vor, die Hessencourier-Strecke nach Schauenburg-Elgershausen mit einer Nutzen-Kosten-Untersuchung nach veralteten Kriterien zu bewerten. Laut dem Fahrgastverband sind die Hürden vor allem bei Strecken auf dem Land höher als bei aktuellen Bewertungsgrundlagen. Das sei ein „Vorsatz zum Scheitern“, heißt es in dem Statement von Pro Bahn.

Ein namentlicher Tadel richtet sich an Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Unter seiner Ägide wären keine Reaktivierungsideen umgesetzt worden. Stattdessen habe man in Hessen Schienen stillgelegt.

Reaktion

Beim Verkehrsministerium werden die Kritikpunkte zurückgewiesen. Die Nutzen-Kosten-Untersuchung einer Strecke käme erst am Ende eines Prüfprozesses, sagt Sprecher Wolfgang Harms. Davon sei man noch weit entfernt. Komme es zu einer NKU, lege die Prüfstelle die aktuellsten Kriterien zugrunde. Dass Al-Wazir keine Reaktivierungen umsetze, liege in der Natur der Sache. Kommunen und Verkehrsbetriebe vor Ort setzten diese um, „wir können lediglich dafür werben“, sagt Harms. Ein Großteil der Streckenstilllegungen sei vor Beginn seiner Amtszeit als Verkehrsminister umgesetzt worden.  ter

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