Bau eine halbe Million Euro teurer als geplant

Neuer Awo-Komplex in Baunatal: Erste Verträge sollen im September geschlossen werden

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Die zweite Etage ist schon in Arbeit: Die HWG rechnet damit, dass im Mai Richtfest für das Wohngebäude an der Altenritter Straße gefeiert werden kann. Das Flachdach soll begrünt werden. Geheizt wird mit Fernwärme vom VW-Werk.

In Baunatal entsteht im Stadtparkquartier ein neues Wohnhaus der Awo. Dort soll es 53 barrierefreie Wohnungen geben. Die Nachfrage ist riesig.

Die Nachfrage in Baunatal nach Wohnungen, in denen man gut seinen Lebensabend verbringen kann, ist gewaltig. Schon wenige Tage nachdem bekannt geworden sei, dass die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Nordhessen im neuen Stadtparkquartier solche Wohnungen bauen will, habe es ständig Anrufe von Interessenten gegeben, sagt Stephan Eigenbrodt, Leiter des Awo-Altenzentrums Baunatal. Das ist schon eine Weile her. Jetzt sind es immer noch 180 ältere Menschen, die sich einmieten wollen. Doch nicht mal jeder Dritte wird auch zum Zuge kommen. Und wer das Glück hat, muss Geduld mitbringen. Wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres könnten die ersten Mieter einziehen, sagt Awo-Geschäftsführer Michael Schmidt. Überraschende Hürden beim Bau des riesigen Wohnkomplexes sind der Grund.

Beim Start des Bauvorhabens hatte Uwe Schneider von der Immobilien-Firma HWG Baunatal noch angekündigt, die 53 barrierefreien Zwei- und Dreizimmerwohnungen an der Altenritter Straße sollten bis Anfang 2019 bezugsfertig sein. Die HWG tritt bei dem Projekt als Investor auf und hat bereits die Wohnungen auf 30 Jahre an die Awo vermietet. Doch die Gründung des Gebäudes habe große Probleme bereitet, berichtet Selcuk Celik, Bevollmächtigter der HWG, bei einem Gang über die Baustelle, auf der der Rohbau langsam in die Höhe wächst. Auf dem Gelände, wo früher die Theodor-Heuß-Schule stand, habe man „Lava, Lehm und Geröll gefunden“, sagt Celik. Außerdem drückte das Wasser der Bauna in die Grube. Das Fundament musste zwei Meter tief gegründet werden, eine 90 Zentimeter dicke Stahlbetonsohle inklusive. Bei den Gesamtkosten für den Bau werde man am Ende zwischen acht und neun Millionen Euro liegen, 500 000 Euro mehr als geplant, erklärt Celik.

Die Awo werde ab März nach und nach mit allen Wohnungsbewerbern Gespräche aufnehmen, sagt Schmidt. Es könnten sich auch noch weitere Interessenten melden. Denn die Auswahl erfolge auch danach, wie dringend Bewerber auf einen Wohnungswechsel angewiesen seien. „Das ist der Fall, wenn sie zum Beispiel keine Treppen mehr steigen können.“

Im September könnten die ersten Mietverträge abgeschlossen werden, schätzt Schmidt. Zu den Mietpreisen will er sich noch nicht äußern, diese müssten noch abschließend kalkuliert werden. Eine Wohnung wird laut Eigenbrodt nicht vermietet, sondern als Treffpunkt für die Hausgemeinschaft dienen, an dem Sie selbst Feiern oder Veranstaltungen organisieren können. Außerdem werde es eine kleine Gästewohnung geben, in der Angehörige, die weiter weg wohnen, während eines Besuchs bei einem Mieter übernachten können.

Schmidt weiß, dass der Bedarf in Baunatal mit dem Projekt an der Altenritter Straße längst nicht gedeckt werden kann und deutet an, dass sich die Awo weiterhin engagieren könnte. „Mit dieser Wohnanlage muss es noch kein Ende gefunden haben.“

Service-Paket und Betreuungsangebote

Neben dem Mietvertrag müssen die Bewerber der fünfgeschossigen Wohnanlage an der Altenritter Straße einen Servicevertrag mit der Awo abschließen. Dieser enthalte ein Paket mit Beratungs- und Vermittlungsleistung, 24-Stunden-Notbereitschaft durch Awo Mobil (Hausnotrufsystem) und die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen. 

Die Mieter könnten dann weitere Betreuungs- und Pflegeleistungen dazu buchen, auch bei anderen Anbietern. Dann übernehme die Awo die Vermittlung, sagt Geschäftsführer Michael Schmidt. Man habe sich schon vor Jahren für dieses Modul-System entschieden, weil das Modell des betreuten Wohnens mit seinen Inklusiv-Leistungen teurer sei. 

Die Awo selbst bietet in unmittelbarer Nähe zu den neuen Wohnungen eine Tagespflegeeinrichtung, einen mobilen Pflegedienst und eine Begegnungsstätte mit zahlreichen Freizeitaktivitäten an. Auch besteht eine Kooperation mit dem Quartiersmanagement Baunatal. Vor knapp drei Jahren haben Fels-Architekten bereits in dem Quartier an der Altenritter Straße 24 altengerechte Wohnungen errichtet, die ebenfalls von der Awo nach dem Modul-System vermietet worden sind. Weitere 33 Wohnungen hat die Awo an ihrem Pflegeheim am Goldacker vermietet. 

Mit der steigenden Nachfrage nach Wohnungsangeboten und Pflegeleistungen für Ältere ist auch die Awo in Baunatal gewachsen. Sie beschäftige inzwischen 120 Mitarbeiter, darunter 14 Auszubildende, berichtet Altenzentrumsleiter Eigenbrodt. Er hoffe, dass die Zahl von Auszubildenden und Umschülern im Pflegebereich aufgrund verbesserter finanzieller Rahmenbedingungen für die Ausbildungsbetriebe demnächst steige, sagt Geschäftsführer Schmidt.

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