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Neuer Vollmarshäuser Teich wird 2022 nicht mehr durch Büffel beweidet

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Von: Boris Naumann

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Entscheidung im Sinne des Naturschutzes: Künftig wird jedes Jahr neu darüber entschieden, ob der Neue Vollmarshäuser Teich durch Wasserbüffel beweidet werden darf. Aktuell ist das Gewässer wegen der Trockenheit auf eine kleine Pfütze zusammengeschrumpft, der Schilfgürtel ist nur mangelhaft ausgebildet.
Entscheidung im Sinne des Naturschutzes: Künftig wird jedes Jahr neu darüber entschieden, ob der Neue Vollmarshäuser Teich durch Wasserbüffel beweidet werden darf. Aktuell ist das Gewässer wegen der Trockenheit auf eine kleine Pfütze zusammengeschrumpft, der Schilfgürtel ist nur mangelhaft ausgebildet. © Boris Naumann

Neuer Vollmarshäuser Teich wird 2022 nicht mehr durch Büffel beweidet.

Lohfelden – Die Naturfreunde vom Nabu Kaufungen-Lohfelden atmen auf: Zumindest in diesem Jahr wird es keine Beweidung des Schilfgürtels durch Wasserbüffel rund um den Neuen Vollmarshäuser Teich mehr geben. Darauf einigten sich jetzt bei einem Vor-Ort-Termin der Nabu, die Gemeinde Lohfelden als Eigentümerin des Teiches sowie die Pächter, die Landwirte Just und Max Gundelach.

Damit ist von der zuvor vereinbarten Regelung abgewichen worden, den Teichsaum ab August für vier Wochen, und dann noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt beweiden zu können. Gegenüber der HNA hatte der Nabu zuvor erhebliche Bedenken mit Blick auf diese Praxis geäußert. Eine erneute Beweidung des Schilfgürtels durch die sechs Wasserbüffel, die 2021 zur Pflege des 250 Meter weiter östlich liegenden Naturschutzgebietes angeschafft worden waren, hätte „den Fortbestand des wichtigen und seltenen Lebensraums“, so Martin Lange vom Nabu, existenziell gefährdet. Grund: Schon 2021 war der Schilfgürtel des Neuen Vollmarshäuser Teiches von den Büffeln beweidet worden, so stark, dass bis heute keine wirkliche Erholung der Vegetation im Uferbereich stattgefunden hat.

„Bei dem Vor-Ort-Termin war klar zu erkennen, dass sich wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit der bereits im vergangenen Jahr beweidete Schilfgürtel bis heute nur mangelhaft erholt hat“, sagt auch Dirk Gertenbach von der Gemeinde Lohfelden. Insofern sei die Entscheidung zum Schutz des Gewässer- und Uferbereichs leicht gefallen, zunächst einmal in diesem Jahr von einer Beweidung abzusehen.

Vereinbart worden sei zudem, dass künftig jedes Jahr bis spätestens Juli ein Vor-Ort-Treffen direkt am Neuen Vollmarshäuser Teich mit den beteiligten Akteuren stattfinden soll, um jeweils situativ zu entscheiden, ob im jeweiligen Jahr eine Beweidung im Sinne des Naturschutzes zu verantworten ist. Solange bleibe die Wasser- und Schilfgürtelzone durch einen Zaun von der eigentlichen Büffelwiese direkt neben dem Teich getrennt. Der Zaun war erst im Mai von den Gundelachs aufgestellt worden.

Mit diesem Schritt ist nun gewährleistet, dass es künftig zu keiner Überweidung des Schilfgürtels mehr kommt. Denn was anfänglich auch vom Nabu begrüßt wurde, hatte sich 2021 ins Gegenteil verkehrt. Zuvor hatte sich der Schilfgürtel so stark ausgebreitet, dass er die Wasserfläche des Neuen Vollmarshäuser Teichs zu überwuchern drohte. So stimmte der Nabu der Beweidung zu. Doch zeigte sich, dass sechs Wasserbüffel ein ganzes Teichbiotop nahezu vernichten können, wenn ihnen zeitlich unbegrenzt Zugang zu der sensiblen Fläche gewährt wird.

2003 war der Neue Vollmarshäuser Teich vom Nabu Kaufungen-Lohfelden in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Lohfelden ausgehoben worden. Zuvor gab es dort nur eine Mulde, die sich ideal für die Entwicklung eines vollwertigen Teichbiotops eignete. Seither wird dieser Neue Vollmarshäuser Teich vom Nabu gepflegt – bis heute ist er aber kein offizielles Naturschutzgebiet, so wie das 250 Meter weiter östlich liegende Naturschutzgebiet Vollmarshäuser Teiche.

„Beide Bereiche unterscheiden sich“, erläutert Martin Lange vom Nabu Kaufungen-Lohfelden. Während das Naturschutzgebiet vor allem Lebensraum für Amphibien und Libellen ist, dient der Neue Vollmarshäuser Teich als Rückzugsort für seltene Vogelarten wie dem Zwergtaucher und dem Teichrohrsänger. „Vom Teichrohrsänger hängt wiederum der Kuckuck ab, der seine Eier in die Nester des Teichrohrsängers legt“, sagt Lange. Überhaupt sei der Neue Vollmarshäuser Teich ein wichtiger Trittstein für den Vogelzug. „Die Vögel machen hier rast und fressen sich für ihren Weiterflug voll.“ Um die 100 Vogelarten seien an dem Gewässer schon gesichtet worden. „Dieser Bereich müsste eigentlich ganz offiziell als schützenswertes Gebiet anerkannt werden“, sagt Lange.

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