Vorstand will 560 Leiharbeiter-Stellen streichen

Neues VW-Modell in Baunatal präsentiert: Hoffnungsträger in unsicheren Zeiten

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Volles Haus: Knapp 5000 Mitarbeiter nahmen am Dienstag an der Betriebsversammlung in der Halle 2 des VW-Werks Kassel in Baunatal teil. Es sprachen Vertreter der Werkleitung und des Betriebsrates. 

Während der Betriebsversammlung im VW-Werk Kassel in Baunatal wurde erstmalig am Standort ein neues Modell aus der VW-Elektrofamilie ID, der ID Crozz, präsentiert.

In der Versammlung wurde außerdem bekannt gegeben, dass der Vorstand in Wolfsburg 563 Leiharbeiter-Stellen in Baunatal streichen will. Die Verhandlungen zwischen der Arbeitnehmervertretung und dem Vorstand seien aber noch nicht abgeschlossen. Er rechne mit einer Entscheidung noch im Sommer, sagte Betriebsratschef Carsten Bätzold.

Insgesamt gibt es am Standort Kassel laut Personalchef Stefan Kreher derzeit 732 Leiharbeiter bei knapp 17.000 Beschäftigten. Für die Streichung der Jobs sehe der Betriebsrat keinen Anlass, so Bätzold weiter. „Wir sehen nicht, dass deren Arbeit nicht gebraucht wird.“

„Wir können heute keine Zusagen machen“, sagte Werkleiter Olaf Korzinovski zum Stand der Gespräche. Aktuell sehe das Unternehmen keine Möglichkeit, diese Mitarbeiter zu übernehmen.

Laut Korzinovski sind die Anforderungen an die Mannschaft in Baunatal sehr hoch. Für die nächsten Jahre werde vom Vorstand eine jährliche Rendite von sechs Prozent gefordert, erläuterte der Werkleiter. Der Betriebsrat beobachtet das mit Sorge. Es gebe Tendenzen im Vorstand, „dass dort nur noch auf Rendite geschaut wird“, wie es ein Teilnehmer am Rand der Versammlung formulierte. Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob stellte dem entgegen, dass Beschäftigungssicherung und Wettbewerbsfähigkeit gleichrangige Ziele bleiben müssten.

Der neue ID Crozz vor dem VW-Werk in Baunatal.

Eine große Unbekannte ist bei VW die Umstellung weiter Teile der Produktion auf Elektroautos. Das räumte auch Baunatals Werkleiter ein. Man wisse schließlich nicht, wie die Kunden reagieren. Vom neuen ID.3 – dem potenziellen elektrischen Golf-Nachfolger – wurden in einer Vorbestellungsaktion des Konzerns seit Mai rund 25.000 Fahrzeuge geordert. Ein Bruder des ID.3 – das Cross-Modell ID Crozz – wurde während der Versammlung erstmalig den Beschäftigten präsentiert. Immer wieder bildeten sich Menschentrauben um das neue Auto von VW. Einige Mitarbeiter, so war zu hören, bemängeln, dass sie das Auto selbst noch nicht bei ihrem Arbeitgeber vorbestellen können.

Für das Baunataler Werk geht die Produktion für die ID-Modelle im vierten Quartal dieses Jahres in die heiße Phase. Dann ist Start der Serienproduktion für die neuen E-Motoren in der Halle 1, außerdem werden vom Karosseriebau jährlich bis zu 800.000 Rahmen für die Autos geliefert. Zusammengebaut wird der ID.3 letztendlich in Zwickau.

Trotz des steigenden Drucks auf die Belegschaft zog Werkleiter Olaf Korzinovski ein positives Fazit zur Betriebsversammlung. „Der Standort Kassel ist wirklich sehr gut aufgestellt“, sagte er im Gespräch mit der HNA. Es bestehe die Gefahr, dass alles zu negativ dargestellt werde. „Eine Zeit müssen wir jetzt erst mal durchrobben.“

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