Naturschützer schlagen Alarm

Krötensterben auf Landstraße durchs Niestetal befürchtet

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Statt einer Schranke weisen jetzt nur noch Schilder auf die Krötenwanderung zwischen Dahlheim und Nieste hin. Für Dietrich Hoffmann, Naturschützer aus Nieste, ist das zu wenig.

Nieste – Die Niester Naturschützer verstehen die Welt nicht mehr: „Wir kämpfen seit Jahren dafür, dass die Amphibien unbeschadet die Straße zwischen Nieste und Dahlheim überqueren können“, sagt Thorsten Fink, Vorsitzender des Naturschutzvereins. So konnte die Straße während der Laichwanderungen gesperrt werden. Doch jetzt sei die ganze Arbeit dahin und den Tieren drohe große Gefahr. „Wir befürchten, dass es ein Krötenmassaker gibt“, sagt Fink. Das habe mehrere Gründe.

Die Kritik

„Es ist erst mal ungünstig, dass die Umleitung für die Strecke zwischen Niestetal-Heiligenrode und Königsalm wegen der Erdkabelverlegung ausgerechnet über Dahlheim und Nieste verläuft.“ Denn jetzt, nachdem die Umleitung eingerichtet wurde, hätte die Laichwanderung begonnen. „Die Amphibien bewegen sich über besagte, stark befahrene Umleitungsstrecke“, sagt Vereinsmitglied Dietrich Hoffmann.

Da bringe es nichts, dass der Landkreis Göttingen und die Straßenbaubehörde Niedersachsen die Strecke nachts zwischen 19 und 6 Uhr gesperrt hätten und die Umleitung wiederum über Escherode verlaufe. „Daran halten sich leider viele Autofahrer nicht.“ Sie müssten die Tiere nicht überfahren. Es reiche schon der Winddruck, der entstehe, wenn ein Auto an den Tieren vorbeifahre. „So habe ich an manchem Morgen um die hundert tote Tiere entdeckt“, sagt Fink.

Bis zuletzt habe noch eine Schranke am Abzweig nach Escherode gestanden, um die Straße zu sperren. „Doch die durfte schon vergangenes Jahr aus vorgeschobenen Gründen nicht mehr von uns oder einem Staufenberger bedient werden.“ Mit dem Landkreis Göttingen habe sich der Verein auf eine Bake geeinigt. In diesem Jahr steht sie aber nicht mehr – und auch die Schranke ist abgebaut.

Die Verteidigung

Laut Landkreis Göttingen sei die Schranke auf Anordnung der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) abgebaut worden. Das bestätigt der stellvertretende NLStBV-Leiter: „Die Schranke darf nur von geschultem Fachpersonal bedient werden und das können wir aus Kostengründen nicht stemmen“, erklärt Sebastian Post. Daher sei die Schranke weg.

Post könne die Enttäuschung der Niester Naturschützer verstehen. „Wir tun, was wir können und was unsere Aufgaben sind.“ Ein Teil dessen sei der Naturschutz, aber der sei durch die nächtliche Straßensperrung abgedeckt. „Es liegt an Autofahrern, sich daran zu halten.“

Zum Vorwurf, die Umleitung für die Strecke von Heiligenrode zur Königsalm sei zu einem ungünstigen Zeitpunkt gelegt worden, verweist Post an den Landkreis Göttingen sowie das Regierungspräsidium Kassel (RP). Das RP kümmere sich darum, wo die Umleitung lang führt. Da sie über niedersächsisches Gebiet läuft, müsse der Landkreis Göttingen Einwände äußern, sofern es Bedenken in Sachen Umweltschutz gibt.

Der Göttinger Landkreissprecher Ulrich Lottmann teilt dazu mit: „Der Landkreis Göttingen wurde durch das Regierungspräsidium Kassel am 17. Dezember 2019 angehört.“ Da sei die Rede davon gewesen, die Umleitung müsse vom 13. bis zum 31. Januar 2020 bestehen. Der Landkreis Göttingen habe zugestimmt.

„Da eine Kollision der Umleitung mit der Zeit der Amphibienwanderung nicht zu befürchten war – diese setzt erfahrungsgemäß Ende Februar oder Anfang März ein – wurde darauf in der Stellungnahme nicht gesondert hingewiesen“, so Lottmann. Ob und wann die Vollsperrung und somit Umleitung eingerichtet wurden, sei dem Landkreis nicht bekannt.

RP-Kassel-Sprecher Michael Conrad erläutert, dass es seitens des Landkreises Göttingen keine Einwände zur Umleitung gegeben habe: „Was auch nicht erstaunt, weil es ja dazu eine bewährte Praxis aus den Vorjahren gibt.“

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