Sein 450-PS-Bolide muss still stehen

Motorsportler Markus Werle kann wegen Corona keine Rennen fahren

Markus Werle sitz in seinem Auto mit Helm und Schutzkleidung.
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Mit 450 PS startet Markus Werle bei den Motorsportveranstaltungen. Vor dem Umbau hatte der Wagen nur 75 PS.

Der Motorsportler Markus Werle aus Nieste kann wegen Corona an keinen Rennen teilnehmen. Sein Auto hat er dafür aber selbst umgebaut.

Nieste – Markus Werle aus Nieste zieht seine schwarze Schutzkleidung und einen großen dunklen Helm auf. Er setzt sich in seinen selbstumgebauten Honda Civic EG aus dem Jahr 1991. Allerdings nur für unser Foto, denn Rennen und Training finden nicht statt.

Der 31-Jährige meldet sich zwar überall an, erhält aber immer wieder Absagen. Warum der Sport, bei dem die Personen ganz alleine in ihren Autos sitzen, nicht stattfinden kann, könne er nicht nachvollziehen.

Das Problem während der Pandemie sei vor allem, dass sich die Sachen kaputt stehen würden. Der Sprit muss abgelassen werden, da er sonst zu alt wird und auch die Räder sind nach einem Jahr Schrott, da der Weichmacher in dieser Zeit verfliegt. Hinzu kommen die laufenden Kosten von seiner Halle in Kaufungen, in der er das Auto umbaut.

Auch neue Teile für das Auto zu bestellen, sei eine Katastrophe gewesen. Da viel aus dem Ausland geliefert wird, wurde so einiges nicht verschickt. Da Werle nicht weiß, wann er den Sport wieder richtig betreiben kann, sei es zum Beispiel schwierig, Reifen zu bestellen. Denn wenn er sie bestellt, die Saison aber nicht stattfindet, kann er sie für die nächste nicht mehr nutzen. Startet die Saison aber plötzlich, dauere es eine Zeit, bis alle benötigten Teile geliefert werden.

An seinem Honda Civic ist nichts mehr original: Markus Werle hat an seinem Auto alles selbst umgebaut.

Dabei kribbelt es ihm in den Fingern, mit seinem fast gleichalten Auto wieder über die Rennstrecke zu fahren. Denn dafür hat er den Wagen, den er für 800 Euro gekauft hat, komplett umgebaut. Damals hatte das Auto noch 75 PS. Jetzt kommt der Honda auf 450 PS. „Ich habe alles selber gemacht, was man selber machen kann“, sagt Werle. In dem Auto stecke etwa 95 Prozent Eigenleistung. „Am Auto ist nichts mehr original.“ Etwa 4000 Arbeitsstunden habe er hineingesteckt. „Man muss viel probieren, machen und lesen“, erklärt der Motorsportler. Da er den Motor komplett selbst gebaut hat, habe es etwa fünf Motoren gekostet, bis alles gepasst hatte.

Angefangen hat alles mit dem Schrauben in der Mofa-Zeit in seiner Jugend. Für Technik hat sich Werle schon immer interessiert. Der 31-Jährige – der mit seiner Freundin und dem dreijährigen Sohn in Nieste wohnt – baut, bastelt und tüftelt viel in seiner Freizeit. „Ich will immer Sachen machen, die keiner oder kaum jemand gemacht hat“, sagt er. Sein Auto würde es so, wie er es umgebaut hat, deutschland- und europaweit nicht geben. Auch beruflich hat er viel mit Autos zu tun. Er arbeitet als Prüfingenieur in der Kfz-Prüfstelle in der Hoffmann-von-Fallersleben-Straße in Kassel.

Bei seiner ersten Meisterschaft, der German Time-Attack Masters im Jahr 2017, ist Werle direkt deutscher Vize-Meister in seiner Klasse geworden. „Ich bin mit einem Punkt am Meister vorbei, das knabbert schon noch an einem“, erzählt er. Bei der Europameisterschaft ging er auch an den Start, schied aber wegen einem Kabelbrand aus.

Was er aber besonders vermisst, ist der Zusammenhalt in der Motorsportszene. Der sei enorm, wie Werle erzählt. Man kennt die Leute und es fühle sich wie eine Familie an. „Das fehlt auf jeden Fall.“ (Samira Müller)

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