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Nabu wünscht sich Tümpel im Niestetal

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Von: Boris Naumann

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Blick auf die Feuchtwiese am Forsthaus Buntebock in Nieste: Martin Lange vom Nabu Kaufungen-Lohfelden kann sich gut vorstellen, dort einen kleinen Tümpel anzulegen. Damit will er ein Austrocknen und Verlanden der letzten Wasserlöcher dort verhindern.
Blick auf die Feuchtwiese am Forsthaus Buntebock in Nieste: Martin Lange vom Nabu Kaufungen-Lohfelden kann sich gut vorstellen, dort einen kleinen Tümpel anzulegen. Damit will er ein Austrocknen und Verlanden der letzten Wasserlöcher dort verhindern. © Boris Naumann

Mehr Lebensraum für Tiere, das wünscht sich der Nabu Kaufungen-Lohfelden. Einen idealen Fleck dafür sehen die Naturschützer auf der Feuchtwiese in Nieste. Das RP will das Vorhaben nun prüfen.

Nieste – Das Areal ist nicht groß, vielleicht 600 Quadratmeter. Hinten plätschert die Nieste, rechts und links stehen Weiden und Schwarzerlen. Und mitten drin erstreckt sich eine Feuchtwiese, in der Baldrian, Mädesüß und einige Lilien blühen.

Zwischen den Pflanzen immer wieder kleinere Wasserlöcher. „Ein ideales Gebiet nicht nur für Frösche“, sagt Martin Lange, Vorsitzender des Nabu Kaufungen-Lohfelden. Doch sieht er das kleine Refugium – nur einen Steinwurf vom Forsthaus Buntebock entfernt – bedroht: „Die Wasserlöcher drohen zu verlanden“, sagt Lange. „Sie liegen in einer Mulde, die vielleicht mal ein Altarm der Nieste war.“ Der Bewuchs sei inzwischen zu viel, von den Wasserlöchern sei kaum noch etwas zu sehen.

Lange kann sich vorstellen, hier ein ideales Laichgewässer für diverse Amphibien- und vom Wasser abhängige Insektenarten zu etablieren. „Viel müsste dafür nicht gemacht werden.“ Ideal wäre das Auskoffern der Mulde mit einem Bagger, vielleicht 20 Zentimeter tief. Zudem könnte eine Rinne von der Nieste hinüber zur Mulde – etwa 15 Meter lang – das Biotop dauerhaft mit Frischwasser versorgen, sodass ein erkennbarer Tümpel entsteht – „maximal 100 Quadratmeter groß“.

Auch im Niestetal selten: Die Große Moosjungfer.
Auch im Niestetal selten: Die Große Moosjungfer. © von Blanckenhagen

Schon seit Jahren tragen Martin Lange und seine Kollegen vom Nabu Kaufungen-Lohfelden diese Idee mit sich herum. „Doch mittlerweile erlaubt dieser kleine Eingriff keinen Aufschub mehr“, ist sich Lange sicher. Die Jahre 2018, 2019 und 2020 seien extrem trocken gewesen. Jetzt, 2022, herrsche wieder Dürre. „Die Gefahr besteht, dass die letzten Wasserlöcher in der Feuchtwiese gänzlich verschwinden – und damit ein wichtiger Lebensraum für vom Wasser abhängige Tiere.“ Davon abgesehen lebe der Schwarzstorch in der Umgebung. Er sei genau auf solche Tümpel-Biotope als Nahrungsquelle angewiesen.

Das sich dort etwas machen lässt, ist durchaus denkbar. Die Wiese gehört Hessen Forst und liegt bereits im Naturschutzgebiet Oberes Niestetal. „Diese Stelle ist uns bekannt“, sagt Axel Krügener. Er ist beim RP Kassel zuständig für die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk. Schon immer sei an dieser Stelle eine Mulde gewesen, „aber eben auch eine Feuchtwiese mit vielen typischen Pflanzenarten“.

Der Schwarzstorch holt seine Nahrung aus Tümpeln.
Der Schwarzstorch holt seine Nahrung aus Tümpeln. © Marek R. Swadzba

Das Naturschutzgebiet Oberes Niestetal zeichnet sich durch viele verschiedene Habitatformen aus. Es gibt auch Tümpel, jedoch nicht viele, und gemessen an der Gesamtfläche des NSG (155 Hektar) spielen sie kaum eine Rolle. Feuchtbrachen und Hochstaudenfluren gibt es dagegen auf immerhin 4,4 Prozent der Fläche.

„Geplant ist, noch in diesem Jahr den allgemeinen Zustand der Tümpel im Schutzgebiet zu prüfen, um bei Bedarf hier und da einige Verbesserungen vorzunehmen“, sagt Krügener. Dabei wolle man sich auch die vom Nabu vorgeschlagene Fläche ansehen. „Aber wie gesagt, auch Feuchtbrachen haben ihren ökologischen Wert, den es zu erhalten gilt“, sagt Krügener.

Gleichwohl werde auch erkannt, dass der Schwarzstorch im Tal der Nieste sein Zuhause hat und dort seine Nahrung vor allem in Tümpeln findet. Auch komme dort die Große Moosjungfer vor, eine seltene Libellenart, die ebenfalls auf kleine Stehgewässer angewiesen ist. Explizit wird sie sogar in der Liste der Erhaltungsziele im Maßnahmenplan des Naturschutzgebietes aufgezählt.

Möglicherweise sind es daher der Schwarzstorch und die Große Moosjungfer, mit denen sich die Anlage eines kleinen Tümpels am Forsthaus Buntebock rechtfertigen ließe. „Zu wünschen wäre es“, sagt Lange. Er freut sich sehr, dass das RP Kassel sich die Sache einmal anschauen möchte.

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