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Nach Angriff in Niester Edeka: Besuch in der Flüchtlingsunterkunft Rotte Breite

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Von: Moritz Gorny

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Einrichtung für geflüchtete Männer mit besonderem Betreuungsbedarf: Die Rotte Breite in Nieste besteht seit 2016. 18 Männer leben hier derzeit.
Einrichtung für geflüchtete Männer mit besonderem Betreuungsbedarf: Die Rotte Breite in Nieste besteht seit 2016. 18 Männer leben hier derzeit. © Moritz Gorny

Die Niester Flüchtlingsunterkunft Rotte Breite sorgt für Gesprächsstoff im Ort. Kürzlich hat ein ehemaliger Bewohner einen Niester angegriffen. Das sagen die Verantwortlichen zu dem Fall.

Kreis Kassel/Nieste – Im Mai kommt es zu einem Vorfall, der das Gefühl mancher Niester bestätigt: Menschen, die in der Flüchtlingsunterkunft Rotte Breite leben, bringen Unruhe und auch eine gewisse Gefahr in die Gegend.

Der Leiter des Edeka-Marktes, Alexander Hartung, schildert den Sachverhalt so: Ein 34-jähriger Bewohner der Unterkunft randaliert erst im Markt und greift nach mehrmaliger Bitte des Personals, das Geschäft zu verlassen, den Marktleiter an. Hartung bekommt Schläge an den Kopf und muss daraufhin im Krankenhaus behandelt werden. Er erstattet Anzeige gegen den Geflüchteten aus Saudi-Arabien – wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Körperverletzung. Das bestätigt auch Polizeisprecher Matthias Mänz.

„Das Ganze ist sehr bedauerlich“, sagt Jörg Roßberg bei einem Ortstermin, um den die HNA nach dem Vorfall gebeten hat. Er ist Leiter des Fachbereichs Soziale Dienste und Migration beim Landkreis, dem Träger der Einrichtung. Roßberg betont, dass es sich um einen Einzelfall handelt. Natürlich steche solch ein Ereignis heraus. Es rücke aber leider in den Hintergrund, dass bereits Dutzende Einrichtungsbewohner keine Auffälligkeiten gezeigt hätten und in Deutschland angekommen seien. „Viele stehen in Lohn und Brot“, sagt Roßberg.

Jürgen Becker
Jürgen Becker, Einrichtungsleiter © Moritz Gorny

Vizelandrätin Silke Engler (SPD) sagt beim Ortstermin: „Natürlich leben hier geflüchtete Männer, die eine besondere Persönlichkeitsstruktur haben und auffällig geworden sind.“ Laut Protex-Chef Ernesto Plantera sei das aber selten Gewalt. Pfeifen, klopfen, singen – oft handele es sich um Gewohnheiten, die in größeren Unterkünften die Ruhe störten und andere Bewohner nachts nicht schlafen ließen. Protex übernimmt laut Plantera nicht nur Sicherheitsaufgaben in der Niester Einrichtung (siehe Hintergrund).

Vor Ort erhielten die Männer eine besondere Betreuung. „Sie haben Fluchterfahrungen gemacht und stehen unter Druck“, erklärt Einrichtungsleiter Jürgen Becker. Alles sei anders: die Sprache, die Kultur, das Miteinander. Das stelle die Geflüchteten auf eine harte Probe. Angebote wie Sport, handwerkliches Arbeiten und Gespräche geben laut Becker Halt. Auch wenn coronabedingt manches habe ausfallen müssen, bestehe der größte Teil der Ankömmlinge die Probe, finde sich zurecht und schaffe den Schritt in ein eigenes Leben.

Und wie sieht es mit psychologischer Betreuung für diejenigen aus, deren Probleme nicht allein durch Aktivitäten gelöst werden? Vizelandrätin Engler betont, dass sich solch ein Angebot teilweise umsetzen ließe – die Kapazitäten bei Psychologen seien jedoch begrenzt. Außerdem könne man niemanden dazu zwingen. Die Rotte Breite sei aber ohnehin kein Merxhausen für Geflüchtete. „Wir betreiben stattdessen Prävention.“ Laut Roßberg wäre psychologisches Fachpersonal dabei hilfreich, „aber es fehlen die Mittel“.

Im Fall des 34-Jährigen habe sich das Aggressionspotenzial nicht angekündigt. „Ich habe kurz zuvor mit ihm gesprochen, er verhielt sich normal“, sagt Einrichtungs-chef Becker. Der Geflüchtete habe den Wunsch geäußert, in seine Heimat zurückzukehren, weil er in Deutschland nicht klar komme. Zwei Stunden später sei es zu dem Vorfall im Edeka gekommen. Der 34-Jährige sei freiwillig nach Saudi-Arabien zurückgekehrt.

Polizeisprecher Matthias Mänz zufolge steche die Rotte Breite aus polizeilicher Sicht nicht heraus. „Es lässt sich sagen, dass die Polizei bezüglich der Einrichtung in Nieste derzeit keine Auffälligkeiten, insbesondere im Vergleich zu anderen Einrichtungen in der Region, feststellen kann“, erläutert der Sprecher.

Von Moritz Gorny

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