Für vier Wochen Rathauschef

Nach Beurlaubung von Edgar Paul: Jürgen Ewig übernimmt Amt des Bürgermeisters

Arbeitsplatz am ersten Tag: Jürgen Ewig ist Erster Beigeordneter und übernimmt bis zum 22. April die Amtsgeschäfte des Niester Bürgermeisters Edgar Paul.
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Arbeitsplatz am ersten Tag: Jürgen Ewig ist Erster Beigeordneter und übernimmt bis zum 22. April die Amtsgeschäfte des Niester Bürgermeisters Edgar Paul.

Dass er einmal unter solchen Umständen den Chefsessel im Niester Rathaus übernehmen würde, wäre Jürgen Ewig wohl im Traum nicht eingefallen.

Nieste – Doch nachdem der Landkreis Kassel Bürgermeister Edgar Paul (SPD) wegen Untreue bis zum 4. Juni in den Zwangsurlaub geschickt hat, ist seit Montag Ewig als Erster Beigeordneter am Zug. Ganz neu ist das für den 60-Jährigen nicht. „Ich habe Edgar Paul schon mehrfach vertreten“, sagt Ewig. Der gelernte Forstwirt gibt aber auch zu, dass er „kein Verwaltungsfachmann“ und sich in die Themen hineinfuchsen muss. „Ich darf Fragen stellen und habe hier eine gute Mannschaft“, sagt Ewig über die Niester Verwaltung.

Das dürfte ihm in den kommenden Wochen zugutekommen, schließlich stehen weitreichende Entscheidungen an. Stellen müssen besetzt und Bauprojekte innerhalb der Gemeinde umgesetzt werden. Außerdem findet am Sonntag, 30. Mai, der Bürgerentscheid statt, bei dem über Edgar Pauls Zukunft entschieden wird. „So etwas hat man wirklich nicht alle Tage“, sagt Ewig, der bereits seit rund 18 Jahren Erster Beigeordneter der Gemeinde Nieste ist.

Sich erneut für das Amt aufstellen wird der 60-Jährige jedoch erst einmal nicht, sondern nur bis Donnerstag, 22. April, Stellvertreter des Bürgermeisters sein. Denn dann findet die erste Sitzung der Gemeindevertretung in der neuen Wahlperiode statt – und es muss ein neuer Erster Beigeordneter auserkoren werden. Dass er den Posten nicht mehr innehaben will, hat laut Ewig vor allem einen Grund: Es besteht die Chance, dass Edgar Paul am 30. Mai im Bürgermeisteramt bestätigt wird. Bliebe Ewig Erster Beigeordneter, wäre er in dem Fall Pauls Stellvertreter und würde mit ihm zusammenarbeiten.

Das kann er jedoch nach Bekanntwerden von Pauls Verfehlungen nicht mehr, sagt Ewig. Von alledem habe der 60-Jährige erst Anfang des Jahres erfahren, trotz enger Zusammenarbeit mit Paul über fast zwei Jahrzehnte. „Mein Vertrauen in ihn hat dadurch einen Knacks bekommen.“

So wird es Ende April wieder einen Wechsel an der Spitze im Rathaus geben. „Ich werde alles dafür tun, dass mein Nachfolger vorbereitet ist“, sagt Ewig. Für das Beigeordneten-Ehrenamt ist er von seinem eigentlichen Arbeitgeber Hessen Forst bis dahin freigestellt und wird wie vorher weiterbezahlt. Der Verdienstausfall der Forstbehörde wird Nieste laut Ewig nachher in Rechnung gestellt.

Den Job wechseln und sich für den Bürgermeisterposten zur Wahl zu stellen, falls Paul abgewählt wird, will Ewig übrigens nicht. „Ich möchte Zeit für meine Familie haben“, sagt er. (Moritz Gorny)

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