Amphibienanlage bei Nieste angeblich zugesichert – Behörden widersprechen

Niester Naturschützer hoffen auf Röhren

Ein Auto fährt über eine Landstraße. Am Straßenrand ist eine Leitplanke zu sehen.
+
An der Leitplanke ist für die Amphibien Schluss: Noch tragen im Frühjahr die Niester Naturschützer die Tiere in Eimern über die Straße am Umschwang. Doch lange können sie das nicht mehr ausrichten, sagt ihr Vorsitzender, Thorsten Fink.

Eigentlich wurde den Niester Naturschützern laut eigener Aussage eine Amphibienschutzanlage bei Nieste zugesichert. Auf Nachfrage verneinen die Behörden genau das. Es gibt allerdings noch Hoffnung.

Nieste/Kleinalmerode – Die Mitglieder des Niester Naturschutzvereins befinden sich in einem Dilemma: Mehrere Tausend Amphibien wandern jedes Frühjahr durch ein Waldstück am Umschwang. Hier müssen die Tiere die Straße zwischen Nieste und Kleinalmerode überqueren. Eine Leitplanke stoppt die Tiere, um sie vor dem Unfalltod zu schützen. Damit die Amphibien zu ihren Laichgewässern gelangen, tragen Naturschützer die Tiere auf die andere Straßenseite.

Doch – wie berichtet – sind die Vereinsmitglieder schlichtweg zu alt, um diese körperliche Arbeit noch mehrere Amphibienwanderungen zu leisten. Zuletzt keimte jedoch Hoffnung auf.

Laut dem Vereinsvorsitzenden Thorsten Fink hat ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Göttingen den Bau einer Röhrenanlage in Aussicht gestellt. „Bei einem Termin sagte er, das Geld sei da und beim Landkreis bestünde Bereitschaft, die Anlage zu bauen“, sagt Fink. Mit dieser Erwartung haben sich die Vereinsmitglieder an die HNA gewandt.

Thorsten Fink, Vorsitzender des Niester Naturschutzvereins.

Auf Anfrage, ob das Projekt tatsächlich umgesetzt werden könnte, heißt es vom Landkreis Göttingen: „Von der genannten Anlage ist hier im Hause nichts bekannt“, sagt Kreissprecher Ulrich Lottmann. Demnach gebe es keine Planungen, weder beim Landkreis noch vonseiten des Baulastträgers, der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV).

Von der Behörde mit Sitz in Bad Gandersheim ist ebenfalls zu hören, dass es keine Pläne für die Anlage gibt. Das teilt Gregor Pabst von der NLStBV mit. Er erklärt, dass es auf Landesebene derzeit kein passendes Förderprogramm gebe, um ein solches, eigenständiges Projekt umzusetzen. In der Regel werde so etwas laut Pabst nur umgesetzt, wenn dadurch ein Bau im Umfeld ausgeglichen werden kann.

So bekommen die Niester Naturschützer erst einmal einen Dämpfer. Allerdings macht Pabst auch Hoffnung: Er stellt in Aussicht, anhand der HNA-Anfrage mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Göttingen „weitere Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren“.

Kommentar: Taten statt Amtsschimmel

Es steht Aussage gegen Aussage. Die Naturschützer sagen, ihnen sei eine Amphibienschutzanlage zugesichert worden. Die Behörden verneinen. Für Außenstehende ist das Ganze kaum nachvollziehbar. Klar ist, dass Naturschutz vor dem Hintergrund von Klimawandel und Artensterben an Bedeutung gewinnt. Naturschutz muss demnach auch vor Ort geschehen. Seit Jahren kämpfen die Niester um eine Anlage, die ihnen Arbeit am Umschwang abnehmen könnte. Bislang ohne Erfolg.

Gut ist also das Vorhaben der Niedersäschsischen Verkehrsbehörde, erneut Gespräche mit dem Landkreis Göttingen zu führen. Dem müssen aber Taten folgen. Dabei sollte nicht der Amtsschimmel geritten werden. Eine Lösung muss her – der Naturschützer und der Tiere willen. mgo@hna.de

Von Moritz Gorny

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.