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Nieste hat endlich wieder einen Riesen

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Von: Peter Dilling

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Mal grimmig, mal verschmitzt: Frank Sattler aus Kassel verkörpert den neuen „Niester Riesen“ sehr glaubwürdig.
Mal grimmig, mal verschmitzt: Frank Sattler aus Kassel verkörpert den neuen „Niester Riesen“ sehr glaubwürdig. © Peter Dilling

Körpergröße ist nicht alles, auch mit kleinerer Statur kann man erfolgreich durchs Leben kommen. Beispielsweise, wenn man über ein riesiges Repertoire an Mimik, Gestik und Ausstrahlung sowie eine gehörige Portion Humor verfügt. Über diese Eigenschaften verfügt Frank Sattler.

Nieste – Und so kommt er mit wallender, lockiger Perücke, spitzem Bart, in (Kunst-) Pelz besetzter uriger Kluft und mit langem Stock – mal mit grimmiger, mal verschmitzter Mine – durchaus glaubwürdig als Riese daher. Mit dem Kasseler hat die Wanderschule Nieste nach zwei von der HNA unterstützten Castings endlich einen würdigen Nachfolger für seinen im Sommer 2020 plötzlich verstorbenen „Niester Riesen“, Rudi Grau, gefunden. Die ersten „Feuertaufen“ hat der Neue bereits erfolgreich gemeistert.

Mit der Wahl von Sattler, der bereits Mitglied der Wanderschule geworden ist, geht eine lange Suche nach dem richtigen Kandidaten für die längst überregional bekannte Symbolfigur des „Niester Riesen“ zu Ende.

„Beim ersten Casting haben sich praktisch nur professionelle Theaterleute gemeldet, die mit ihren Auftritten Geld verdienen wollen“, berichtet Peter Scheuring, Vorsitzender der Wanderschule. Bei der zweiten Casting-Runde habe Sattler gleich mit einem Probe-Auftritt alle überzeugt. „Er ist ein Glücksfall für uns“, meint Scheuring. Immer wieder sei er von Stammkunden gefragt worden, wo denn der Niester Riese bleibe.

Kein Wunder, denn der Kasseler ist gewissermaßen vom Fach, hat vor Jugendlichen und Senioren schon viel auf der Bühne gemimt und muss als „Niester Riese“ auch kein Geld verdienen. Der 65-jährige Sozialpädagoge hat eine Ausbildung zum Theaterpädagogen und arbeitet noch als Seniorenreferent beim evangelischen Stadtkirchenkreis in Kassel. Er selbst habe von der Suche nach einem Kandidaten, der die Niester Legende von den Riesen verkörpern könne, durch Zufall erfahren, erzählt Sattler. Ein Bekannter habe davon in der Zeitung gelesen und ihm gesagt: „Wäre das nicht etwas für dich?“ Da überlegte Sattler bereits, was er mit seiner Freizeit nach der bevorstehenden Pensionierung im nächsten Jahr anfangen sollte. Er vertiefte sich in die Legende von den fünf bösen Niester Riesen, die durch den Blitzstrahl eines Waldgeistes in Bäume verwandelt wurden – und strickte für seinen Auftritt vor der Wanderschule reimend die Geschichte fort: Er sei derjenige Riese, der für die anderen immer die Schmutzarbeiten erledigen musste und nur dank seiner Cleverness und seines kleinen Wuchses dem Blitzstrahl entronnen sei.

„Meine Stärke ist die Improvisation“, sagt Sattler. Damit sei er schon bei den ersten Gruselwanderungen der Wanderschule sowohl bei Kindern wie Erwachsenen gut angekommen, erzählt er. Scheuring schätzt die Flexibilität, mit der der neue Riese seine Auftritte gestaltet. Bewusst habe man ein anderes Outfit für ihn geschneidert. Eines, das zu seiner Gestalt passt. „Wir wollten nichts kopieren“, sagt der Wanderschulleiter.

Im Frühjahr soll es für Sattler, der sich auch in Waldpädagogik gut auskennt, richtig losgehen. Auch bei den Grimmsteig-Tagen würde ihn Scheuring gern als Aushängeschild präsentieren. Sattler hat noch nicht entschieden, wie oft und wie lange er den Riesen geben wird.

Es könnten sich gern noch Bewerber melden, die mal für den Kasseler als Ersatzmann einspringen können, sagt Scheuring.

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