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Niester Forstgenossen leiden unter Sturm- und Trockenheitsschäden

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Von: Moritz Gorny

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Sorgen sich um ihre Bäume: Die Niester Forstgenossen Frank Nienrodt (links, 1. Vorsitzender) und Bernd Horn (Beisitzer) sind hier mit einer jungen Douglasie auf der Freifläche am Schrägen Weg zu sehen.
Sorgen sich um ihre Bäume: Die Niester Forstgenossen Frank Nienrodt (links, 1. Vorsitzender) und Bernd Horn (Beisitzer) sind hier mit einer jungen Douglasie auf der Freifläche am Schrägen Weg zu sehen. © Moritz Gorny

Die Trockenheit hat auch in Nieste dem Wald zugesetzt. Die Forstgenossen versuchen es mit Wiederaufforstung. Doch sie sagen: „Wir kommen nicht auf den grünen Zweig.“

Nieste – Wer auf dem sogenannten Schrägen Weg bei Nieste bergauf unterwegs ist, erlebt nach einer Rechtskurve ein blaues Wunder. Zuvor ist der Weg von Buchen umgeben, dann lichtet sich die Landschaft – und der Blick schweift über rund 17 Hektar Freifläche. „Hier stand alles voller Fichten“, sagt Bernd Horn, Beisitzer der Forstgenossenschaft Nieste. Stumpen im Boden zeugen davon. „Wir kommen nicht auf den grünen Zweig“, ergänzt Vorstandschef Frank Nienrodt.

Das hat mehrere Gründe, die sich anhand der Freifläche am Schrägen Weg erklären lassen. Bergab ging es für die Forstgenossen ab dem Jahr 2018. „Die Fichten hier haben den Sturm Friederike im Januar eigentlich ganz gut überstanden, da waren wir froh“, sagt Horn. Zumindest waren die meisten Bäume nicht umgefallen. An anderer Stelle fielen dem Sturm einige Gewächse zum Opfer.

Doch dann kam die Trockenheit über drei Jahre. Durch den Wassermangel fehlte den 60 bis 75 Jahre alten Fichten der Stoff, der ihnen bei der Verteidigung hilft. „Ohne Wasser können die Bäume kein Harz produzieren und Borkenkäfer ausbluten“, erklärt Horn. Gleichzeitig fällt die Fläche gen Süden ab und liegt in der Sonne. „Genau das, was Borkenkäfer mögen“, sagt Frank Nienrodt. Die Bäume sind tot, wie viele Gewächse der Niester Privatwaldbesitzer. Auf rund 203 Hektar haben sie fast 16 000 Festmeter Holz verloren.

Schäden im Niester Wald: Forstgenossen leiden unter Sturm- und Trockenheitsschäden

Das Aufforsten gestaltet sich nun schwierig. Mitunter später Frost wie im vergangenen Jahr, vereinzelte Wildschäden, Borken- und Rüsselkäfer: „Wir haben über 55 000 Bäume gepflanzt und mussten mehrere Tausend schon ersetzen“, sagt Nienrodt. Das habe für Verluste gesorgt, ebenso wie der niedrige Holzpreis.

Während es rund 20 Euro kostete, einen Festmeter Industrieholz – also die ersten 3 bis 6 Meter des Baumes – aufzuarbeiten, bekamen sie nur 13 Euro dafür und machten ein Minusgeschäft. Das macht laut Horn normalerweise bis zu einem Drittel des Erlöses aus. Auch für das hochwertigere Holz ist der Preis deutlich gesunken. Der Trend geht den Forstgenossen an die Substanz, und die Zukunft ist offenbar alles andere als rosig. Die Prognosen für die kommenden Jahre deuten auf Trockenheit hin.

Zuschüsse vom Staat gebe es zwar, beispielsweise für Wegeerneuerung oder für Aufforstung. Allerdings hoffen die Hobbyförster auf weitere finanzielle Hilfen. „Das Geld, dass der Staat durch die CO₂-Steuer einnimmt, soll ja an diejenigen ausgegeben werden, die CO₂ einsparen. Wir Waldbesitzer tun das“, sagt Horn.

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Bleibt das Geld aus, wüssten Nienrodt und Horn nicht, wie lange das Konzept Forstgenossenschaft noch Bestand haben kann. Die Fixkosten bleiben, aber die Erträge sinken. „Ein möglicher Notnagel wären Windanlagen im Wald, aber eigentlich möchten wir das verhindern“, sagt Bernd Horn. (Moritz Gorny)

Das sagt das Bundesumweltministerium

Laut einem Sprecher des Bundesumweltministeriums können Waldbesitzer durchaus Fördergeld für ihren Wald erhalten, wenn sie nachweislich CO₂ einsparen. Dafür müssten die betreffenden Flächenanteile allerdings komplett aus der Nutzung herausgenommen werden. Im Umkehrschluss könnten sich die Waldbesitzer dann wiederum über verschiedene Förderprogramme finanziell entschädigen lassen, teilt der Sprecher weiter mit. Beispiele dafür seien die Programme „Wildnisfonds“, „chance.natur“ und „Waldklimafonds“. „Weitere Fördermöglichkeiten werden derzeit vorbereitet und beraten, insbesondere über das im Koalitionsvertrag verankerte Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“, sagt der Sprecher. Um Wälder und Klima gleichermaßen zu schützen, müssten sie gemeinsam betrachtet werden. So sollen unter anderem Wälder, Grünland, Auen sowie marine und Küstenökosysteme geschützt und wieder hergestellt werden. Das Programm solle zeitnah vorgestellt werden, heißt es dazu.

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