Mit Ziegenmilch und Maulwurfserde

Niester Bambi verzückt alle: Ehepaar hat Rehkitz großgezogen

+
Sabine Löwer und Bambi in Aktion: Die Niesterin gibt dem Kitz auch heute noch zwei Mal täglich Milch. Auf diesem Bild ist Bambi circa zwei Monate alt.

Ein Reh großzuziehen ist keine leichte Aufgabe. Kleine Fehler können das Tier das Leben kosten. Sabine und Dirk Löwer aus Nieste haben es trotzdem gewagt - und einem Reh das Leben geschenkt.

Wer in diese Augen blickt, kann nur dahinschmelzen. Sabine Löwer und ihr Mann Dirk haben das kleine Rehkitz – dem die braunen Augen gehören – jedenfalls direkt ins Herz geschlossen, als es ihnen im Mai verletzt und mutterlos von einem Jäger vorbeigebracht wurde. Seine Bitte: „Peppelt es wieder auf, ihr habt doch damit Erfahrung.“ Das Ehepaar hält Ziegen, Schafe, Tauben und viele andere Tiere.

Gesagt, getan. Weil das erst wenige Tage alte Kitz ohne Hilfe binnen kurzer Zeit gestorben wäre, haben Sabine Löwer und ihr Mann es bei sich aufgenommen. „Aber wir kannten uns kaum aus mit Rehen“, gibt Sabine Löwer zu.

Doch eine Aufzuchtstation und auch das Internet wussten Rat, zum Beispiel darüber, wie man ein Kitz richtig füttert. „Nämlich mit Erde von Maulwurfshügeln, weil die besondere Mineralstoffe enthält.“ Es stand auch alle paar Stunden Ziegenmilch auf dem Speiseplan. „Die hatten wir da. Bei Milch von der Kuh wäre das Kitz gestorben, weil es die nicht verträgt“, sagt Dirk Löwer.

Das Kitz – auf den Namen Bambi getauft – lag viel unter dem Wohnzimmertisch der Löwers und schlief auf einer Decke. „Später sind wir stundenweise mit ihm rausgegangen.“ Nach Spaziergängen auch zu den Niester Fischteichen habe sich das junge Tier einfach Stück für Stück selbst ausgewildert, erzählt das Paar stolz.

Bambi mit drei Wochen.

„Heute kommt es noch morgens und abends, um Milch zu trinken“, sagt die Ziehmutter. Bambi stehe auch plötzlich mal im Wohnzimmer der Löwers „und es nascht gern mal Knäckebrot und Rosinen“. Im Winter will das Ehepaar dem kleinen Familienmitglied Heu zu fressen geben – „wenn es dann noch zu uns kommt“, sagt Löwer. 

Auf die Frage, ob das Ehepaar traurig wäre, wenn das Kitz irgendwann nicht mehr im Garten der Löwers vorbeischaut, kommt eine klare Antwort: „Dann ist das so, das wäre der Lauf der Dinge“, erklärt Dirk Löwer.

Sabine Löwer

Damit das Kitz wirklich am Leben bleibt, ist Vorsicht geboten: „Menschen haben schon einen Jäger angesprochen, weil sie das Kitz bei den Fischteichen gesehen haben. Es lief nicht weg und sie dachten, es habe Tollwut und müsste erschossen werden“, sagt die Ziehmutter. „Es ist aber einfach an Menschen gewöhnt.“ 

Löwer bittet darum, dass Spaziergänger ihre Hunde vor allem an den Fischteichen anleinen und keine Jäger oder Förster informieren, wenn sie das Reh sehen. Hoffnungsvoll fügt sie hinzu: „Vielleicht kommt Bambi zu uns zurück, um eigene Kitze zur Welt zu bringen. Bei manchen passiert das.“

Wer selbst ein Rehkitz findet, sollte sich an einen Tierarzt und/oder eine Aufzuchtstation wenden. Schnelle Hilfe gibt es auch online, zum Beispiel unter r ehkitzrettung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.