Ein Mann wie ein Baum

Der Niester Riese: Rudolf Grau denkt auch mit 80 Jahren nicht ans Aufhören

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Mit seinem hölzernen Kollegen: Rudolf „Rudi“ Grau in seinem Niester-Riese-Kostüm. Im Hintergrund ist eine Niester-Riese-Figur zu sehen.

80 Jahre ist er nun schon alt: Rudolf Grau, der Niester Riese. Ans Aufhören denkt er noch nicht, dafür macht ihm seine Rolle zu viel Spaß. Ein Porträt. 

Fellmantel, Filzhut und ein mysteriös-geformter Holzstock: Mit diesem Outfit wird Rudolf „Rudi“ Grau in Nullkommanichts zum Niester Riesen, das wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen der Zwergengemeinde ist.

Der 1,86-Meter-Mann hat mit niedersächsischen Wurzeln jetzt seinen 80. Geburtstag gefeiert. Doch wie kommt eigentlich ein gebürtiger Salzgitteraner nach Nieste und was bewegt den Mann, nach 13 Jahren und in seinem fortgeschrittenen Alter immer noch den Riesen zu mimen?

Bei manchen ist es die Liebe, bei Rudolf Grau war es der Job, für den er nach Nordhessen kam. Der gelernte Maschinenbau-Konstrukteur kam mit seiner Frau Ursula in die Stadt Vellmar. Doch es zog sie aufs Land: „Die Umgebung von Kassel hat es uns angetan, auch weil man hier so wunderbar wandern kann“, sagt Grau, der schon in ganz jungen Jahren gern durch die Landschaft lief. Fürs Eigenheim bot sich also ein naturnaher Ort an – die Wahl fiel auf das Wanderparadies Nieste.

Natürlich ging er seinem liebsten Hobby nach und führte bald Touren für den Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatverein über die Pfade der Region. Mit seiner Größe, seiner imposanten Stimme und seiner gutmütigen Art fiel schnell die Wahl auf ihn, als man im Jahr 2015 eine Galionsfigur für die neu gegründete Niester Wanderschule suchte. „Er passt nicht nur äußerlich ins Bild, sondern kommt auch immer sympathisch rüber“, sagt Helmut Lippert von der Wanderschule Nieste.

„Ich brauchte dann ein Kostüm“, sagt Grau. Seine Frau habe ihm den Mantel gemacht, der wie ein Poncho aussieht – und der Rest kam dazu. „Eine Zeit lang habe ich noch einen falschen Bart getragen“, erzählt Grau. „Das war aber nichts: Da konnte man mein Gesicht kaum noch sehen.“

Und so trat der Riese – ohne Bart – bei Kirmesumzügen, Grimmsteig- und anderen Wanderveranstaltungen sowie beim Hessentag auf. Das sei immer gut angekommen, sagt Lippert. Besonders Spaß haben Grau in den rund 14 Jahren aber die Gruselwanderungen bei Nieste gemacht. „Da trete ich mit anderen Figuren auf und erzähle die Geschichte der Niester Riesen“ (siehe Hintergrund). „Ich mag die Atmosphäre sehr gern“, sagt er. Es sei dunkel im Wald, bis auf einige wenige Lichter. Die Leute kämen erwartungsvoll, er sorge für eine Überraschung. Seine Rolle als Riese hat ihm auch Halt gegeben, als seine Frau Ursula 2016 gestorben ist. „Sie war gerade 72 geworden“, sagt Grau. Den Riesen zu spielen und in der Wanderschule mitzuhelfen, hätte ihn auf andere Gedanken gebracht.

Und er will weitermachen: „Außer es kommt jemand, der es unbedingt übernehmen will“, sagt der 80-Jährige. Bis dahin wird er sein Outfit hoffentlich noch viele Male überstreifen und den Riesen geben. 

www.wanderschule-nieste.de

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