Käufer will auf dem Grundstück leben

Niester Schandfleck für 133.000 Euro verkauft:  Kasseler ersteigert Schrott-Immobilie 

Der Niester Schandfleck, Kaufunger Straße 16, hat jetzt einen neuen Besitzer, der bald auf dem Grundstück leben will.
+
Der Niester Schandfleck, Kaufunger Straße 16, hat jetzt einen neuen Besitzer, der bald auf dem Grundstück leben will.

Um 10.42 Uhr am Mittwoch war es amtlich: Das Niester Schandfleck-Grundstück mitsamt einsturzgefährdeten Gebäuden hat einen neuen Besitzer. 

Satte 133.000 Euro bot Vjekoslav Bonic für die 1146 Quadratmeter große Fläche an der Kaufunger Straße. Der Kasseler setzte sich gegen eine starke Konkurrenz durch: Denn die Zwangsversteigerung der Schrott-Immobilie, wie sie landläufig genannt wird, hatte für reges Interesse gesorgt. Rund 60 Menschen kamen zum Termin in die Zwangsversteigerungsabteilung des Amtsgerichts. Von ihnen gaben zwar nur rund zehn Personen Gebote ab, diese hatten es aber in sich. 

Angesichts eines Mindestgebots von genau 2303,60 Euro und einem Verkehrswert von 11.200 Euro ging die Kaufsumme buchstäblich durch die Decke. Da musste auch der Käufer tiefer als geplant in die Tasche greifen: „Mit dem Preis bin ich 15.000 Euro über mein eigenes Limit gegangen“, sagte Bonic, dessen Freude dennoch kaum zu übersehen war.

Niestes Bürgermeister ist überrascht:  „Der Preis ist der absolute Wahnsinn“

Überrascht war hingegen der Niester Bürgermeister Edgar Paul: „Der Preis ist der absolute Wahnsinn“, sagte der SPD-Mann nach der Veranstaltung. In Nieste seien voll bezugsfertige Fachwerkhäuser für weniger Geld – 120.000 Euro – verkauft worden. „Mit den 133.000 Euro ist es ja noch lange nicht getan“, betonte der Bürgermeister. Da kämen noch rund 80.000 Euro für Abriss und Schuttentsorgung hinzu, plus rund 45.000 Euro Müllbeseitigung.

Paul, der seit seinem Amtsantritt 2001 versucht hat, den Müll auf dem Grundstück zu beseitigen und damit das Ortsbild aufzuwerten, hatte selbst ein Auge auf die Fläche geworfen. Die Gebotsgrenze der Gemeinde Nieste – 50.000 Euro – wurde aber deutlich überschritten.

Wie Paul gestern auf Nachfrage mitteilte, sollte auf dem jetzigen Parkplatz gegenüber des Schandflecks eine Einrichtung für betreutes Wohnen entstehen. Der Schandfleck selbst sollte einem Parkplatz dafür weichen. Diesen Plan könne er aber womöglich an anderer Stelle umsetzen. Er habe noch andere Flächen im Blick.

Darauf angesprochen, wie er den Kauf bewerte, sagte er: Der Käufer könne immer noch abspringen und das Geschäft rückabwickeln lassen. „Ich habe da erst ein Glücksgefühl, wenn ich sehe, dass Herr Bonic dort wirklich etwas verändert.“

Käufer ist sich sicher: "Werde später auf dem Grundstück wohnen"

Was genau auf dem Grundstück passieren soll, weiß Bonic nach eigenen Angaben noch nicht. Er wolle sich jetzt erst einmal ein Bild machen. „Ich habe das Haus nur von außen gesehen.“ Vielleicht könne ein Abriss vermieden werden. Sicher ist: „Ich möchte später auf dem Grundstück wohnen“, sagte der 43 Jahre alte Garten- und Landschaftsbauer.

Die Bewohner von Nieste ärgern sich seit Jahren über den Schandfleck, der jetzt verkauft wurde. Die Situation war am Ende so schlimm, dass die Eigentümerin nicht mehr ins Haus durfte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.