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Niestes Bürgermeister im Interview: „Wir brauchen mehr Geld“

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Von: Moritz Gorny

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Klaus Missing
Klaus Missing © Moritz Gorny

Klaus Missing sitzt seit gut einem Jahr auf dem Niester Chefsessel, erst als Erster Beigeordneter, dann als Bürgermeister. Wir haben mit ihm über seine Ziele, Edgar Paul und die Finanzsituation der Gemeinde gesprochen.

Zu ihrer Wahl im September haben wir getitelt: „Missing muss jetzt liefern“. Hat das geklappt?

Zuerst wollte ich schauen, wo wir als Gemeinde stehen, zum Beispiel wie es finanziell aussieht. Wichtig war mir, transparent zu sein und in der Verwaltung ein gutes Team aufzubauen. Die vakanten Stellen konnten wir kurzfristig besetzen. Jetzt haben wir einen Mix aus Verwaltungsleuten und Menschen aus der freien Wirtschaft. Gleiches galt für die Politik. Die Verhältnisse waren verworren, es gab Grabenkämpfe unter den Parteien. Jetzt haben wir transparente Politik. Und alle Parteien sind an einem Tisch, um das zu tun, was für Nieste wichtig ist.

Sie sind mit großen Zielen angetreten, neuen Gebäuden für Bauhof, Kita und Feuerwehr. Auch den Hochwasserschutz wollten sie voranbringen. Aber Nieste ist finanziell klamm. Wie wollen Sie die Ziele erreichen?

Das ist noch vage. Was Feuerwehr und Bauhof betrifft, führen wir Gespräche, auch mit dem Kreisbrandinspektor. Da geht es darum, was möglich und nötig wäre. Wir brauchen uns nichts vormachen: Bei einem Neubau kämen wir nicht unter zwei Millionen Euro weg. Mit nur 30 Prozent Fördersumme vom Land Hessen wird es schwierig. Vielleicht erweitern wir stattdessen das Bestandsgebäude einfach. Aber da sind wir noch nicht viel weiter.

Und bei der Kita?

Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Wir sind an der Kapazitätsgrenze, haben die Kinder bisher immer aber unterbekommen. Ewig können wir nur nicht so weiter machen. Und dann kommt das Thema Ganztagsschule ab 2026 hinzu. Ich habe Gespräche mit Vizelandrätin Silke Engler geführt, ob und wie eventuell Kindergarten und Schule in einem Gebäude untergebracht werden könnten. So ließe sich zum Beispiel die Mensa gemeinsam nutzen. Das braucht noch Zeit.

Ist das etwas für eine zweite Amtszeit?

Ja, ich möchte sowieso mindestens zwei Amtszeiten Niester Bürgermeister sein, um Dinge bewegen zu können, die ich mir vorgenommen habe. Gleichzeitig müssen auch die Rahmenbedingungen von Land und Bund stimmen. Wir brauchen mehr Geld, wir können nicht jedes Jahr Steuern erhöhen.

Müssen sich die Niester Bürger dennoch auf höhere Steuern einstellen?

Wir haben jetzt erstmal die Grundsteuer erhöht. Dann wird sich zeigen, wie die Neubewertung der Grundsteuer die Einnahmen verändert. Zunächst muss die Steuererhöhung reichen. Für wie lange kann ich nicht sagen.

Stichwort Grundsteuer. Wo kann man in Nieste künftig bauen?

Es macht keinen Sinn, weitere Baugebiete auszuweisen, wenn wir uns die Infrastruktur nicht leisten können. So wie es derzeit aussieht, können wir aber auf fünf bis sechs weitere Hektar hoffen, die uns im Regionalplan Nordhessen für Siedlungserweiterung zugewiesen werden. Das ist aber ein Thema für 2024/2025. Vorher müssen wir schauen, was noch im Ort frei ist. Da sind 50 bis 60 bebaubare Grundstücke, die in Privateigentum sind. Da hängt es noch davon ab, ob die Menschen das als Bauplätze anbieten würden.

Wie schalten Sie ab?

Mit Musik. Trotzdem bin ich 24/7 Bürgermeister und Ansprechpartner für alles: ob Hundekot oder einen Nachbarschaftsknatsch, weil einer den Rasen nicht gemäht hat. Manchmal bekomme ich abends um 22.30 Uhr Anrufe, weil an der Grillhütte zu laut gefeiert wird. Das ist aber normal. Ich möchte das so.

Vermissen Sie trotzdem etwas, wenn Sie an Ihren vorigen Arbeitgeber Bode zurückdenken?

Das Reisen, auch ins Ausland, fehlt mir schon ein bisschen. Aber ich fühle mich als Bürgermeister sehr wohl.

Wie war es, in Edgar Pauls Fußstapfen zu treten?

Ich bin bewusst nicht in Edgar Pauls Fußstapfen getreten. Was er in 20 Jahren bewerkstelligt hat, muss man ihm hoch anrechnen. Allerdings war er eher ein Eigenbrötler, der seine Linie ganz klar verfolgt und wenig Teamgeist mitgebracht hat. Ich sehe mich als Teamplayer und bin im ständigen Austausch in der Verwaltung und mit den Gemeindevertretern.

Das klingt so, als hätte es Edgar Pauls Verurteilung nicht gegeben.

Doch, Verfehlungen hat es gegeben und dafür wurde er auch verurteilt. Für mich ist das aber Vergangenheit. Wie gesagt: Edgar Paul hat viel als Bürgermeister in der Gemeinde erreicht. Dafür muss man ihm dankbar sein. Seinen Abgang hätte er aber anders gestalten können.

Was muss demnächst unbedingt passieren in Nieste?

Die finanzielle Situation muss sich verbessern. Bleibt es aber eng wie bislang, müssen wir handeln und weiter nach Möglichkeiten suchen, mit anderen Kommunen zusammenzuarbeiten. Nur so können wir selbstständig bleiben. Ich glaube auch, dass ich durch meine offene Politik die Bürger mitnehme. So haben sie hoffentlich mehr Lust, sich im Ort einzubringen. Das würde uns ebenfalls helfen.

Von Moritz Gorny

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