„Das wird schwierig“

Niestes Partnerschaft mit Frankenhain in Gefahr - Getrennte Wege?

+
Ihre Partnerschaft steht jetzt auf dem Prüfstand: Bürgermeister Hans-Georg Fischer (Pro Frankenhain/Linke), Manfred Frese (1. Vorsitzender vom Heimat und Verkehrsverein Nieste) und Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) schlugen im August, zur 717-Jahr-Feier Frankenhains, gemeinsam zu.

Lange hat die Partnerschaft zwischen den Gemeinden Nieste und Frankenhain in Thüringen gehalten. Doch jetzt steht die Verbindung, die im Dezember 1990 geschlossen wurde, auf immer wackeligeren Füßen.

Der Grund: „Per Gesetz gibt es die politische Gemeinde Frankenhain seit dem 1. Januar nicht mehr“, sagt Niestes Bürgermeister Edgar Paul. Rund 180 Bürger der Thüringer Ex-Gemeinde hätten sich in einem Entscheid dafür ausgesprochen, dass sie ein Ortsteil der Landgemeinde Geratal (Ilm-Kreis) sein wollen. 

„Das ist das Ende von Frankenhains eigenem Haushalt“, erklärt der ehrenamtliche Ortsbürgermeister Hans-Georg Fischer (Pro Frankenhain/Linke) auf HNA-Anfrage.

Am 26. Mai 2019 ist nämlich nicht nur Europawahl. Es werden auch neue Gremien in der Landgemeinde für Frankenhain gewählt, ebenso wie ein neuer Bürgermeister für die Gemeinde Geratal. Sie werden über die Finanzen des Ortsteils bestimmen. „Voraussichtlich stehen uns dann jährlich fünf Euro pro Einwohner zu, also rund 3500 Euro“, sagt Fischer.

Unter diesen Umständen müssten dann in Frankenhain unter anderem Vereine, die Feuerwehr, der Jugendclub, aber auch das Heimatmuseum und eben die Partnerschaftsaktivitäten gestemmt werden. „Das wird schwierig“, weiß Fischer, der bereits neun Jahre im Amt ist. Der 61-Jährige betont aber: „Auch wenn wenig Geld zur Verfügung steht, bin ich mir sicher, dass die Partnerschaft nicht in die Brüche geht.“ Woran er das fest macht? „Es gibt starke, private Kontakte, die sich zwischen den Gemeinden aufgebaut haben.“

So oder so sei die Situation jedoch ärgerlich: „Wir haben viel zusammen gemacht“, sagt Fischer und denkt an Kirmes-Feste, internationales Partnertreffen und gemeinsame Wanderungen mit Niestern. Beim letzten Stichwort erzählt er vom Wanderweg Lütsche-Flößgraben: „Da hat uns Nieste mit seiner Wanderschule sehr geholfen, den zur überregional-bekannten Strecke auszubauen.“

Auch der Niester Rathauschef Paul ist „sehr betrübt“ über die Entwicklungen in Thüringen. Etwas wehmütig denkt er zurück an die 700-Jahr-Feier Frankenhains, bei der Niester dabei waren oder den Austausch zwischen örtlichen Vereinen. Er hofft, dass es weitergeht, sieht aber Schwierigkeiten: „Wir wissen nicht, wer in der Landgemeinde unser Ansprechpartner wird und müssen ein Signal von dort bekommen.“ Zumal Paul eigentlich eine Einladung zu seiner Verabschiedung und Neueinführung ins Bürgermeisteramt verschicken möchte, die am 29. Mai stattfinden soll. „Damit kann ich nicht mehr lange warten.“

Wie es schließlich zwishen Nieste und Frankenhain weitergeht, könnte sich ab dem 26. Mai klären.

Strukturwandel im Ehrenamt macht Partnerschaften zu schaffen

Die Niester Partnerschaft mit Frankenhain bröckelt. Wie sieht es in anderen Kommunen in der Region aus? 

Kaufungen 

Mit der italienischen Gemeinde Bertinoro gibt es laut Iris Sager, Sprecherin der Gemeinde Kaufungen Treffen auf verschiedenen Ebenen, beispielsweise auch das deutsch-italienische Musikprojekt „Rock E 45“ mit Jugendlichen, die gemeinsam proben und auftreten. 

Die Partnerschaft mit Budesti in Moldawien werde schwieriger, da schlichtweg Geld fehle. Weniger werdendes Engagement im Ehrenamt erschwere die Partnerschaften insgesamt. Der Bund mit Ale kommun in Schweden wurde 2018 aus aber anderen Gründen aufgelöst: Die schwedische Gemeinde verfolge nur noch Beziehungen, die durch die EU förderbar sind. 

Baunatal 

Baunatal hat Verbindungen zu vier Orten: Vire (Frankreich), Sangerhausen (Sachsen-Anhalt), San Sebastián de los Reyes (Spanien) und Vrchlabi (Tschechien). Es würden Austausche von Schülern, Sportlern, Praktikanten und Verwaltungen organisiert, heißt es aus dem Rathaus. Durch die Krise in Spanien habe die Beziehung mit San Sebastián de los Reyes gelitten. Insgesamt machten Generationswechsel und Nachwuchsmangel Probleme. 

Helsa 

Die Partnerschaft zwischen Helsa und Trèbes bestehe seit rund 45 Jahren, sagt Helsas Bürgermeister Tilo Küthe. Neben gemeinsamen Festen fuhren Helsaer nach Trèbes, als es dort im vergangenen Jahr zu einem Hochwasser kam. Ebenso wie bei Nieste und Frankenhain fiel auch Helsas Partnerschaft mit Krimpen aan de Lek einer Gebietsreform zum Opfer. Laut Küthe gibt es aber immer noch private Verbindungen. 

Vellmar 

Neben offiziellen Einladungen spielt sich zwischen Vellmar und den Partnerorten (Zell am See, Österreich; Bewdley, England und Szigetszentmarton, Ungarn) auf Vereinsebene ab. Eine Herausforderung für die Partnerschaft sei es, wenn sich Verantwortlichkeiten verschöben, sagt Vellmars Sprecherin Astrid Kneuer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.