Forstgenossenschaft hat entschieden

Pauls Pacht ist passé: Niester Bürgermeister verliert Jagdrevier

Edgar Paul verliert sein eigenes Jagdrevier. Um weiter jagen zu können, arbeitet er nach eigenen Angaben mit jemandem zusammen. Unser
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Edgar Paul verliert sein eigenes Jagdrevier. Um weiter jagen zu können, arbeitet er nach eigenen Angaben mit jemandem zusammen. Unser

Edgar Paul (SPD) verliert zum Ende des Monats sein Jagdrevier. Das hat die Forstgenossenschaft Nieste am Freitagabend in ihrer Jahreshauptversammlung entschieden.

Nieste – Laut Bernd Horn gab es bei einer Enthaltung 32,5 Stimmen gegen eine Weiterverpachtung des rund 190 Hektar großen Jagdgebietes an den Niester Bürgermeister und 4,5 dafür. Wie der Vorsitzende erklärt, haben manche Niester ein volles Stimmrecht, andere nur ein halbes. Das habe mit der Vergabe der Anteile zu tun.

Die Niester Forstgenossen haben Paul somit zwar sein Jagdrevier weggenommen, sein Hobby will der 70-Jährige aber trotzdem weiter ausführen. Zumindest so lange er noch einen Jagdschein hat.

Paul war seit 2010 Pächter der Fläche östlich des Ortes, wie Horn auf Anfrage sagt. Der 70-jährige Bürgermeister hatte bereits am 10. Februar im vergangenen Jahr einen Antrag auf die Pachtverlängerung um zehn bis zwölf Jahre gestellt. Normalerweise, sagt Horn, hätte die Jahreshauptversammlung Ende März stattgefunden, musste aber coronabedingt ausfallen.

Zu der Zeit war noch nichts über den Steuerskandal um Edgar Paul an die Öffentlichkeit gelangt. Seine Verurteilung wegen Untreue kam durch eine HNA-Berichterstattung im Februar dieses Jahres ans Licht. „Hätten wir damals die Versammlung gemacht, hätten wir die Pacht wohl um sechs Jahre verlängert“, sagt Bernd Horn.

Innerhalb der Forstgenossenschaft dürfte die Entscheidung für Entspannung sorgen. Denn am 9. April stehen die Vorstandswahlen an und der 69 Jahre alte Horn stellt sich nicht noch mal zur Wahl. „Es gab Stimmen, dass sich keiner für den Vorstand finden lassen würde, wenn Edgar Paul weiter pachten darf“, erklärt Horn.

Indes prüft die untere Waffenbehörde beim Landkreis Kassel, ob sie  dem Niester Bürgermeister wegen seiner Vorstrafe die Waffenbesitzkarten entziehen kann (wir berichteten). Dabei geht es um die Frage, ob Paul persönlich geeignet ist, Waffen zu besitzen. Die Besitzkarten – je eine für Lang- und eine für Kurzwaffen – sind wiederum Voraussetzung für einen Waffenschein. Laut Landkreissprecher Harald Kühlborn ist die Prüfung unabhängig von der Entscheidung der Forstgenossenschaft Nieste. Denn es „handelt sich um ein privatrechtliches Pachtverhältnis“. Laut Kühlborn läuft das Verfahren noch. „Wir müssen hier formal bestimmte Abläufe beachten, damit unsere Entscheidung dann rechtlich nicht zu beanstanden ist.“

Auch das Verfahren zur Beurlaubung Edgar Pauls bis zum Bürgerentscheid am 30. Mai laufe noch beim Landkreis. „Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe der Woche eine Entscheidung treffen können“, sagt der Sprecher.

Edgar Paul äußert sich ebenfalls zum Thema Jagdpacht: „Dass sie nicht verlängert werden würde, war schon klar.“ Die Pacht laufe bis zum 31. März, „dann werde ich das Revier ordentlich verlassen.“ Einen neuen Vertrag habe er nicht im Auge, sagt der 70-Jährige. Der Grund: „Ich arbeite mit jemandem zusammen, der zwei Reviere hat.“ Eines der Reviere grenze direkt an sein Grundstück an, erläutert Paul. Laut Bernd Horn handelt es sich bei dem Förster um einen Firmeninhaber aus Niestetal, jedoch nicht um einen Niester Forstgenossen.

Von Moritz Gorny

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