Nach Niester Bürgerentscheid

Politiker im Landkreis atmen auf: „Bürger honorieren Ehrlichkeit“

Gab am Sonntag seine Stimme ab: Der 20 Jahre alte Lasse Kunze beim Bürgerentscheid.
+
Gab am Sonntag seine Stimme ab: Der 20 Jahre alte Lasse Kunze beim Bürgerentscheid.

Das eindeutige Ergebnis des Bürgerentscheids zu Edgar Pauls Zukunft lässt nicht nur die Niester aufatmen.

Nieste – Bei der Kreis-SPD, den Bürgermeistern und dem Landkreis Kassel als übergeordneter Behörde sorgt die Abwahl Pauls ebenfalls für Erleichterung. Nachdem bekanntgeworden war, dass Paul wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldbuße verurteilt worden war, hatten ihm die Gemeindevertreter das Vertrauen entzogen und ein Abwahlverfahren gegen den Verwaltungschef eingeleitet.

78,92 Prozent der Wähler stimmten gegen Edgar Paul, bei einer Wahlbeteiligung von 63,69 Prozent.

Für Michael Steisel (SPD), Vorsitzender der Bürgermeister-Kreisversammlung, hat das Niester Ergebnis zwei positive Seiten. „Zum einen wird das Miteinander der Kommunen im Kasseler Osten deutlich erleichtert“, sagt der Sozialdemokrat, der auch Bürgermeister der Gemeinde Söhrewald ist. Mit Paul an Niestes Spitze hätten die Kommunen zwar weiterhin ihre Zusammenarbeit hinbekommen – „wir sind da professionell“, sagt Steisel. Aber es wäre nicht leicht gewesen nach Pauls Verfehlungen. „Das sorgt jetzt für Entlastung.“

Zum anderen sieht der Sprecher der Kreis-Bürgermeister eine moralische Ebene: Dass die Niester Bürger sich so eindeutig entschieden hätten, zeige, „dass sie Ehrlichkeit und Sauberkeit im Amt weiterhin honorieren“. Das mache Mut.

Besagte Ehrlichkeit habe Paul vermissen lassen, sagt auch Andreas Siebert. Laut dem Vorsitzenden des SPD-Unterbezirks Kassel-Land habe der 70-Jährige so nicht nur sich selbst geschadet, sondern ebenso der Gemeinde Nieste sowie der Kreis-SPD. „In der Öffentlichkeit wird nicht immer zwischen Einzelpersonen und der Partei, der sie angehören, unterschieden“, sagt Siebert. Umso wichtiger sei es für die Kreis-SPD vor dem Bürgerentscheid gewesen, klar Stellung zu beziehen. „So müsste eigentlich jedem bewusst geworden sein, was die Kreis-SPD von Edgar Pauls Verhalten hält.“ Und unterm Strich hätten die Bürger Pauls Verhalten mit ihrem Votum quittiert.

So sieht es auch Landrat Uwe Schmidt (SPD): „Das Ergebnis zeigt, dass die Bürger in Nieste wissen, was das Beste für ihre Gemeinde ist.“ Um Loyalitätskonflikte zwischen Paul und seinen Verwaltungsmitarbeitern zu vermeiden, hatte der Landkreis Kassel mit Schmidt an der Spitze Edgar Paul vom 27. März bis 4. Juni in den Zwangsurlaub geschickt. „Es war richtig, Edgar Paul zu beurlauben, da er so keinen Einfluss auf die Verwaltung der Gemeinde mehr nehmen konnte“, erläutert Schmidt. „Ich würde in einem vergleichbaren Fall, der hoffentlich im Landkreis nicht noch mal vorkommt, wieder genauso handeln.“

Von Moritz Gorny

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.