Landkreis hatte Besitzerin das Betreten der Gebäude verboten

Schandfleck-Haus in Nieste soll unter den Hammer kommen

+
Soll zwangsversteigert werden: das Grundstück mitsamt Haupthaus und Scheune an der Kaufunger Straße in Nieste. 

Das zugemüllte Grundstück mitsamt Gebäuden an der Kaufunger Straße in Nieste soll zwangsversteigert werden.

Das teilte der Sprecher des Amtsgerichts Kassel, Dr. Philipp Kleinherne, auf HNA-Anfrage mit. Nachdem der Landkreis Kassel der Besitzerin das Betreten der Gebäude auf dem Grundstück verboten hatte, soll jetzt das gesamte Areal mitsamt Bebauung unter den Hammer kommen. Der Grund: Im Februar hatte der Landkreis Kassel bereits einen Schuppen auf der Rückseite des Grundstücks abgerissen, der einsturzgefährdet war. Ein Gutachter stellte auch beim Haupthaus fest, dass es völlig marode und nicht mehr ausreichend standsicher ist.

Gutachten und Abriss kosteten rund 9000 Euro, die vom Landkreis vorgestreckt (eine sogenannte Ersatzvornahme) und ins Grundbuch eingetragen wurden. Die Besitzerin hatte nicht zahlen können. Im August wurde ihr zwingend empfohlen, die Gebäude abzureißen beziehungsweise das Grundstück zu verkaufen – was seitdem nicht geschah.

Besitzerin im Knebelvertrag

Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) hatte bereits damals Zweifel daran geäußert, dass die Besitzerin der Empfehlung des Landkreises nachkommt: „Die Dame ist weiterhin durch ihren Vater – den vorherigen Eigentümer – in einem Knebelvertrag gefangen.“

Um jetzt dennoch das Geld für die Ersatzvornahme zurückzubekommen, hatte der Landkreis beim Amtsgericht Kassel eine Zwangsversteigerung beantragt, die kürzlich auch beschlossen wurde, teilte Landkreissprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage mit.

„Der Beschluss wurde der Besitzerin mitgeteilt“, sagte Amtsgerichtssprecher Dr. Philipp Kleinherne. Dagegen könne die Frau juristisch vorgehen – bis zu zwei Wochen nachdem sie den Brief erhalten hat. Verkaufen dürfe sie jetzt allerdings nicht mehr, das sei ihr verboten.

Noch kein Termin

Wann das Grundstück nun tatsächlich unter den Hammer kommt, ist indes noch unklar. „Der Termin hängt davon ab, ob die Frau den Beschluss gerichtlich anficht und wie das dann ausgeht“, erklärte Kleinherne. Erst wenn dieser Prozess zugunsten des Landkreises abgeschlossen ist, könne vom Amtsgericht ein Versteigerungstermin festgelegt werden.

Dann wolle sich auch die Gemeinde Nieste einschalten. „Sobald der Brief mit dem Termin bei uns eintrudelt, werden wir wieder in diesem Fall aktiv“, sagte Niestes Bürgermeister Edgar Paul. „Wir wollen helfen, einen Interessenten für das Grundstück zu finden.“

Sicherlich nicht einfach. Schließlich wisse keiner ganz genau, was sich eigentlich in dem Haus befindet. Einiges aus dem „Messihaushalt“, wie Paul es nannte, habe er mithilfe von Aufräumkolonnen bereits entsorgen können.

An viele weitere Gegenstände seien aber selbst die Spezialisten nicht ohne Weiteres herangekommen, auch weil das Gebäude akut baufällig ist. Paul wagte eine Prognose: „Allein die Müllentsorgung könnte 30.000 bis 40.000 Euro kosten“, so der 67-Jährige.

Unter anderem steht auch in Vellmar ein heruntergekommenes Haus: Dieser Schandfleck wirkt wie ein Geisterhaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.