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Verletzter Schwarzstorch bei Nieste gefunden

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Von: Moritz Gorny

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Der Storch kurz nach dem Fund: Hier war er schon vom Weidezaun befreit worden.
Der Storch kurz nach dem Fund: Hier war er schon vom Weidezaun befreit worden. © Claudia Fink

In Nieste wurde ein verletzter Schwarzstorch gefunden. Ein Weidezaun war dem seltenen Tier zum Verhängnis geworden. Experten richten den Appell an Flächenbesitzer, Zäune zu pflegen.

Nieste – Manchmal ist der Urlaub aufregender als das Arbeitsleben. Statt Entspannung hat Claudia Fink kürzlich eine Achterbahnfahrt in ihrer freien Zeit erlebt. Grund dafür war ein verletzter Schwarzstorch. Das seltene Tier hatte sich offenbar bei Nieste in einem Weidezaun verheddert und war von Spaziergängern gefunden worden. Fink schlug sich mit einem Helfer die Nacht um die Ohren, um den Jungvogel zu retten. Wir erzählen, was passiert ist und lassen Experten zu Wort kommen, die einen Appell an Weidebesitzer richten.

Es ist Donnerstagabend gegen 21 Uhr, als der Storch bei Nieste entdeckt wird. Nach einem Anruf fahren Naturschützerin Fink und ihr Helfer zu dem Fundort. Der Flügel des Tieres ist mit Weidezaun umwickelt und verletzt, auch am Kopf hat der Schwarzstorch eine Wunde. „Wir haben ihn befreit und in eine Decke gehüllt“, sagt Fink. Währenddessen erreichen sie einen Tierarzt, der ihnen rät, einen Flugversuch mit dem Schwarzstorch zu unternehmen.

Nachdem dieser scheitert, melden sie sich bei der Tierklinik Kaufungen wegen einer Untersuchung. Hier heißt es laut Fink aber, man habe keinen Wildvogelspezialisten. Also muss ein Nachtlager für das Tier gefunden werden. Ein Hühnerstall oder ein anderer Platz im Ort kommen nicht infrage, die sind belegt, wie sich nach Telefonaten auch mit dem Revierförster herausstellt. Mittlerweile ist es Mitternacht. Also fällen Fink und ihr Helfer die Entscheidung, das Tier mitsamt warmer Decke in der heimischen Dusche unterzubringen. „Nachts lag der Schwarzstorch in der Decke, am kommenden Morgen stand er wieder“, sagt die Niesterin. Das lässt hoffen.

Telefonate mit Andrea Krüger-Wiegand von der Storchenstation Wabern und der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Kassel am nächsten Morgen geben Aufschluss über nächste Schritte. Fink und ihr Helfer bringen das Tier in die Vogelklinik Gießen. Nach einer Untersuchung folgt die Nachricht: Die Verletzungen des Schwarzstorches sind zu schwer, das Tier wird eingeschläfert.

Die Weidezaunreste vom Schwarzstorchflügel.
Die Weidezaunreste vom Schwarzstorchflügel. © Fink

„Das hat uns mitgenommen“, sagt Fink. „Wir haben alles versucht und trotzdem hat es nicht gereicht.“ Die Niesterin ist vor allem enttäuscht, weil sich der Vorfall hätte vermeiden lassen. Offenbar habe jemand seinen Weidezaun nicht richtig angebracht oder nicht gepflegt, sodass sich das Tier schließlich darin verheddert hat.

Auch Storchenexpertin Andrea Krüger-Wiegand weiß um das Problem. „Es kommt immer wieder vor, dass Weidezäune oder Drähte zu lose angebracht sind, oder aber einfach auf der Weide liegen gelassen werden.“ Das sei gefährlich für Störche, aber auch für Eulen und Uhus. „Ein Weißstorch ist dadurch auf einer Pferdekoppel ums Leben gekommen.“

Axel Krügener vom RP Kassel lobt das Engagement von Claudia Fink und ihrem Helfer. „Sie haben sich richtig verhalten, indem sie bei der Storchenstation angerufen haben.“ Auch der Ansprechpartner für Schutzgebiete in Stadt und Kreis Kassel weiß um die Problematik rund um Weidezäune: „Es ist wichtig, dass die Barrieren richtig aufgebaut sind und wieder entfernt werden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.“

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