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135 Grad heiße Stromseile: Tennet will Leitungen fit für Energiewende machen

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Von: Boris Naumann

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Mit neuen Hochtemperaturseilen soll nach Abschluss des Trassenbaus für Wahle-Mecklar im Jahr 2024 nun auch die seit schon 55 Jahren bestehende Stromtrasse Landsbergen-Borken für die Energiewende aufgerüstet werden. Die Trasse führt wie Wahle-Mecklar auch östlich an Kassel vorbei. Der Bau einer neuen komplett neuen Trasse wird dabei nicht erforderlich sein.
Mit neuen Hochtemperaturseilen soll nach Abschluss des Trassenbaus für Wahle-Mecklar im Jahr 2024 nun auch die seit schon 55 Jahren bestehende Stromtrasse Landsbergen-Borken für die Energiewende aufgerüstet werden. Die Trasse führt wie Wahle-Mecklar auch östlich an Kassel vorbei. Der Bau einer neuen komplett neuen Trasse wird dabei nicht erforderlich sein. © Tennet

Die neue 380 Kilovolt-Stromtrasse Wahle- Mecklar ist noch nicht fertig, da arbeitet der Übertragungsnetzbetreiber Tennet schon an seinem nächsten Projekt. Er plant die Aufrüstung der Überlandleitung Landesbergen-Borken.

Kreis Kassel – Diesmal geht es um die bereits bestehende 216 Kilometer lange Überlandleitung Landesbergen-Borken, die sich ebenso wie Wahle-Mecklar östlich an Kassel vorbei von Nord nach Süd durch die Gemeinden Niestetal, Kaufungen, Lohfelden und Söhrewald zieht. Die Umspannwerke am Sandershäuser Berg und in Bergshausen werden mit Strom versorgt – und das seit Ende der 60er-Jahre.

Im Kern geht es darum, auch diese Leitung fit für die Energiewende zu machen. „Dabei wollen wir keine neue Trasse bauen – so wie bei Wahle-Mecklar. Wir wollen die schon bestehende alte Leitung einfach nur aufrüsten“, sagt Tennet-Sprecherin Anna-Luisa Rodenbeck. Der Bau neuer Strommasten wie im vergangenen Jahr für Wahle-Mecklar fällt somit komplett weg. Stattdessen werden an die bestehenden Strommasten einfach nur neue Stromseile gehängt.

Was zunächst banal kling, ist technisch jedoch eine Herausforderung. Denn nach der Umrüstung sollen nicht mehr nur 2600 Ampere durch die Seile fließen, sondern dann 4000.

Ein normales Stromseil wäre für diese Mehrbelastung nicht geeignet. Deshalb müssen neue, mit dem Material „Stalum“ verstärkte Seile aus Stahl und Aluminium eingesetzt werden. Damit wird das Stromseil mit 21,8 Millimetern Durchmesser zwar nicht dicker und auch nicht schwerer (941 Kilogramm pro Kilometer). „Aber es kann mit deutlich höherer Temperatur betrieben werden“, sagt Rodenbeck. „Statt der gewöhnlichen 80 Grad Celsius werden die Stromseile nun 135 Grad Celsius heiß. Erst durch diese hohe Temperatur lässt sich die höhere Leistung von 4000 Ampere übertragen.“ Langfristig werde sich das als neuer Standard in der Übertragung von Strom etablieren.

Doch selbst bei dieser hohen Leistung würden Grenzwerte mit Blick auf magnetische und elektrische Felder „immer noch deutlich unterschritten“, sagt Rodenstock. Beim elektrischen Feld tue sich gar nichts, weil das abhängig von der Spannung sei. „Und die bleibt mit 380 Kilovolt beim alten Wert.“

Die Planungen für die Aufrüstung der Überlandleitung Landesbergen-Borken stecken noch ganz in den Anfängen. So ist aktuell noch nicht einmal klar, ob auf eine Bundesfachplanung verzichtet werden kann (Raumordnungsverfahren). Einen Antrag dazu wird Tennet erst im Laufe dieses Jahres an die Bundesnetzagentur richten können. Ohne dieses länderübergreifende Verfahren ließen sich weitere Genehmigungsschritte beschleunigen.

In diesem Fall könnte schon Anfang 2024 das Planfeststellungsverfahren starten. Geplant sind vier Leitungsabschnitte mit jeweils zwei bis drei Baulosen. Der Bereich Kassel liegt zwischen den beiden Leitungsabschnitten Würgassen-Bergshausen und Bergshausen-Borken.

„Den Baubeginn im ersten Abschnitt Landesbergen-Grohnde visieren wir für 2026/2027 an“, sagt Rodenstock. Die Bauzeit betrage je Abschnitt etwa zwei bis drei Jahre. „Wann alles fertig ist, ist daher noch nicht klar.“

Wie Wahle-Mecklar dient auch die aufgerüstete Leitung Landesbergen-Borken der Energiewende. „In Niedersachsen wird künftig mehr Windenergie ins Netz eingespeist“, erklärt Rodenstock. „Gleichzeitig belasten immer höhere Leistungsflüsse das bestehende Netz.“ Im Grunde gehe es also um die Erhöhung der Übertragungskapazität, Netzstabilität und der Versorgungssicherheit in Niedersachsen und Hessen.

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