30 Jahre Mauerfall

Enge Freundschaft seit der Wende - Niestetalerin erzählt von Begegnung mit Eisenachern

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Eine ihrer besten Freundschaften hat Ute Höhmann aus Niestetal-Sandershausen der Grenzöffnung vor 30 Jahren zu verdanken. In der Hand hält sie Erinnerungen an gemeinsame Reisen mit den befreundeten Eheleuten Kehr aus Eisenach. Das alte Grenzschild links hing früher in Altenburschla, ihrem Geburtsort.

Noch heute leuchten Ute Höhmanns Augen, wenn sie von den ersten Begegnungen mit Helga und Siegfried Kehr aus Eisenach erzählt. Es war kurz nach der Grenzöffnung.

Niestetal– Sie begegneten sich Ende November 1989, mitten in Altenburschla an der Werra. Ute Höhmann, selbst dort geboren – heute lebt sie in Sandershausen –, war damals 49 Jahre alt. Sie hatte ihre Mutter besucht und fegte den Gehweg.

„Da kam der Siegfried vorbei, auch um die 50, aus Eisenach. Er fragte nach einigen Groschen, weil er mal im Gasthaus auf die Toilette musste“, erzählt Höhmann.

Die Worte „aus Eisenach“ hätten bei ihr eingeschlagen wie eine Bombe. „Da war tatsächlich jemand von drüben nach Altenburschla gekommen, um sich den Westen anzusehen“, schildert Höhmann. Natürlich habe sie Siegfried Kehr aus Eisenach kein Geld gegeben – sondern ihn direkt ins Haus der Mutter gebeten. „Wir kamen sofort ins Plaudern, meine Mutter bot Waffeln und Kaffee an.“ Er erzählte von Eisenach und seinen Erlebnissen von der Grenzöffnung. Dann musste er schon wieder los. „Wir tauschten die Adressen aus – und damit war der Grundstein für eine großartige Freundschaft gelegt.“

Siegfried und Helga Kehr aus Eisenach lernten im Wendejahr Ute und Gerhard Höhman aus Niestetal kennen. Seit 30 Jahren treffen sich die beiden Ehepaare regelmäßig. 

Sie erinnert sich noch gut an „diese ganz besondere Zeit“ unmittelbar nach der Grenzöffnung vor drei Jahrzehnten. „Wir waren alle sehr euphorisch. Die Grenze in Altenburschla war ja direkt durch die Werra gegangen. Meine ganze Kindheit und Jugend war davon geprägt, vor allem nach dem Bau der Grenzbefestigungen in den 1960er-Jahren. Davor sind wir ja noch durch die Werra rüber in den Osten geschwommen, um dort Karotten vom Acker zu stibitzen.“

Keine zwei Monate nach der ersten Begegnung mit Siegfried Kehr in Altenburschla trafen sich die Ehepaare Höhmann und Kehr zum ersten Mal. „Die Besuche gingen immer abwechselnd hin und her, mal waren wir in Eisenach, mal kamen die Kehrs nach Niestetal und Kassel. Jedes Treffen war irre interessant. Jede Seite erzählte vom Leben im Osten und im Westen.“

Schier überwältigt seien die Kehrs gewesen, als sie das erste Mal die Kasseler Innenstadt gesehen hätten – all die Geschäfte und natürlich auch den großen Max-Bahr-Baumarkt in Bettenhausen. „Für Helga Kehr war es immer ein großer Wunsch gewesen, mal nach Kassel zu kommen. Denn schon als Kind hatte sie eine Postkarte vom Herkules in ihrem Zimmer hängen.“

Die Jahre vergingen, die Höhmanns und Kehrs trafen sich zu Geburtstagen und unternahmen zusammen viele Reisen und Urlaube – so lernten die Kehrs den Westen kennen und die Höhmanns die Wartburg, die Insel Rügen, das Elbsandstein-Gebirge, die Hohe Tatra in Polen und noch vieles mehr. „Solche Treffen machen wir immer noch“, sagt Ute Höhmann – „seit 30 Jahren“.

Für Höhmann ist die Freundschaft mit den Kehrs eines der wertvollsten Geschenke in ihrem Leben überhaupt. „Wir führen nach wie vor viele Gespräche, stets mit Respekt vor dem Leben der anderen. Sie war und ist immer noch ein echter Gewinn – für beide Seiten.“

Auch die Fuldabrückerin Ina Spilker berichtet von ihren Erfahrungen zum Mauerfall  - der Start in ihr neues Leben begann mit einem Schock.

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