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Die Nieste fließt in Niestetal wieder ein Stück wilder

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Von: Boris Naumann

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Der neue Lauf der Nieste in Niestetal.
Mäander und Inseln: So sieht der neue Niestelauf östlich der A 7 sowie der Herman-Scheer-Straße (beide hinten im Bild) aus. Am rechten Bildrand schließt sich der Überschwemmungsbereich an. © Boris Naumann

Die Nieste ist wieder ein Stück wilder geworden: Die Bauarbeiten zur Renaturierung der Nieste sind nun nach nur zweieinhalb Monaten abgeschlossen.

Niestatal. Für den Bach wurde östlich der Hermann-Scheer-Straße zwischen A 7-Brücke und Heiligenrode ein neues, naturnahes Flussbett angelegt. Fortan fließt die Nieste auf einer Strecke von etwa 250 Metern nicht mehr gradlinig und tief eingeschnitten durch die Talwiese. Mit einem schweren Bagger war in den vergangenen Wochen direkt daneben ein komplett neues Bachbett ausgehoben worden.

Es zieht sich nunmehr mit vielen Kurven und Schleifen, sogenannten Mäandern, durch das Gelände. Hier und da wurden einige Inseln im Bachbett aufgeschüttet, zudem die Uferbereiche sorgfältig modelliert. So weist die Nieste im neuen Abschnitt nun auch steile Uferzonen (Prallhänge) und flache Uferbereiche (Gleithänge) auf. „Das Ganze sieht jetzt schon sehr nach einem natürlichen Fließgewässer aus“, erklärt Axel Sobirey von der beauftragten Kasseler Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Gewässerökologie und Umweltplanung (kurz Wagu).

Ufer sind noch kahl

Zwar wächst rechts und links des Ufers noch nichts – lediglich eine Weide wurde bislang gepflanzt. Doch werden nur wenige Jahre vergehen, bis auch weitere wasserliebende Bäume, so auch Schwarzerlen und Schwarzpappeln, mannshoch das Ufer säumen werden.

„Auch ist jetzt noch nicht klar, ob die Nieste exakt den vorgegebenen Bachlauf annehmen wird“, sagt Sobirey. Die Nieste werde auf ihre Weise das neue Bachbett annehmen. „Vielleicht wird noch eine Insel weggespült und woanders wieder abgelagert, oder es wird noch irgendwo ein Mäander etwas vergrößert.“ Das alles sei aber nicht dramatisch. Die Talwiese zwischen A 7-Brücke und Heiligenrode biete für solche dynamischen Prozesse Platz genug.

Überschwemmungsfläche für Hochwasser

Angelegt wurde zudem eine Überschwemmungsfläche, die ebenfalls aussieht wie ein Bachbett, aber nur bei Hochwasser volläuft. Dieses Bachbett wurde direkt mit einem kleinen Flutbecken direkt an der Hermann-Scheer-Straße verbunden, das schon angelegt worden war. „Denn auch darum geht es bei diesem Projekt“, erklärt Sobirey, „dass nämlich Renaturierung und Hochwasserschutz miteinander Hand in Hand gehen.“ Insgesamt seien durch die Renaturierung 5500 Kubikmeter Flut-raum geschaffen worden. Damit werde Wasser zurückgehalten und hohe Flutspitzen werden abgesenkt.

Derweil bleibt der alte Niestelauf erhalten. Er wurde zuletzt mit kleinen Dämmen verplombt, sodass dort kleine Stillgewässer als zusätzliche Biotope entstehen werden. Wie bei der Überschwemmungsfläche werden auch diese Stillwasserbereiche nur bei Hochwasser mit neuem Wasser aufgefrischt. Auch damit werden wieder neue Lebensräume für ganz bestimmte Tier- und Pflanzenarten geschaffen.

Biber wird erwartet

Mit der Renaturierung der Nieste in diesem Bereich wird die bereits 2014 angelegte, rund 71 000 Quadratmeter große Niesteaue gegenüber dem Rathaus um eine weitere, etwa 12 000 Quadratmeter große Fläche erweitert. Es ist zu vermuten, dass auch dieser Bereich in einigen Jahren vom Biber besiedelt wird. Aktuell sorgt ein Biberpaar gegenüber dem Rathaus für Aufregung. Der Biberdamm hat bereits für einen überfluteten Garten gesorgt. Die Gemeinde arbeitet aktuell an einer Lösung, die dem Biber, den Anwohnern und dem Hochwasserschutz gerecht werden soll. „Weil das neue Areal jenseits der Autobahnbrücke nicht direkt im Siedlungsbereich liegt, dürfte ein Biber dort viel weniger auffallen“, sagt Bürgermeister Marcel Brückmann.

Das Land fördert das Projekt mit 350 000 Euro. Für den Eigenanteil der Gemeinde Niestetal (110 000 Euro) wurde die Anerkennung von Biotopwertpunkten beantragt. Diese Biotopwertpunkte können später für die Kompensation von Bauvorhaben zum Beispiel im Gewerbegebiet Sandershäuser Berg eingesetzt werden. Weitere Renaturierungen entlang der Nieste sind noch bis rauf nach Uschlag geplant. (Boris Naumann)

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