Landstraße in Sandershausen

Drei Verdachtspunkte: In Niestetal den Blindgängern auf der Spur

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Auf Blindgänger-Suche: Arnold Reiner sucht für Hessen Mobil die Landstraße 562 zwischen Niestetal-Sandershausen und der Landesgrenze mit einem Magnetometer ab. Hessen Mobil will die Straße im kommenden Jahr komplett sanieren, doch gilt der Bereich als Bombenabwurfgebiet. Überall könnten noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden schlummern.

Die Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg entlang der Landstraße 562 zwischen Niestetal-Sandershausen und der Landesgrenze zu Niedersachsen ist in vollem Gange.

„Das Scannen des Bodens mit Hilfe von sogenannten Magnetometern ist inzwischen abgeschlossen“, sagt Arnold Reiner, Chef der Abteilung Kampfmittelsondierung bei der Firma Biber-Haus mit Sitz in St. Georgen (Schwarzwald). „Jetzt geht es an die Auswertung der Daten. Tauchen Verdachtspunkte auf, werden sie im November genauer unter die Lupe genommen.“

Seit Anfang Oktober suchen Arnold Reiner und seine Kollegen nun schon nach gefährlichen Hinterlassenschaften im Boden direkt unter sowie jeweils drei Meter rechts und links der Straße. Die Landstraße 562 soll bekanntlich im kommenden Jahr über eine Strecke von 2,6 Kilometern komplett saniert werden.

Luftangriffe auf Niestetal

Tatsächlich gilt dieser Bereich als Bombenabwurfgebiet. In den Jahren 1940 bis 1944 erlebte Niestetal insgesamt fünf Luftangriffe, die überall ihre Spuren hinterlassen haben. Der Angriff vom 3. Oktober 1943 durch britische Bomber, der eigentlich Kassel treffen sollte, erwischte Sandershausen besonders hart. Unzählige Spreng- und Brandbomben prasselten damals auf das Dorf und das Umland nieder.

„Es gibt Luftbilder aus der Nachkriegszeit, die deutlich jede Menge Bombentrichter in und rund um Sandershausen zeigen“, sagt René Bennert vom Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen.

Und dort, wo Bombentrichter zu sehen sind, müssen immer auch Blindgänger vermutet werden. Denn keinesfalls explodierte jeder der abgeworfenen Sprengsätze. „Bis zu 30 Prozent aller abgeworfenen Bomben explodierten nicht“, sagt Bennert. Daher sei es Pflicht, in Bombenabwurfgebieten eine Sondierung vorzunehmen, bevor dort ein Bauvorhaben angestoßen werde.

Sicher ist: Verdachtspunkte für Blindgänger gibt es schon jetzt entlang der Landstraße 562. Etwa in Höhe des Umspannwerkes könnten noch drei Bomben im Boden liegen. „Das ergibt die Luftbildauswertung durch das RP Darmstadt“, sagt Reiner. Erkennen ließe sich das zum Beispiel an der Anordnung von Bomben-trichtern. Liegen die Trichter in einer Reihe, fehlt aber in dieser Reihe ein Einschlag, könnte dort immer noch ein Blindgänger liegen.

„An diesen Stellen müssen wir in jedem Fall genauer nachsehen“, sagt Reiner. „Hinzukommen all jene Verdachtspunkte, die sich nun zusätzlich durch unsere Untersuchung ergeben haben.“

Grundsätzlich müssen Verdachtspunkte deutlich vorsichtiger geprüft werden. So werden um die entsprechenden Punkte herum drei Löcher gebohrt, in die dann Messgeräte eingeführt werden. „So können wir ein dreidimensionales Bild von dem Gegenstand im Boden erzeugen“, sagt Reiner. „Doch erst, wenn es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einem Blindgänger handelt, wird der Kampfmittelräumdienst des RP Darmstadt gerufen.“

Ob es dazu kommt, ist zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen. „Wir werden erst in zwei bis drei Wochen mehr wissen.“

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An dieser Stelle in Niestetal wird nach weiteren Bomben gesucht

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