Unternehmer Kai Ullrich erhält kaum Bewerbungen

Fehlender Nachwuchs bereitet Baubranche in Stadt und Landkreis Kassel große Sorgen

Bauunternehmer Kai Ullrich steht vor einem Baumaschinenfahrzeug. 
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Die Nachwuchssorgen sind groß: In der Firma von Bauunternehmer Kai Ullrich ist momentan nur ein Ausbildungsplatz vergeben.

In der Baubranche wird es immer schwieriger, Auszubildende zu finden. Wie es um den Fachkräftemangel bestellt ist, berichtet Kai Ullrich aus Niestetal, Geschäftsführer bei UllrichBau.

Jedes Mal, wenn bei Kai Ullrich eine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz auf dem Schreibtisch landet, hofft der Geschäftsführer von UllrichBau aus Niestetal, dass es sich bei dem Bewerber um einen jungen Menschen handelt, der handwerklich talentiert ist und sich für die Baubranche begeistert. „Das sind die wichtigsten Voraussetzungen, um bei uns einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, sagt der Bauunternehmer, der einen Realschulabschluss bei der Bewerbung für vorteilhaft, aber nicht zwingend hält.

Doch so sehr sich Ullrich über Bewerbungen freut, viele erhält er nicht. Junge Menschen, die in der Baubranche arbeiten wollen, sind auch in Niestetal rar. „Da geht es uns wie allen anderen auch. Es wird immer schwieriger, die Ausbildungsplätze adäquat zu besetzen.“, sagt Ullrich.

Der 52-Jährige beschäftigt knapp 30 gewerbliche Mitarbeiter, bildet pro Lehrjahr bis zu zwei Jugendliche zu Hochbaufacharbeitern aus. Aktuell gebe es bei UllrichBau jedoch nur einen Auszubildenden.

„Der andere Lehrling hat leider keine zwei Wochen durchgehalten und seine Ausbildung wieder abgebrochen“, erzählt Ullrich.

Die Arbeit auf dem Bau sei sicherlich nicht einfach, das Image der Baubranche zudem schon seit Jahren schlecht: „Die Leute denken, auf dem Bau ist es laut, dreckig, mal zu warm, mal zu kalt. Klar muss man bei Wind und Wetter draußen arbeiten. Aber der Beruf bietet auch tolle Möglichkeiten, um kreativ zu werden, und ist sehr abwechslungsreich“, wirbt Ullrich für die Arbeit am Bau. Um den Nachwuchssorgen entgegenzuwirken, sei es wichtig, dass das Image des Handwerks weiter angehoben werde.

Ullrich selbst versucht junge Menschen vor allem über Schulpraktika für sein Bauunternehmen zu begeistern. „Die Jugendlichen finden heraus, ob ihnen die Arbeit am Bau Spaß macht und wir haben potenzielle Lehrlinge direkt kennengelernt. Die Praxis ist das Wichtigste“, sagt er. Auch beim Arbeitsamt habe Ullrich offene Stellen gemeldet, Rückmeldungen erhalte er jedoch kaum: „Ich glaube, eines der Grundprobleme ist, dass in Deutschland häufig darauf gedrängt wird, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Diese Leute gehen dann eben nicht an den Bau.“

Für Ullrich könnten ausbleibenden Bewerbungen auf Ausbildungsplätze schon bald zum Problem werden: Die Belegschaft wird immer älter, junge Mitarbeiter kommen kaum nach. „Ich bin sicher, dass wir momentan nur die Spitze des Eisbergs sehen. Langfristig wird der Fachkräftemangel sicher zum Risiko für die gesamte Branche“, prophezeit der Bauunternehmer.

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