1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel
  4. Niestetal

Gibt es bald Biber-Nachwuchs in Niestetal?

Erstellt:

Von: Boris Naumann

Kommentare

Alles spricht dafür, dass in diesem Frühjahr auch in Niestetal junge Biber zur Welt kommen. Unser Bild zeigt ein Jungtier an der Fulda bei Bad Hersfeld.
Alles spricht dafür, dass in diesem Frühjahr auch in Niestetal junge Biber zur Welt kommen. Unser Bild zeigt ein Jungtier an der Fulda bei Bad Hersfeld. © Marko König

Der Nager hat in der Niesteaue eine Biberburg und weitere Dämme errichtet. Experten rechnen damit, dass er dort bald Nachwuchs großzieht.

Niestetal – Gut anderthalb Jahre ist es her, dass sich der erste Biber mitten in Niestetal im Areal der 2014 renaturierten Aue direkt gegenüber dem Rathaus niedergelassen hat. „Und es geht ihm gut“, sagt Rory Brückmann vom Nabu Niestetal. Seit vielen Monaten schon beobachtet er das rege Treiben des Nagers.

„Es geht ihm sogar so gut, dass er mittlerweile vier weitere Dämme gebaut hat. Auch wurde inzwischen eine Biberburg errichtet“, erklärt der Naturschützer. Die Burg sei erst in den vergangenen Wochen entstanden – sie ist ein anderthalb Meter hoher Haufen aus Ästen und Lehm, der ebenso unauffällig wie unerreichbar mitten im Wasser zwischen überfluteten Weiden steht.

„Es hat tatsächlich eine Weile gedauert, bis der Biber für seinen Bau die ideale Stelle gefunden hat“, sagt Brückmann. Dafür hat er ein System aus Dämmen angelegt, die garantieren, dass der Eingang zur Biberburg zum Schutz vor Feinden stets unter Wasser liegt – vor allem dann, wenn in der Burg Nachwuchs großgezogen wird.

So mag’s der Biber: Wasser überall und mittendrin umgenagte Bäume. Das größte Nagetier Europas ist ein Meister darin, die Umgebung an seine Bedürfnisse anzupassen. Viele andere Tierarten profitieren davon, wie die Bekassine, ein seltener Schnepfenvogel. Das Niestetaler Rathaus ist keine 200 Meter von dieser Stelle entfernt.
So mag’s der Biber: Wasser überall und mittendrin umgenagte Bäume. Das größte Nagetier Europas ist ein Meister darin, die Umgebung an seine Bedürfnisse anzupassen. Viele andere Tierarten profitieren davon, wie die Bekassine, ein seltener Schnepfenvogel. Das Niestetaler Rathaus ist keine 200 Meter von dieser Stelle entfernt. © Boris Naumann

„Denn davon können wir jetzt bald ausgehen“, ergänzt Carolin Bräuer, die Biberbeauftragte des Regierungspräsidiums Kassel. Die Existenz einer Biberburg deute klar darauf hin, dass in Niestetal inzwischen ein Biberpaar lebe. „Es ist damit zu rechnen, dass im April oder Mai in Niestetal die ersten Biber-Jungtiere zur Welt kommen.“

Bis zu vier können es werden, sagt Bräuer. Gut zwei Jahre bleiben sie bei ihren Eltern. „In dieser Zeit bekommen sie alles beigebracht, was man für ein Biber-Leben braucht – vom Schwimmen bis hin zum Bäumeumnagen. Erst dann machen sie sich auf den Weg, um sich ein eigenes Revier zu suchen.“ Gut möglich, dass dann jener Flussabschnitt der Nieste besiedelt wird, der derzeit weiter oberhalb der Autobahnbrücke renaturiert wird.

Carolin Bräuer, Biberbeauftragte des RP Kassel, und Rory Brückmann vom Nabu Niestetal beobachten regelmäßig das Treiben des Bibers in Niestetal.
Carolin Bräuer, Biberbeauftragte des RP Kassel, und Rory Brückmann vom Nabu Niestetal beobachten regelmäßig das Treiben des Bibers in Niestetal. © Boris Naumann

Brückmann ist fasziniert davon, wie der Biber als Landschaftsgestalter in Erscheinung tritt. So hatte der Biber in Niestetal schon kurz nach seiner Ankunft im August 2021 die Nieste mithilfe eines Damms so umgelenkt, dass der Fluss sich bis zu 20 Meter breit über die große Wiese neben dem Altlauf ergoss, um dann 100 Meter weiter wieder ins alte Flussbett zurückzufinden. Bis heute ist die Situation so geblieben.

Zusätzlich hat der Biber nun weitere Abschnitte unterhalb des ersten Damms aufgestaut – dort, wo er nun auch seine Burg gebaut hat. Tatsächlich war wegen dieser neuen Dämme bereits im Herbst 2022 das Wasser über die Ufer getreten. Diesmal lief das Wasser über den angrenzenden Schotterweg bis hin zum Parkplatz des Naturerlebnisbads.

Die Gemeinde reagierte darauf mit dem Aushub eines etwa 70 Meter langen Grabens parallel zur Nieste, der wie ein Bypass übertretendes Wasser auffängt und wieder zurück in die Nieste befördert, bevor es den Parkplatz zum Naturbad erreicht.

„Aktuell haben wir wieder solch eine Situation – allerdings jetzt mit Bypass“, erklärt Bräuer. Die vergangenen Regentage hätten für ein Ansteigen des Niestepegels gesorgt. Brückmann wirbt um Verständnis: „Wir wissen natürlich auch, dass viele Menschen die Aue lieben und dort gerne spazieren gehen. Und natürlich ist ein gefluteter Schotterweg dann ein unüberwindbares Hindernis. Doch ist die gesamte Aue immer noch ein Überflutungsraum, der mit Wasser vollaufen darf. Das sollte nicht vergessen werden.“

Auch Bräuer sieht trotz des gefluteten Weges noch kein Problem heraufziehen. „Vom Biber geht keine Hochwassergefahr aus“, sagt Bräuer. Im Gegenteil: Der Biberdamm sorge für die Abschwächung von Hochwasserspitzen und zugleich für eine effektive Verteilung des Wassers im Auebereich. „Damit erhöht sich die Versickerungsrate des Wassers und auch die Fließgeschwindigkeit reduziert sich. Beides trägt zum Hochwasserschutz bei.“

Auch interessant

Kommentare