Nach Flutkatastrophe

Hilfe für das Ahrtal: Niestetaler organisiert Transporte

Ein Mann reicht einem anderen Mann ein Paket von der Ladefläche eines Lastwagens entgegen.
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Volle Ladung: Konstantin Keil belädt den Lkw mit Baumaterialien für das Ahrtal, da fasst auch Eugen Konradi, Prokurist der Firma Baustoffmarkt Walter, kurz mit an.

Am Anfang standen die Bilder der Verwüstung aus dem Ahrtal und eine Idee. Daraus sind jetzt schon fünf Fahrten in das nach der Flutkatastrophe zerstörte Gebiet geworden.

Niestetal/Kassel – Konstantin Keil, Transportunternehmer aus Niestetal, hatten die Berichte aus dem Flutgebiet schockiert. „Ich habe gedacht, wenn es einem selbst gut geht, dann muss man da helfen“, sagt der 40-Jährige. Fünfmal ist Keil, teilweise auch zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sandra Elstermann, schon die 280 Kilometer nach Walporzheim, Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, gefahren und hat mit angepackt.

Konstantin Keil

Die letzte Fahrt machte Keil mit einem 18-Tonner-Lkw voll mit Baumaterial Richtung Ahrtal. Der Niestetaler hatte in seiner Firma KK-Transporte unter den Mitarbeitern gesammelt und den Betrag verzehnfacht. Und er ging mit seiner Idee zu Wolf-H. Walter, einem der Geschäftsführer des Baustoffmarkts Walter in Kassel. Der legte noch ordentlich dazu, so kam eine mittlere vierstellige Summe zusammen. Mit der kaufte man dann zu guten Preisen bei der Firma Walter ein. „Wir haben uns da gerne beteiligt“, sagt der Prokurist der Firma Walter, Eugen Konradi. Acht Tonnen Baumaterial wurden insgesamt geladen, dazu die von Kellner Hausgeräte aus Kaufungen gestifteten Elektrogeräte wie Gefrierkombi, Toaster oder Kaffeemaschine.

Sandra Elstermann

„Es fehlt praktisch an allem“, sagt Sandra Elstermann. „Es ist ja alles weg, was die Leute dort mal hatten.“ Von der Normalität sei man im Ahrtal noch weit entfernt.

Als Keil und Elstermann die Bilder der Verwüstung im Fernsehen gesehen hatten, kamen ihnen die Ortsnamen bekannt vor. „Da waren wir schon privat“, sagt Keil. „Und dann kam die Idee, da helfen wir.“ Und jedes Mal, wenn die Nordhessen dort unten waren, gab es genug zu tun. „Ich kenne ja keinen Krieg“, sagt Keil. „Aber als ich das erste Mal im Ahrtal war, dachte ich, so sieht es nach einem Krieg aus.“

Volle Ladung: Konstantin Keil belädt den Lkw mit Baumaterialien für das Ahrtal, da fasst auch Eugen Konradi, Prokurist der Firma Baustoffmarkt Walter, kurz mit an.

Arbeit für freiwillige Helfer ist reichlich vorhanden. Konstantin Keil hat zum Beispiel beim Entkernen eines Hauses geholfen. Oder hat mit einem Lkw die wegen der ausgelaufenen Tanks ölverseuchte Erde aus Gärten und Vorgärten weggefahren. Sandra Elstermann hilft in den Zelten, in denen die gespendeten Waren gelagert werden. „Die Verteilung der Sachen ist ganz gut strukturiert“, sagt Keil. Und Elstermann fügt hinzu: „Es kommt alles da an, wo es auch hingehört.“ Manchmal ist es auch nur ein freundliches Wort oder ein kurzes Gespräch, was den Betroffenen hilft.

Große Sorgen machen den Betroffenen und ihren Helfern die Plünderer. Immer wieder kommen wichtige Sachen weg. So berichtete einer der Helfer: „Ich war drinnen am Arbeiten, plötzlich war kein Strom mehr da. Ich dachte, der Generator draußen hätte keinen Sprit mehr. Aber als ich rauskam, war der ganze Generator weg.“

Überflutung und Zerstörung: Die Flut-Katastrophe hat viele private und berufliche Existenzen zerstört.

Was immer noch dringend gebraucht wird, sind Baumaterialien und vor allem Handwerker, damit Strom, Gas oder Wasser ordnungsgemäß angeschlossen werden können. Deswegen haben Sandra Elstermann und Konstantin Keil eine E-Mail-Adresse eingerichtet, unter der sich Unterstützer und Spender von neuwertigen Waren und Baustoffen melden können. Und selbst weiter runterfahren werden sie natürlich auch noch, um zu helfen.

Kontakt: per E-Mail an Hilfstransport-ahrtal@gmx.de

Von Peter Fritschler

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