Vater sieht ÖPNV in der Pflicht

Niestetaler beklagt zu lange Fahrzeiten für Schüler

Bis zu 139 Minuten per ÖPNV zur Schule und zurück gelten in Hessen für Schüler als zumutbar. Ein Niestetaler Vater zweier Kinder sieht das anders. „Die Schüler verbringen viel zu viel Zeit in Bussen und Bahnen.“ Archiv
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Bis zu 139 Minuten per ÖPNV zur Schule und zurück gelten in Hessen für Schüler als zumutbar. Ein Niestetaler Vater zweier Kinder sieht das anders. „Die Schüler verbringen viel zu viel Zeit in Bussen und Bahnen.“

Kreis Kassel – Viele Eltern suchen aktuell nach einer weiterführenden Schule für ihre Kinder, wenn nächsten Sommer die vierte Grundschulklasse absolviert ist. Dann geht es nicht nur darum, die passende Schulform auszuwählen, sondern auch darum, wie lange via Bus und Bahn die Fahrt von zu Hause bis hin zur neuen Schule dauert. Vor allem für Eltern aus dem Kasseler Umland ist diese Frage nicht unwichtig.

Lars Krex aus Niestetal zählt zu ihnen. Und er macht sich sorgen, dass Schulkinder unter dem Strich viel zu viel Zeit in Bussen und Bahnen verbringen, anstatt diese sinnvoll für andere Dinge des Lebens zu nutzen.

Krex’ eigene Kinder sind mit dem Problem konfrontiert. Die ÖPNV-Verbindung von Sandershausen ist fahrplanmäßig so ausgestaltet, dass die Fahrt hin zur Georg-Christoph-Lichtenbergschule in Kassel – dem einzigen Voll-Gymnasium in Trägerschaft des Landkreises – knapp eine Stunde, und zurück sogar bis zu anderthalb Stunden in Anspruch nimmt. „Auf alle neun Schuljahre in der Lichtenberg-Schule hochgerechnet macht das gut ein Jahr Lebenszeit aus, die meine Kinder nur in Bussen und Bahnen verbringen.“

Krex hält das für unzumutbar. „Allein bei uns in der Nachbarschaft sind rund 20 Familien betroffen.“ So fragt sich der Niestetaler, ob die ÖPNV-Fahrpläne nicht angepasst oder Sonderfahrten angeboten werden könnten, um dieses Problem zu lösen.

Denn tatsächlich haben andere Regionen Richtwerte über maximale Fahrzeiten für Schüler formuliert. In vielen Landkreisen Sachsen-Anhalts beispielsweise gelten Fahrzeiten für Schulkinder im Alter von der fünften bis zur zehnten Klasse (Mittelstufe) von maximal 120 Minuten hin und zurück als zumutbar. „Solche Regelungen gibt es für den Landkreis Kassel nicht“, räumt Kreis-Sprecher Harald Kühlborn ein.

Doch orientiere sich der Landkreis am hessischen Schulgesetz, wonach tägliche Fahrzeiten von Schülern der Mittelstufe von 139 Minuten als grundsätzlich zumutbar gelten. Für Schüler ab der zehnten Klasse könnten Abweichungen auch noch nach oben getroffen werden.

Eine zu starke Anpassung der ÖPNV-Fahrpläne an den Schülerverkehr sei nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus konzessionsrechtlichen Gründen nicht auf die Schnelle zu machen. Jede Änderung im Linienbetrieb wirke sich auf erforderliche Anschlussleistungen aus und müsse deshalb vom RP Kassel zunächst geprüft und abgesegnet werden. Auch das Abziehen von Bussen an anderer Stelle sei nur mit großem Aufwand realisierbar. Kühlborn: „Das Abziehen eines Busses zum Beispiel für Sonder- oder Direktfahrten würde wiederum woanders zu Problemen führen.“ Nach Einschätzung des NVV sei dann dort vermutlich ein Vielfaches an Elternreaktionen zu erwarten.

Grundsätzlich sei der Schülerverkehr in den ÖPNV integriert, sodass die Fahrpläne und Fahrzeiten als Gesamtkonzept gesehen werden müssten. „Es gibt ja auch keine reinen Schulverkehre – abgesehen von jenen für die Förderschulen. Die Busse bedienen also auch öffentliche Linienverkehre.“

Dennoch seien die Fahrpläne der von Schülern genutzten Linien so geplant, dass die reinen Fahrzeiten mit den Vorgaben des hessischen Schulgesetzes im Einklang stünden. So nehme beispielsweise die Fahrzeit zur Lichtenbergschule aus allen Kassel-Plus Gemeinden im Norden und Osten, also Ahnatal, Vellmar, Fuldatal und Niestetal, um die 45 bis 55 Minuten in Anspruch. „Selbst der umsteigefreie Bus der KVG von Fuldabrück-Bergshausen braucht zur Lichtenbergschule 41 Minuten.“

Für Krex ist das ein schwacher Trost. Er geht davon aus, dass der Anteil jener Schüler im Landkreis, die deutlich länger zur Schule fahren müssen, gar nicht so klein ist. „All diese Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft – es muss etwas dafür getan werden, dass sie nicht in Summe ein ganzes Jahr ihrer Jugend in Bussen und Bahnen verbringen.“ (Boris Naumann)

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