Gemeinde setzt auf kleinteilige Entwicklung

Keine Neubaugebiete in Niestetal

Blick auf Niestetal: Rechts ist gut Heiligenrode zu erkennen, rechts ganz unten das Neubaugebiet Am Eichberg. Sandershausen liegt am linken Bildrand mitsamt Rathaus und Hallenbad-Neubau – getrennt durch die A7 mit der Anschlussstelle Kassel-Nord. In der Bildmitte öffnet sich der Sandershäuser Berg.
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Blick auf Niestetal: Rechts ist gut Heiligenrode zu erkennen, rechts ganz unten das Neubaugebiet Am Eichberg. Sandershausen liegt am linken Bildrand mitsamt Rathaus und Hallenbad-Neubau – getrennt durch die A7 mit der Anschlussstelle Kassel-Nord. In der Bildmitte öffnet sich der Sandershäuser Berg.

Der Trend zum eigenen Haus ist ungebrochen. Immer mehr junge Familien wollen sich mit einem Eigenheim realisieren. Die Bauindustrie weiß das und fordert von den Kommunen die Ausweisung immer neuer Flächen für den Wohnungsbau.

Niestetal – Doch was ist, wenn die Entwicklungsmöglichkeiten beschränkt sind? So wie in Niesetal. Das jüngste Neubaugebiet, das in der 11 350-Einwohner-Gemeinde erschlossen wurde, war das Am Eichberg in Heiligenrode. Seither hat sich mehr oder weniger die Erkenntnis durchgesetzt, „dass in Niestetal kaum noch Platz für flächige Neubaugebiete ist“, wie Bürgermeister Marcel Brückmann sagt.

Limitierender Faktor sei nicht nur der Platz, sondern auch die Infrastruktur – sprich die Straßen für den Autoverkehr, die Leitungen für die Wasserver- und -entsorgung und natürlich auch die vorhandenen Schulen und Kindergärten. „Was wir jetzt haben, kann etwa 12 000 Einwohner gut verkraften“, sagt Brückmann.

Noch mehr Einwohner hätten ein Vielfaches mehr an kommunalen Investitionen zur Folge. Selbst bei solider Haushaltslage wäre das kaum zu stemmen. Zwar spült jeder neue Einwohner mehr Einkommensteueranteile und Schlüsselzuweisungen in die Kasse. Doch reiche das bei Weitem nicht aus, um den damit einhergehenden Ausbau der Infrastruktur zu realisieren.

Im Kern sei dieser Mechanismus ja nicht schlecht. So sind die Kommunen selbst gefordert, neue Einnahmequellen zu generieren – zum Beispiel über die Erweiterung von Gewerbeflächen. In Niestetal ist das der Sandershäuser Berg. Auf 22 Hektar sollen sich dort neue Unternehmen ansiedeln. Die daraus zu erwartenden Gewerbesteuermehreinnahnen sind natürlich schon fest einkalkuliert für die Refinanzierung der Kindergärten und auch des neuen Hallenbades in Niestetal. „Neben der grünen Stadtrandlage machen diese Einrichtungen den Ort natürlich auch wieder interessanter und ziehen Menschen an.“

Aber stoße der genannte Mechanismus auch an Grenzen. „Nicht umsonst haben wir gegenüber der Regionalplanung mit Blick auf Neubaugebiete für Wohnhäuser schon eine Null-Meldung gemacht und nur Arrondierungen genannt“, sagt Brückmann. Anders gesagt: Niestetal hält aktuell keine neuen größeren Flächen für Neubaugebiete bereit.

„Das aber ist nicht das Ende für jede weitere Entwicklung“, sagt Brückmann. Niestetal werde weiter wachsen. Grund seien die Bebauungspläne der Gemeinde Niestetal, die eine gewisse Erweiterung von Wohnraum auf jetzt schon bebauten Flächen zuließen. „Und das passiert schon jetzt“, sagt Brückmann. Alte und kleine Einfamilienhäuser aus den 1950er- und 1960er-Jahren würden durch neue größere Wohnhäuser mit in der Regel deutlich mehr Wohneinheiten ersetzt oder ausgebaut. „Das lässt sich auch kaum steuern.“ Eine Änderung der Bebauungspläne zur Eindämmung oder Lenkung dieser Entwicklung sei zum Beispiel allein aus rechtlichen Gründen schwierig durchsetzbar.

Gelenkt werden könne nur noch die behutsame Arrondierung einzelner Flächen in Randbereichen, das Schließen von Baulücken sowie die Nachverdichtung der Innenbereiche. „Aber auch das kann nicht beliebig weit getrieben werden“, sagt Brückmann. Im Gegenteil müsse an dieser Stelle sehr überlegt und gezielt gehandelt werden. „Niestetal soll ja auch seinen dörflichen Charakter mit zum Teil großen Gartenflächen mitten in den Ortsteilen nicht verlieren.“ Das alles mache letztlich die hohe Lebensqualität in Niestetal aus – „ganz zu schweigen von ökologischen und klimatischen Aspekten, die daraus resultieren“.

Insofern sei der Handlungsdruck in Sachen Ausweisung großer Neubauflächen aktuell aus kommunalpolitischer Sicht gar nicht so hoch. Denn sicher ist, dass Niestetal auf schon vorhandenen privaten Flächen weiter wachsen werde. „Dafür sorgen der Generationenwechsel, Privatverkäufe und auch Investoren, die natürlich möglichst viel aus einer alten Parzelle herausholen möchten“, sagt Brückmann. Das passiere von ganz alleine und ließe sich auch kaum aufhalten. (Boris Naumann)

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