Mehr als 150 Unterschriften gesammelt

Kritik an Mountainbike-Piste: Heiligenröder beklagen Streckenbau im Wald

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Über 150 Unterschriften gesammelt: Andreas Herrfeld (von links), Barbara, Reiner Schwietzke und Markus Kolloch kritisieren den Streckenbau mitten im Wald am Rüsteberg. Kommenden Sonntag veranstaltet der TSV Heiligenrode hier ein Mountainbike-Rennen.

Für kräftig Zündstoff sorgt ein Mountainbike-Rennen, das am kommenden Sonntag in Niestetal-Heiligenrode im Wald rund um den Rüsteberg stattfinden soll.

Veranstalter ist der TSV Heiligenrode, erwartet werden rund 100 Mountainbike-Fahrer aus ganz Deutschland. Start- und Zielpunkt ist die Wartburghütte.

Schon seit dem Frühjahr sind Mitglieder der TSV-Radsportabteilung damit beschäftigt, einen gut fünf Kilometer langen Rundkurs durch den Gemeindewald am Rüsteberg anzulegen.

Streitpunkt: Anwohner beklagen, dass für diesen Rundkurs keineswegs nur vorhandene Fortswege und Trampelpfade genutzt werden. „Über weite Strecken sind sogar neue Pfade mitten durch den Wald angelegt worden, was gegen das Hessische Waldgesetz verstößt“, sagt Andreas Herrfeld, der in seiner Nachbarschaft mittlerweile über 150 Unterschriften zum Schutz des Waldes gegen das Mountainbike-Rennen gesammelt hat. 

Besonders brisant für Herrfeld: Einige Wegabschnitte seien sogar ohne vorherige Genehmigung durch die Gemeinde eigenmächtig in den Wald gegraben worden. So sei die Zustimmung erst im Juni vom Gemeindevorstand erteilt worden. „Zu diesem Zeitpunkt waren an vielen Stellen schon Wege teilweise tief in den Hang gegraben worden, an denen es zuvor keine gab“, sagt Herrfeld. Sogar Astwerk und Baumstämme seien extra für die Strecke entfernt worden. Dabei seien auch Motorsägen zum Einsatz gekommen.

Frisch angelegter Mountainbike-Pfad: „Hier hat es zuvor noch nie einen Weg gegeben“, sagen die Kritiker. 

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Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD) räumt ein, dass tatsächlich einige Streckenabschnitte ohne vorherige Absprachen präpariert beziehungsweise komplett neu angelegt wurden. Vor allem am Jägersteig vom Heiligenröder Sportplatz hinauf zum Rüsteberg seien Serpentinen sowie Streckenteile am Steilhang ausgebaut und befestigt worden. „Dafür gab es schon eine Rüge“, sagt Brückmann. Auf anderen neu angelegten Streckenabschnitten dürfe das Rennen jetzt nicht mehr stattfinden.

TSV hat sich entschuldigt

Dennoch gab die Gemeinde grünes Licht für das Radrennen. „Bedingung ist nun, dass all diese Wegbauten und Kurvenbefestigungen nach der Veranstaltung wieder zurückgebaut werden.“

Für die Genehmigung hatte sich Brückmann auch die Expertise von Hessen Forst und der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt. „Auch sie waren mit dem Rennen einverstanden“, sagt Brückmann.

Der TSV selbst versteht die ganze Aufregung nicht. Im Zuge der Vorbereitung der Pisten seien auch Wanderwege wieder begehbar gemacht worden. „Wir haben Müll aus dem Wald geholt und alte Waldpfade wieder zugänglich gemacht“, sagt Rudolf Martin, Leiter der Radsportabteilung beim TSV.

Zudem betont Brückmann, dass es sich bei dem Radrennen um eine einmalige Veranstaltung handele. Danach solle der Rundkurs wieder verschwinden. „Er soll unkenntlich gemacht und durch Totholz so verstellt werden, dass er für Mountainbiker nicht mehr attraktiv ist“, sagt Brückmann. In dieser Beziehung habe es bereits eine Begehung mit dem TSV gegeben.

Der TSV selbst hat sich inzwischen für die Anlage nicht zulässiger Wegbauten entschuldigt. Im Zuge der Vorbereitung der Pisten seien jedoch auch Wanderwege wieder begehbar gemacht worden. „Wir haben Müll aus dem Wald geholt und alte Waldpfade wieder zugänglich gemacht“, sagt Rudolf Martin, Leiter der Radsportabteilung beim TSV. 

Ebenfalls weiß Forstrevierleiter Cord Brand vom Forstrevier Kaufungen um das Rennen am Rüsteberg. „Bei dem Waldstück handelt es sich um Gemeindewald. Die Gemeinde hat das Recht, solch ein Rennen zu erlauben“, sagt Brand. 

Mit Blick auf das Entfernen von Windwurfbäumen am Rüsteberg habe er selbst das Einverständnis gegeben – „einfach, weil das zulässig ist. Und ich wusste auch, dass das jemand machen würde, der gelernter Forstwirt ist und mit einer Motorsäge umgehen kann.“

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