Teamwork und klare Worte

Landratswahl im Kreis Kassel: Andreas Siebert aus Niestetal tritt für die SPD an

Lieblingsort: Mit dem Tierpark Sababurg verbindet Andreas Siebert viele Erinnerungen, das Bild zeigt ihn vor dem Eingang.
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Lieblingsort: Mit dem Tierpark Sababurg verbindet Andreas Siebert viele Erinnerungen, das Bild zeigt ihn vor dem Eingang.

Bei der Kommunalwahl am 14. März entscheiden die Wähler mit ihrer Stimme auch über den künftigen Landrat. Der Niestetaler Andreas Siebert geht dabei als Kandidat für die die SPD ins Rennen.

Niestetal – Wenn man sich angesichts Corona per Videoschaltung „auf einen digitalen Kaffee“ für ein Gespräch trifft, dann liegt die Frage nahe: Wie ist es generell mit dem eigenen Konsum des Koffeinklassikers? „Ich bin ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker“, sagt Andreas Siebert. Ob man das für seinen Job braucht? Es schade auf jeden Fall nicht, aufmerksam zu bleiben, meint der 50-Jährige mit Augenzwinkern.

Sein Job, das ist derzeit der des Vize-Landrats im Kreis Kassel. Nun möchte Siebert das „Vize“ streichen und Landrat werden. Aber warum eigentlich? „Es ist mir wichtig, dass unsere Kinder die Chance haben, hier im Landkreis günstig zu wohnen, hier Arbeit zu finden, hier eine Familie gründen zu können“, lautet seine Antwort. Mit „unsere Kinder“ meint der vierfache Familienvater natürlich nicht nur seine eigenen, sondern alle. „Damit die in vielleicht fünf Jahren mal sagen: Da habt ihr gute Entscheidungen getroffen – das ist für mich der Antrieb.“

Siebert ist im Landkreis groß geworden. Realschulabschluss, Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, Fachabitur auf dem zweiten Bildungsweg, Weiterqualifizierung, Aufstieg bis zum Vize-Landrat: Diese Durchlässigkeit, die er selbst erlebt hat, die Chancengleichheit für alle, sei ihm wichtig, sagt Siebert. Er lobt die duale Berufsausbildung: Eines seiner Kinder habe einen Hauptschulabschluss gemacht, dann im Zuge der Ausbildung einen Realschulabschluss draufgesetzt. „Das ist doch ein tolles System“, sagt er. Abitur sei wichtig, aber es gebe auch andere Wege. Gerade, um in einem Landkreis wie Kassel genügend Nachwuchs für Handwerk und Mittelstand zu sichern.

Er sei nach wie vor ein Fan von Gesamtschulen – so, wie er und seine Kinder sie besuchten.„Soziale Gerechtigkeit ist für mich ein inneres Thema“, betont der Niestetaler. „Und die Sozialthemen sehe ich damals wie heute am besten bei der SPD abgebildet.“ Das Foto eines großen Sozialdemokraten hängt sogar in seinem Büro: „Ich bin ein Fan der Politik von Helmut Schmidt“, sagt Siebert. Dessen Pragmatismus habe er bewundert – auch ein Grund, warum er in der SPD eine politische Heimat gefunden hat.

Ein klassischer Juso war Siebert allerdings nicht. Zwar habe es sich früh – schon mit 15, 16 Jahren – für Politik interessiert. Aber der Parteieintritt kam deutlich später. Der Hintergrund: Wenn schon in die Politik gehen, dann bitteschön auch für die Gemeindevertretung kandidieren, war sein Motto. Dies sei ihm damals als Angestellter in der Gemeindeverwaltung in seinem Wohnort Niestetal aber verwehrt gewesen. Das änderte sich mit dem zwischenzeitlichen Umzug zu seiner damaligen Freundin und heutigen Frau nach Schauenburg-Hof: Mitarbeit im SPD-Ortsverein, Einzug in die Gemeindevertretung, 2001 dann Mitglied im Kreistag.

Seitdem ist Siebert dicht dran an den politischen Themen, die die Menschen in der Region betreffen. Aktuell ist das auch Corona. Als Gesundheitsdezernent war er für den Aufbau des Impfzentrums in Calden zuständig: „Das funktioniert nicht ohne ein gutes Team“, betont Siebert. Er sei ein Netzwerker, ein Mannschaftsspieler, sagt er. „Alleine kann man ja vielleicht tolle Ideen haben. Aber man braucht Mitstreiter, um sie umzusetzen.“ Die finde man idealerweise nicht nur in der eigenen Partei oder dem eigenen Umfeld. Und auch eine gute Idee müsse nicht zwangsläufig von einem selbst sein. Wichtig sei, sie zu entdecken – und mit anderen zusammen für den Landkreis zu verwirklichen.

Was mag er nicht in der Politik? Selbstdarsteller, die sie für ihren eigenen Vorteil betreiben und nur Phrasen verbreiten, sagt Siebert. Man müsse den Menschen klar und deutlich erklären, wie eine Situation sei, findet er. Sein Ansatz: Gemeinsamkeiten suchen, miteinander reden, die Leute an einen Tisch holen. Das ist in diesen Tagen jedoch eher im übertragenen Sinne gemeint – wegen Corona. Auch der Wahlkampf läuft anders ab als sonst. „Es fehlt der persönliche Austausch“, räumt Siebert ein.

Bleibt abzuwarten, wann dieser in der gewohnten Form wieder möglich ist. Genauso wie ein Besuch im Tierpark Sababurg, den Siebert als einen Lieblingsort im Landkreis nennt. „Der Tierpark steht für viele Besuche mit meiner Familie dort und wunderbare Erinnerungen.“ Und durch die Elche für eine Verbindung zu seinem liebsten Urlaubsziel: Skandinavien. Ob dort oder hier in der Region: „Ich bin sehr gerne draußen in der Natur“, sagt Siebert. Ein Ausgleich zu vielen Sitzungen in eher nüchtern eingerichteten Räumen, dies sei für ihn genau wie für viele andere Menschen wichtig: „Man muss sich dafür wirklich die Zeit nehmen.“

Die drei wichtigsten Ziele von Andreas Siebert

Wir haben alle Landratskandidaten nach ihren drei wichtigsten politischen Zielen beziehungsweise Themen gefragt. Hier sind die Antworten von Andreas Siebert im Überblick:

Aufwärts nach der Pandemie: „Die Krise hat gezeigt, wie verletzlich wir sind. Die Gesundheit der Menschen steht an erster Stelle. Deshalb ist es richtig, zunächst die Verbreitung des Corona-Virus zu bekämpfen. Danach kommt aber die Zeit, wo wir grundlegende Fragen unseres Zusammenlebens neu justieren müssen. Der Kreis und seine 28 Städte und Gemeinden müssen eine starke Gemeinschaft bleiben und unser solidarisches Gemeinwesen nach der Pandemie gestalten.

Es gilt, mutig und vorausschauend für ein gutes Leben in unserem Kreis zu arbeiten. Dafür muss weiter investiert und die soziale Infrastruktur gestützt werden. Gemeinsam und mit der Unterstützung von Bund und Land werden wir diese Herausforderung bewältigen.“

Kreisentwicklung: Wie wollen wir in zehn Jahren leben? „Entscheidungen müssen mit Weitblick getroffen werden. Auf meine Initiative wird derzeit ein Kreisentwicklungskonzept mit einem Zeithorizont bis 2030 erstellt. In den nächsten Jahren werden Veränderungen im demografischen, wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Bereich auf den Kreis zukommen. Diesen Veränderungsprozess will ich offensiv angehen, um die Dörfer und Städte im Landkreis als lebenswerte Orte zu erhalten. Wichtig ist mir, dass sowohl das Wissen der Kommunen, der Wissenschaft, aber insbesondere der Bürgerinnen und Bürger mit in das Konzept fließen.“

Digitalisierung für Arbeit und Bildung: „Nicht erst durch Corona wurde mein Fokus auf die Digitalisierung gelenkt. Seit meinem Amtsbeginn habe ich in meinem Dezernat alles „Digitale“ gebündelt, um Synergieeffekte zu nutzen. Mit Erfolg: Unser Kreis hat das hessenweit größte Volumen an Fördermitteln für den Breitbandausbau generiert. Ich werde auch zukünftig dafür sorgen, dass Kommunen, Schulen und Verwaltung eine gute digitale Ausstattung erhalten. Ebenfalls will ich eine zeitgemäße technische Ausstattung unserer modernen Schulen dauerhaft sicherstellen. Glasfaser von außen und WLAN in jedem Klassenzimmer müssen selbstverständlich werden.“

Zur Person Andreas Siebert

Andreas Siebert (50) wohnt mit Ehefrau Diana, vier Kindern und Border-Collie-Hündin Lilly in Niestetal. Seit über zwei Jahren ist Siebert Vize-Landrat im Landkreis Kassel. Zuvor war der gelernte Verwaltungsfachwirt zwölf Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Niestetal. In seiner Freizeit fährt er gerne Fahrrad, unternimmt Wohnmobiltouren und geht mit dem Familienhund spazieren. 

Die Aufgaben des Landrats

Der Landrat nimmt die Vertretung des Landkreises Kassel nach außen wahr, er führt die Beschlüsse des Kreistages aus und erledigt die Geschäfte der laufenden Verwaltung. Er ist der höchste Chef der Verwaltung und hat den Vorsitz des Kreisausschusses inne. Im Rahmen der Kommunalaufsicht über die kreisangehörigen Städte und Gemeinden wird der Landrat auch als untere staatliche Behörde des Landes Hessen tätig. Seit dem Jahr 1997 wird der Landrat unmittelbar von den Kreisbürgern gewählt, für seine Wahl ist die absolute Mehrheit erforderlich und seine Amtszeit dauert sechs Jahre. Amtierender Landrat ist Uwe Schmidt (SPD). Er ist seit Juli 2009 im Amt. (Matthias Müller)

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