47-Jähriger: "Ich gehe in Dankbarkeit"

Darum verlässt SMA-Chef Urbon den Solartechnikhersteller wirklich

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35 Jahre SMA: Zur Jubiläumsfeier wurde im September 2016 die Solar Akademie in Niestetal mit dem Namen des 2015 verstorbenen Mitgründers Günther Cramer versehen. Unser Foto zeigt (von links) Pierre-Pascal Urbon, seinen Nachfolger Dr. Jürgen Reinert und das damalige Vorstandsmitglied Roland Grebe, der kurz darauf aus dem Unternehmen ausschied.

SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon verlässt nach 13 Jahren überraschend den Niestetaler Solartechnikhersteller. Nun hat er seine Gründe erklärt.

Er gehe "in bestem Einvernehmen", versichert der 47-Jährige: „Es war meine Entscheidung, ich wollte es so.“ Darum gehe er in Dankbarkeit. Die Zeit bei SMA sei super gewesen, auch als es schwierig geworden sei, versichert Urbon unter Hinweis auf den kometenhaften Aufstieg des Unternehmens und den jähen Fall, als SMA 2013 infolge der Solarkrise in die Verlustzone geriet. Danach folgte eine Phase des Umbaus, die bis heute anhält und sich unter dem Druck chinesischer Billigkonkurrenz auch künftig fortsetzen dürfte.

Aber die aktuellen Schwierigkeiten – wie berichtet, plant SMA eine erneute Umstrukturierung und einen Stellenabbau in bislang ungenanntem Umfang – sind laut Urbon nicht der Grund für seinen Weggang. „Ich will etwas Neues machen. Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür“, sagt der verheiratete Vater zweier Kinder, der im Dezember seinen 48. feiert. Was genau, verrät er nicht. Nur so viel: Er wird es wohl nicht von Kassel aus tun.

Gleichwohl will er seinen Lebensmittelpunkt in Kassel belassen. „Wir sind hier zuhause“, erklärt Urbon. Seine Frau, Dr. Ute Urbon, führt das Berufsbildungszentrum des Handwerks, und seine Kinder sind hier aufgewachsen.

Urbon geht schweren Herzens, aber auch mit großer Freude und Neugier aufs Neue. „Ich habe viele Ideen und bin gespannt, wie sie sich entwickeln“, so der Finanzfachmann, der seit 2005 maßgeblich an der Internationalisierung und am Börsengang von SMA vor zehn Jahren beteiligt war. „SMA mit seiner speziellen Unternehmenskultur wird mir fehlen“, sagt er wehmütig.

Keine Details zur bevorstehenden Umstrukturierung

Details zur bevorstehenden Umstrukturierung nennt Urbon nicht, erklärt aber, dass sie im Kern steht. Bis zum Jahresende werde er aktiv am Konzept und der Vorbereitung der Umsetzung mitarbeiten. Letztere will er seinem Nachfolger, Dr. Jürgen Reinert, überlassen. Urbon: „Er ist der richtige Nachfolger“.

Der 50-Jährige, der in Südafrika Elektrotechnik studierte, an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen promovierte und bis zu seinem Wechsel zu SMA vor sieben Jahren für den schwedischen Technologiekonzern Emotron tätig war, ist seit 2014 Vorstandsmitglied und somit bestens mit dem Unternehmen vertraut. Der Spezialist für Stromrichtertechnik – also für das Kerngeschäftsfeld von SMA – ist bei der Belegschaft beliebt. Beschäftigte beschreiben ihn als kompetenten Teamplayer und guten Zuhörer.

Hersteller von Wechselrichtern

SMA stellt unter anderem Wechselrichter in allen Größen und für alle Anwendungen her. Sie wandeln in Solaranlagen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom. Zum Produktportfolio gehören ferner Batteriespeichersysteme, Hybridkraftwerke etwa für Inseln und entfernte Siedlungen sowie intelligente Systeme zur Steuerung der Haustechnik. Zurzeit ist das Unternehmen dabei, seine neuen Geschäftsfelder als Energiedienstleister und Datenhändler auszubauen, um unabhängiger vom reinen Wechselrichter-Geschäft zu werden.

Von José Pinto

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