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Nieste an A7 wird weiter renaturiert

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Von: Boris Naumann

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Das Bild zeigt einen Bachlauf, rechts und links stehen Bäume am Ufer.
Blick nach Osten auf die Nieste von der Hermann-Scheer-Straße aus: Nach der Renaturierung wird der neue Niestelauf von links ins Bild kommen. Der alte Niestelauf wird mit drei kleinen Dämmen unterbrochen, sodass in seinem Bett Stillgewässer entstehen, die nur bei Hochwasser mit neuem Wasser aufgefüllt werden. © Boris Naumann

Es ist jetzt knapp drei Jahre her, als im Mai 2019 Tief Axel für Überflutungen entlang der Nieste in Sandershausen sorgte.

Niestetal - Rund 180 000 Euro musste die Gemeinde damals zur Beseitigung von Schäden aufbringen, hinzu kamen die ganzen Schäden an privaten Wohnhäusern, in denen Keller und Garagen vollgelaufen waren. Tief Axel war Anlass genug, um wieder über eine Verbesserung des Hochwasserschutzes in Niestetal nachzudenken. Tatsächlich sind die Planungen der Gemeinde nun soweit vorangeschritten, dass der Bau eines weiteren Flut-Areals direkt östlich der A 7-Autobahnbrücke zwischen Sandershausen und Heiligenrode noch in diesem Jahr nahezu vollständig umgesetzt werden kann.

Damit wird dann die bereits 2014 angelegte, rund 71 000 Quadratmeter große Niesteaue gegenüber dem Rathaus um eine weitere, etwa 12 000 Quadratmeter große Fläche erweitert. Vorgesehen ist ein Bodenaushub von rund 5700 Kubikmetern Erde, damit die Wassermassen der Nieste bei einem Hochwasser in diesen Retentionsraum einfließen und somit zurückgehalten werden können (lat. retinere, dt. zurückhalten).

Wichtiges Element dabei ist es, die Nieste aus ihrem bisherigen schnurgeraden Verlauf heraus nach Norden hin als naturnah gestaltetes Fließgewässer mit Mäandern (Schleifen), Mulden und Kolken (wassergefüllte Vertiefungen) zu verlagern. Drei kleine Inseln werden dem neuen Lauf zusätzlich Struktur geben. Eine mit Schüttsteinen angelegte Wassergleite führt die Nieste kurz vor der Hermann-Scheer-Straße wieder zurück in ihren Altlauf. Zudem wird weiter oberhalb noch eine zweite Rinne ausgehoben, die sich allerdings nur bei Hochwasser mit Wasser füllen wird.

Im Bereich des alten, schnurgeraden und sehr tief eingeschnittenen Niestelaufs sollen mit dem Bodenaushub nicht zuletzt drei quer zur Fließrichtung angeordnete Mini-Dämme aufgeschüttet werden. „Diese Dämme werden bei Normalwasser nicht überspült, sodass im alten Niestelauf kleine Stillgewässer als zusätzliche Biotope entstehen. Nur bei Hochwasser werden die Dämme überspült und die Biotope mit Frischwasser aufgefüllt“, erklärt Axel Sobirey von der beauftragten Kasseler Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Gewässerökologie und Umweltplanung (kurz Wagu).

All diese baulichen Maßnahmen sorgen dafür, dass noch einmal ein Hochwasserschutz von etwa einem Drittel der Leistungsfähigkeit der schon seit 2014 bestehenden Niestetaue am Rathaus hinzukommt. Damit kann ein Schutz für Sandershausen erreicht werden, der einem hundertjährigen Abflussereignis der Nieste gewachsen ist. Nach einem Dauerregen wie bei Tief Axel vor drei Jahren hätte es also keine Überflutungen in Sandershasen gegeben.

Im Prinzip schon abgeschlossen ist bereits die Einholung von Angeboten für ingenieurfachliche Sonderleistungen. Gehölzrodungen durch den Bauhof könnten bis Ende Februar erledigt sein. Bis April laufen noch Abstimmungen mit den Städtischen Werken, weil durch das Flut-Areal noch eine Wasserleitung verläuft. Die eigentliche Ausschreibung der Bauleistungen soll dann – so sieht es der Zeitplan vor – im Mai oder Juni erfolgen, sodass Ende August mit dem Bau begonnen werden kann. „Im Februar 2023 könnte dann bereits alles fertig sein“, sagt Axel Sobirey.

Alles in allem wird die Renaturierung der Nieste zum Zweck des Hochwasserschutzes an dieser Stelle 460 000 Euro kosten, davon werden 356 000 Euro vom Land gefördert. Nicht zuletzt wird dieses neue Areal auch als Ausgleichsfläche für den Naturschutz mit Blick auf die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes Sandershäuser Berg eine Rolle spielen. Weitere Renaturierungen entlang der Nieste sind bis hinauf nach Uschlag geplant. ArchivFoto: Sabine OSchmann

Von Boris Naumann

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