Erdwälle gegen Krach

Niestetal nimmt Lärmschutz an der A7 selbst in die Hand – Erste Ideen gibt es

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In Niestetal fühlen sich Anwohner vom Krach der A7 schon seit Jahren gestört. 

Die Gemeinde Niestetal will sich um den Lärmschutz für Heiligenrode und Sandershausen kümmern. An geeigneten Stellen sollen bis zu zehn Meter hohe Erdwälle aufgeschüttet werden.

Und zwar zwischen der Anschlussstelle Kassel-Ost bei Heiligenrode die A7 hinauf bis zum Ende der Ortslage Sandershausen. Damit ließe sich, so Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD), der Autobahnlärm für Anwohner auf ein erträgliches Maß reduzieren.

„Grundsätzlich ist der A7-Krach, der hinüber in die Wohngebiete von Heiligenrode und Sandershausen schallt, schon seit vielen Jahren ein großes Ärgernis“, sagt Brückmann. Je nach dem, aus welcher Richtung der Wind gerade wehe, werde ein Aufenthalt auf der Gartenterrasse unerträglich.

Zwar liegen die Lärmbelastungen zum Beispiel im Bereich der Neubausiedlung Am Eichberg in Heiligenrode sowie Am Teufelsberg in Sandershausen noch unter den gesetzlichen Grenzwerten von 67 Dezibel tagsüber und 57 Dezibel nachts. „Sie sind aber nicht mehr so weit davon entfernt“, sagt Niestetals Bauamtsleiter Peter Lieder.

So seien bereits im Zuge einer gemeindlichen Lärmschutzplanung Werte zwischen 64 und 60 Dezibel (58 bis 55 Dezibel nachts) Am Teufelsberg in Sandershausen sowie Werte zwischen 60 und 57 Dezibel (55 bis 52 Dezibel) im Bereich der Neubausiedlung Am Eichberg ermittelt worden.

„Solche Werte mögen rechtlich noch nicht genügen, um weiteren Lärmschutz entlang der A7 einzufordern. Für uns aber sind sie zu hoch“, führt Lieder weiter aus. So empfehle die Weltgesundheitsorganisation WHO Richtwerte, die deutlich unterhalb der in Deutschland geltenden Grenzwerte für Verkehrslärm liegen. So sollten Lärmpegel auf weniger als 53 Dezibel tagsüber verringert werden, um schädliche gesundheitliche Auswirkungen zu vermeiden (45 Dezibel nachts).

„Die DIN-Norm für Verkehrslärm in Wohnbereichen liegt mit 50 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nachts sogar noch einmal deutlich darunter“, sagt Lieder. „An diesen Werten wollen wir uns orientieren“. Tatsächlich ließe sich mit etwa zehn Meter hohen Erdwällen entlang der A7 die Lärmbelastung sehr effektiv auf ein adäquates Maß reduzieren.

Vorhaben ist bislang Gedankenspiel

Einziger Nachteil dabei: „Aus Platz- wie auch aus topografischen Gründen werden sich solche Erdwälle nicht an jeder Stelle realisieren lassen“. So müssten vor allem der Bereich In den Müllerwiesen in Heiligenrode sowie der Bereich am A7-Parkplatz Herkulesblick in Sandershausen ausgespart bleiben. „Aber an all jenen Stellen, an denen Aufschüttungen möglich sind, lassen sich die Erdwälle so gut in die Landschaft einbauen, dass sie später kaum noch als künstliche Bauwerke wahrgenommen werden“, sagt Lieder.

Natürlich handele es sich bei dem Vorhaben bislang erst um ein Gedankenspiel. „Bis wir eine handfeste Planung anstoßen können, werden gut fünf Jahre der Vorbereitung vergehen“, sagt Lieder. So seien noch viele Abstimmungsgespräche mit Hessen Mobil zu führen, Grundstücksangelegenheiten zu klären und vor allem Beratungen und Entscheidungen auf politischer Ebene abzuwarten.

Immerhin: Eine Idee, woher das ganze Material für die Wälle herkommen soll, gibt es schon. „Derzeit wird überall in Nordhessen gebaut“, sagt Brückmann. „Die enormen Mengen an Aushub, die Anfallen, müssen normalerweise teuer entsorgt werden. An dieser Stelle könnte die Gemeinde Niestetal als preiswerter Abnehmer ins Spiel kommen. Idealerweise ließe sich das gesamte Vorhaben durch diese Einnahmen finanzieren.“

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