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Niestetal plant Lärmschutz an der Autobahn 7

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Von: Boris Naumann

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Nahe der A 7 werden in beiden Ortsteilen Niestetals laut jüngster Messungen Grenzwerte deutlich überschritten. Der Bau von Lärmschutzwällen auf eigene Faust offenbart sich jedoch als Großprojekt.
Nahe der A 7 werden in beiden Ortsteilen Niestetals laut jüngster Messungen Grenzwerte deutlich überschritten. Der Bau von Lärmschutzwällen auf eigene Faust offenbart sich jedoch als Großprojekt. © Axel Heimken/dpa

Der Lärm von der Autobahn belastet viele Niestetaler schon lange. Deren Entlastung aber gestaltet sich schwierig. Eine Zwischenbilanz.

Niestetal – Es war eines der Wahlversprechen von Niestetals Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD), sich um Lärmschutz entlang der A 7 zu kümmern. Vier Jahre ist das her. In dieser Zeit ist der Verkehr auf der A  7 mit derzeit rund 62 000 Fahrzeugen pro Tag (gut 16 000 davon sind Lkw) nicht weniger geworden – und der Lärm damit auch nicht.

Was hat die Gemeinde Niestetal in Sachen Lärmschutz in jüngster Zeit unternommen? Und was kann sie überhaupt tun? Hier einige Fragen und Antworten.

Regelmäßig beklagen sich Anwohner aus Heiligenrode und Sandershausen über den A 7-Krach. Was lässt sich daran ändern?

Zunächst einmal ist Lärmschutz Sache des Bundes – und damit der Autobahngesellschaft des Bundes. Schutzwände werden aber nur dann gebaut, wenn wesentliche Änderungen an einer schon bestehenden Autobahn vorgenommen werden – zum Beispiel der Ausbau von sechs auf acht Fahrspuren. Das aber ist ab Kassel-Nord in Richtung Göttingen im Verkehrswegeplan 2030 nicht vorgesehen. So kann sich die Gemeinde nur selbst um ihren Lärmschutz kümmern.

Und was hat die Gemeinde bislang unternommen?

Schon vor vier Jahren hatte die Gemeinde die Idee entwickelt, an geeigneten Stellen rechts und links der A 7 Lärmschutzwälle aufzuschütten. „Diese Idee ist nach wie vor eine Option“, sagt Bürgermeister Brückmann. Inzwischen seien daraus konkrete Vorschläge entstanden, über die auch schon die Politik informiert worden sei. „Es zeigt sich aber auch, dass ein Lärmschutzwall nicht einfach so zu realisieren ist“, sagt Brückmann.

Warum? Was sind die Schwierigkeiten?

Zum einen erlaubt die Topografie entlang der A 7 keinen lückenlosen Lärmschutz. Wälle lassen sich nur dort aufschütten, wo genug Platz ist und die Autobahn selbst nicht auf einem aufgeschütteten Damm ruht. Eine andere Schwierigkeit sind die ungeheuren Erdmassen, die für eine Wallaufschüttung erforderlich sind. „Und letztlich ist auch die Zeit ein Problem. Denn um einen Damm aufzubauen, dauert es Jahre“, sagt Brückmann.

An welchen Stellen wären überhaupt Lärmschutzwälle möglich?

In Sandershausen auf der westlichen Seite der A 7 vom Wichtelbrunnenweg hinauf bis zum Obelweg – und optional noch weiter bis zur Brücke, die zu SMA hinüberführt. Und in Heiligenrode auf der Ostseite der A 7 etwa in Höhe des Neubaugebietes Am Eichberg.

Das ist aber nicht viel! Vielleicht gerade mal 400 oder 500 Meter pro Standort?

„Das ist aus topografischen Gründen so richtig“, sagt Brückmann. „Einen lückenlosen Lärmschutz könnte nur der Eigentümer der A 7, also der Bund liefern – zum Beispiel dadurch, dass er moderne Lärmschutzanlagen direkt neben der Fahrbahn baut.“

Auch wenn die Wälle nur 400 oder 500 Meter lang werden, wird eine Menge Füllmaterial dafür notwendig werden. Wie viel?

Überschlagen ist das eine einfache Volumenberechnung. Nach geltenden Bauvorgaben hätte jeder Wall ein Volumen von etwa 150 000 Kubikmetern, was einer Masse von jeweils 300 000 Tonnen entspricht.

Ein Muldenkipper schafft pro Fahrt 25 Tonnen. Das sind also 12 000 Fahrten für jeden Wall. Bei rund 250 Werktagen pro Jahr macht das 48 Fahrten pro Acht-Stunden-Tag. Etwa alle zehn Minuten würde ein Lkw Erde oder Schutt anliefern. Wie soll das gehen, zumal die geeigneten Standorte nur über Wohngebiete zu erreichen sind?

„Wir bauen den Wall ja nicht in einem Jahr“, sagt Brückmann. „Wir gehen von einer Bauzeit von neun Jahren aus.“ Dennoch bleibe dies ein zu lösendes Problem. „In der Politik gab es den Vorschlag, das Heiligenröder Vorhaben mit dem Bau der A 44 zu verknüpfen, das wäre eine echte Entlastung für die Söhrestraße. Auch könnten extra Baustraßen angelegt werden.“

Und woher käme das ganze Material?

„In den nächsten Jahren wird weiter an der A 44 gebaut. Da wird viel Aushub anfallen“, sagt Brückmann. Dieser „saubere“ Aushub wäre zum Beispiel geeignet für den Wall in Sandershausen, weil dieser dort in einem Trinkwasserschutzgebiet (Zone III) liegt. In Heiligenrode dürften auch Bauschutt wie Beton, Ziegel, Fliesen und Keramik und sogar Schlacken, Rost- und Kesselaschen verbaut werden – „natürlich alles unter einer regenwasserdichten Abdeckung, auf der wiederum eine kultivierbare Bodenschicht ruht.“

Und die Kosten?

Im Idealfall springe mit der Realisierung beider Schallschutzwälle sogar ein kleiner Gewinn für die Gemeinde heraus. Zwar koste der Bau viel Geld, jedoch käme auch wieder Geld durch das Deponieren der Füllmaterialien herein. Die Gemeinde verdient also daran, dass sie Bodenaushub oder Bauschutt von Baustellen anderenorts annimmt. Außerdem ergäben sich noch weitere Gestaltungsmöglichkeiten auf diesen Wällen, entweder als PV-Flächen, zur Eingrünung oder sogar als BMX-Strecke.

Wie wird es jetzt weitergehen?

Wie Brückmann mitteilt, seien die politischen Fraktionen bereits über die wesentlichen Sachverhalte informiert worden. „Wir befinden uns mitten im Abwägungsprozess“, sagt Brückmann. Letztlich werde die Politik darüber entscheiden müssen, ob Lärmschutz entlang der A 7 auf diese Weise realisiert werden soll. Andere Wege seien nur von Dritten machbar. „Natürlich halten wir auch weiter Kontakt zur Autobahngesellschaft des Bundes“, sagt Brückmann und verweist auf einen Forderungskatalog, den er jüngst an die Autobahngesellschaft gerichtet hat.

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