Treibstoff für die Milchprodzktion

Niestetaler Landwirt baut das Futter für seine Kühe selbst an

Die Kühe von Landwirt Reiner Heinz lassen sich ihre Silage schmecken.
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Die Kühe von Landwirt Reiner Heinz lassen sich ihre Silage schmecken.

Was früher in der Region zum Alltag gehörte, ist heute nur noch für wenige Beruf. Ein Jahr begleiten wir Bauern bei ihrer Arbeit. Diesmal Reiner Heinz aus Niestetal.

Niestetal – Im Stall von Reiner Heinz in Niestetal hängt der leicht süßliche Duft von Silage in der Luft. Seine Kühe lassen sich gerade Mais- und Grassilage schmecken. Die stammt aus dem letzten Jahr. Eigentlich wäre in den ersten zwei Maiwochen die Zeit für den ersten Grasschnitt und damit der Beginn der Silageherstellung. „Allerdings machen uns da das schlechte Wetter und der viele Regen einen Strich durch die Rechnung“, sagt Heinz.

Insgesamt 125 Kühe aller Altersgruppen leben in den Ställen am Sandershäuser Berg. Platz wäre für mehr Tiere da. „Aber durch die Trockenheit der vergangenen drei Jahre haben wir dafür nicht genug Futter“, sagt Heinz. Daher freut er sich dann doch ein wenig über den Regen. Denn das Futter baut die Familie selbst an. Auf seinen Feldern wachsen Futtermais, Gerste, Weizen und Raps. Hinzu kommt noch Grünland. Natürlich könne man Futter auch zukaufen, erklärt Heinz, doch das wäre zu teuer.

Neben der Silage bekommen die Milchkühe je nach Leistung auch noch Kraft- und Zusatzfutter. Angefangen mit der Milchviehhaltung in Niestetal hat die Familie nach dem 2. Weltkrieg. Zunächst aber deutlich kleiner. „Damals gab es erst nur zwei Ziegen, dann kamen Kühe hinzu“, sagt Heinz. Sein Vater, gelernter Landwirt, profitierte dann in den 70er-Jahren von gesellschaftlichen Veränderungen und konnte den Betrieb vergrößern. „Viele haben damals aufgehört, weil sie keinen Nachfolger oder bessere Verdienstmöglichkeiten in der Industrie fanden.“ Am Ende blieben dann von über 30 Milchproduzenten in Niestetal nur einer übrig. Eine Entwicklung, die sich fortsetzte. Heute gibt es im Landkreis Kassel noch 68 milchkuhhaltende Betriebe mit 4917 Milchkühen, wie Kreissprecher Harald Kühlborn mitteilt. Noch vor fünf Jahren waren es deutlich mehr: Damals gab es 89 Betriebe mit 5657 Milchkühen. Obwohl auch deutschlandweit die Zahl der Betriebe sinkt, steigt die Produktion. In keinem Land der EU wird laut Statistischem Bundesamt mehr Milch produziert als in Deutschland.

Familie Heinz hielt und hält durch. Vor zehn Jahren vergrößerte sie sich sogar noch einmal. Eine neue Stallanlage entstand am Sandershäuser Berg unterhalb des SMA-Servicezentrums, der alte Hof am Ortsrand war zu klein geworden. Mit Sohn Michael steht die vierte Generation schon in den Startlöchern, sagt der 56-jährige Reiner Heinz.

„Das Ganze funktioniert auch nur, weil wir ein Familienbetrieb sind“, sagt Heinz. Seine Frau komplettiert das Team. „Sie macht die Büroarbeit“, erklärt Heinz. Der bürokratische Aufwand sei in den vergangenen Jahren immer höher geworden. Ohne die familiäre Unterstützung würde es nicht funktionieren. Denn reich kann man mit Milch nicht werden. „Aktuell bekommen wir 31 Cent für den Liter Milch“, sagt Heinz. Anders als bei vielen anderen Produkten, steigen die Preise hier nicht konstant, sondern schwanken stark. „In den 80er-Jahren waren es auch schon mal 80 Pfennig.“ Gleichzeitig seien aber die Produktionskosten gestiegen. Diesel und Maschinen sind heute viel teurer. Milchviehwirtschaft sei kaum auskömmlich: „40 Cent bräuchten wir schon mindestens“, sagt er. Auf die Politik hofft er nicht mehr, stattdessen setzt er auf den Handel und die Macht der Verbraucher. „Milchprodukte müssen mehr einbringen“, sagt Heinz. Dann könnte man die Zahl der Kühe auch reduzieren und so zum Beispiel auch etwas für die CO2-Bilanz tun. Er ist merklich frustriert. „So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen.“ (mia)

Herkunft des Milchprodukts

Nicht immer lässt sich auf den ersten Blick erkennen, woher ein Milchprodukt stammt. Orientierung bietet das ovale Identitätskennzeichen. Das verrät zumindest, welche Molkerei die Milch abgefüllt oder das Milchprodukt hergestellt hat. Das Kürzel EG steht dabei für Europäische Gemeinschaft, DE für Deutschland und HE für Hessen. Eine drei- bis fünfstellige Nummer gibt die Produktionsstätte an, die man über die Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit abrufen kann. Außerdem gibt es inzwischen einige Höfe in Hessen, die Rohmilchautomaten aufgestellt haben. Eine Liste gibt es auf der Website des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen.

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