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Nur durch die Polizei im Zaum zu halten: Raser machen Ärger in Niestetal

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Von: Boris Naumann

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Nur über eine mobile Blitze verfügt der Gemeinsame Ordnungsbehördenbezirk, dem auch Niestetal angehört. Die wird aber nachts, wenn die meisten Raser und Poser unterwegs sind, nicht eingesetzt. Grund: Für die Ordnungsbeamten wäre das zu gefährlich. Die Polizei hat dagegen bessere Möglichkeiten und Befugnisse. Archi
Nur über eine mobile Blitze verfügt der Gemeinsame Ordnungsbehördenbezirk, dem auch Niestetal angehört. Die wird aber nachts, wenn die meisten Raser und Poser unterwegs sind, nicht eingesetzt. Grund: Für die Ordnungsbeamten wäre das zu gefährlich. Die Polizei hat dagegen bessere Möglichkeiten und Befugnisse. Archi © Swen Pförtner/dpa

Ein Anwohner aus Niestetal beschwert sich über den Lärm durch Autoposer, das Ordnungsamt ist weitestgehend machtlos.

Niestetal – Bisweilen steht Michael Oertel senkrecht im Bett, wenn in der Nacht Autos mit hoher Geschwindigkeit und lautem Motorengeheul die Heiligenröder Straße am Rathaus in Sandershausen entlanggerast kommen.

Oertel lebt direkt im angrenzenden Wohngebiet südlich der Heiligeröder Straße und hat aus seinem Zimmerfenster heraus freien Blick auf das, „was auf da auf der Straße passiert“, wie er sagt. Auch der Parkplatz zum Naturerlebnisbad werde immer häufiger von Autoliebhabern besetzt, „die dann auch dort ordentlich Krawall machen“.

Oertel war einer von vielen Niestetalern, die am vorvergangenen Mittwochnachmittag am HNA-Mobil auf dem Rewe-Parkplatz in Sandershausen Station machten, um den beiden HNA-Redakteuren Michaela Pflug und Boris Naumann zu erzählen, wo bei ihnen der Schuh drückt. Und bei Oertel war es der Autolärm auf der Heiligenröder Straße.

Zudem habe er den Eindruck, dass zu wenig kontrolliert werde. „Seit wir den Gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirk haben, passiert in dieser Hinsicht viel zu wenig“, beklagt sich Oertel. So gebe es für die fünf GOB-Kommunen nur noch ein einziges mobiles Blitzgerät. „Das kann doch nicht ausreichen“, sagt Oertel. Raser könnten so machen, was sie wollten.

Tatsächlich setze der GOB aktuell nur ein mobiles Blitzgerät ein, bestätigt GOB-Leiter Harald Stückrad. Das Gerät sei gemietet und werde mehrmals pro Woche irgendwo im GOB-Bezirk, das heißt also in Niestetal, Kaufungen, Helsa, Nieste oder Söhrewald aufgestellt. „Das Blitzen ist für uns die einzige Möglichkeit, Tempoverstöße direkt aufzunehmen“, sagt Stückrad. Verkehrs- und Führerscheinkontrollen, so wie sie die Polizei durchführe, dürften die Ordnungsbeamten des GOB gar nicht machen.

Dafür sei die Polizei zuständig. „Die Polizei hat eignes die Einsatzgruppe Tuner aufgebaut, die sich speziell um auffällige Autofahrer aus der Tuner-, Poser oder Raser-Szene kümmert“, erklärt Stückrad. Dort seien Spezialisten am Werk, die auch mit den entsprechenden Möglichkeiten und Befugnissen ausgestattet seien.

„Wenn wir Meldungen von Bürgern erhalten, dass es irgendwo in Niestetal, Kaufungen, Helsa, Nieste oder Söhrewald zu Schwierigkeiten mit Leuten aus der Tuner-, Poser oder Raser-Szene kommt, dann leiten wird das sofort der Einsatzgruppe Tuner weiter, die dann unmittelbar tätig wird“, sagt Stückrad.

So sei es erst neulich wieder geschehen, als in der Niestetaler Bürgerversammlung vom 23. Juni Rufe laut geworden waren, dass am Sandershäuser Berg wieder Raser und Poser unterwegs seien. „Darauf haben wir und die Polizei sofort reagiert.“

Stückrad räumt ein, dass die Einsatzmöglichkeiten der Ordnungsbeamten auch zeitlich eingeschränkt seien. „Nachts kann ich meine Leute allein schon aus einer Fürsorgepflicht heraus nicht rausschicken.“ Ordnungsbeamten seien nicht bewaffnet und könnten sich in eskalierenden Situationen nicht wirklich verteidigen.

„Deshalb blitzen wir auch nicht in der Nacht, wenn die meisten Raser unterwegs sind“, sagt Stückrad und betont erneut, dass gerade dieses Thema nicht Sache des GOB sei, sondern Sache der Polizei. „Dort finden Bürger die richtigen Ansprechpartner. Dort können Bürger auch die passende und effektive Unterstützung erwarten und bekommen“.

Stückrad betont, dass dem GOB bislang keine Auffälligkeiten an der Heiligenröder Straße bekannt geworden seien. „Wir verfügen aber über Seiten-Radar-Geräte, die 24 Stunden am Tag an bestimmten Stellen den Verkehr aufzeichnen können. Die Geräte messen die Anzahl der Kraftfahrzeuge, unterscheiden zwischen Pkw und Lkw und messen die gefahrenen Geschwindigkeiten.“ Fotos würden dabei aber nicht gemacht, alles bleibe anonym.

„Diese Radar-Geräte setzen wir regelmäßig überall im GOB-Bezirk ein. Bislang gibt es aber keinen einzigen erkennbaren Gefahrenschwerpunkt in den fünf Kommunen. Die Verkehrssicherheit ist gegeben“, sagt Stückrad.

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